Ist das schon Nerd

Immernoch einen Artikel zu Definitionen in der Pipeline erste Proto-Überlegungen an einem Beispiel:

Mein Netzteillüfter hat den Geist aufgegeben. Leider waren auf die Schnelle Lüfter mit zwei-pin Anschluß nicht aufzutreiben, sodaß ich einen gleichgroßen Gehäuselüfter mit Dreipinstecker genommen habe und diesen einfach am Mainboard angeschlossen habe.

Das Problem daran ist zweilei: (1) ich weiß nicht, wem ich das erzählen soll. Für Nerds/Geeks (wählen wir im folgenden hiernach „Geek“) dürfte dies ein trivialer Vorgang sein – allenfalls ein müdes Lächeln wert, daß ich an Werkzeug nichts als mein Schweizermesser nutzte -, für technisch uninteressierte hingegen Technobabble. Sodaß die einzig kommunizierbare Aussage wäre, durch ein wenig ‚rumgeschraube (an „void warranty“ Zonen) massig Zeit und Geld gespart zu haben; also die Meta aussage, daß ich ach so l337 sei. Was (2) aber nicht so ganz stimmt. Das Stromkabel war nämlich zu kurz und ich habe nicht etwa Draht dazwischengelötet, sondern ein – mit knapp 2€ gegenüber dem Materialwert deutlich überteuertes – Verlängerungs- Steckkabel gekauft.

Bin ich jetzt also ein* „echte*“ Geek? Wahrscheinlich schon deshalb nicht, weil diese Bastelei sonst nicht der Rede wert gewesen wäre. Doch haben wir hier zunächst einmal die Verheißung von Definitionen, ein Kriterium eindeutiger Beantwortung zu finden. Denn Low-Level Standpunkttheorien „für die geeks nicht, für die nicht-geeks schon“ scheinen hier ein wenig unbefriedigend. Doch für Standpunkttheorien relevant wäre auch, daß ich mit der Bastelei anfing, um mir die Kosten für Reparaturen/Ersatzteile zu sparen. D.h., Es ist nicht immer das zuviel an Geld, das eine* an Computern schrauben läßt …

Oder macht es zumindest den Nerd aus: Groucho-Marxist* zu sein, keinem Club angehören zu wollen, der leute wie ihn_sie nimmt?

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3 Responses to Ist das schon Nerd

  1. drkultur sagt:

    Technobabble? Es gibt Menschen, die könnten dan ganzen Tag über Fußball oder Autos oder Computer oder Musik reden oder philosophische Debatten führen (evtl. ließe sich diese Ausprägung unterschiedlicher Fetische oder Wissensfelder mit Bourdieu durch lebensweltliche Erfahungs-/Sozialisationskontexte, Bewertungs-/Wahrnehmungsschemata etc. oder eben kurz mit Habitus erklären). Interessant aber die „Strukturierung dieser Struktur“ durch Wissensproduktion: Für oben genannte Themen (Ok, die (Hobby)philosophie wäre da ein Sonderfall) gibt es ja etliche Zeitschriften oder allgemeiner: Ökonomien, die diese Bedürfnisse hervorbringen und eben Befriedigung versprechen (genannte (Hobby)philosophen würden dafür wohl akademische Kontexte aufsuchen). Mit anderen Worten: Alle Subjektpositionen sind irgendwie doof und selbst das Schrauben am Computer wird damit zur Identitätspolitik und -zuschreibung. Wenn dein nächster blog über Fußball geht, bist du wenigstens queer 😉

    • Odradek sagt:

      Ähm, nicht daß Fußball nicht schon ein Thema war …

      Interessant finde ich v.a. das Dilemma: In Analogie zur Heimwerkerei hat gerade Geekigkeit eine florierende Ökonomie im Hintergrund (von überteuerten und schick designten Äpfeln bis hin zu Szene-TShirts), von daher läßt sich sowas leicht als so emanzipatorisch wie Fußball-fandom ansehen. Wenn wir hingegen davon ausgehen, daß das Leben in dieser Gesellschaft ohne Computer mittlerweile recht schwer sein dürfte, heißt Bastelkompetenz (die ich wie erwähnt ja hier nur sehr begrenzt gezeigt hatte) wieder „verallgemeinertes Handeln“, d.h., sich Verfügung über die eigenen Lebensverhältnisse zu verschaffen. Wobei – Beispiel Heimwerkerei – die Grenze zwischen „verschaffen“ und „simulieren“ fließend ist.

      Auch in Szene-Analogien wird es ambivalent, ist das Computerschrauben die Nachfolgetätigkeit des Autoschraubens (das durch Computer verändert wurde) oder (mir fällt kein besseres Beispiel für spießbürgerliche Luxushobbys ein) der gelangweilte Angestellte, der durch Heimwerkerei peinliche Männlichkeitsinszenierungen performt? Wäre es also die queerere Geschichte geworden, wenn mich mit dem Problem wegen ihres Lötkolbens (Phallussymbol?) an ihdl gewendet hätte?

      • drkultur sagt:

        Jo, sind halt nur verwandte Phänomene. Natürlich finde ich persönlich Computerschrauben sympatischer als Autoschrauben (nicht das ein funktionsfähiges Fortbewegungsmittel manchmal auch nicht schadet, aber bitte kein „Pimp my Ride“ -> oder war diese Sendung nicht sogar schon irgendwie parodistisch oder doch eher pastiche?).
        Was beide gemein haben, sie basieren auf gewissen Habitus. Ich weiß, damit hängt die Gemeinsamkeit an diesem Konzept und ist also, wie das Konzept auch, konstruiert (nicht konstruktivistisch verstanden, vielleicht besser hergestellt?).

        Und das Computerschrauben natürlich auch von der machtbeladenheit dieser Technologie herrührt, ist klar. Eine löchrige Socke wird fast immer weggeworfen, eine kaputte Mikrowelle in der Regel auch, ein nicht funktionierender Fernseher teils teils, beim defekten Computer scheint es am wichtigsten zu reparieren (wer hält es heutzutage schon 3 oder mehr Tage ohne Internetzugang aus?). Wobei nicht jeder auf die Idee kommen würde das selbst zu tun, also auch habituelle Unterschiede.

        So, und wer postet jetzt was über Fußball?

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