Postprivacy #5.3

Ergänzung zu Postprivacy 5

Zur Frage 2.2.2 („Ändert mehr oder weniger Privatsphäre etwas daran“): Das ist in etwa so ambivalent wie Autentizität; einerseits bedeutet die Abwesenheit von Privatsphäre, daß mehr/alles an Stelle einer öffentlichen Fassade tritt, bei welcher i.d.R. die unmarkierte Norm bis zum Beweis des Gegenteils unterstellt wird; also eine Leerstelle nach dem principle of charity mit „alles OK“ gefüllt wird. Damit wird also das gesamte Leben, nicht nur halbwegs klar abgesteckte Bereiche („Lebenslauf“, „Kleidung“, „Schufa“) der Verwertungslogik unterworfen.

Aber wenn es keine Privatsphäre mehr gibt, kann nahezu niemand eine perfekte Fassade aufrecht erhalten. Optimist*Innen würden hoffen, daß dadurch Vorstellungen von Normalität ins Rutschen geraten. Nunja, zu erwarten wäre zunächst eine Exklusion durch Inklusion (vgl. etwa Homonationalismus [#auf Puar verweisen]), der Bereich des „Normalen“ wird einfach ausgeweitet, doch wer dann immernoch außen ist, bekommt noch größere Probleme. Es hilft nur einigen, häufige „Abweichungen“ in den Bereich des Legitimen zu holen. Der Grundfehler liegt in der statistischen Denkweise, die Idee einer gesetzten Norm(alität) durch jene einer Normalverteilung – und damit dem Anschein des „Empirischen“ – zu ersetzen.[#auf Link verweisen]

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