Argumentationsfehler

Ohne jetzt wie die analytische Philosophie gleich eine Ideologie daraus machen zu wollen, aber häufig sind logische Argumente besser als analogische. Doch einige erweisen sich als so schwach, daß eine bloße Übertragung dessen Absurdität zeigt. Interessanterweise betrifft das v.a. hochgradig emotionalisierte und hochgradig „otherbare“ Themen, wie Nazis, Terrorist*Innen und Amokläufer (zur Endung siehe unten). Auch deswegen sei nochmal Mißverständnissen vorbeugend klargestellt: a-→b, ¬b |- ¬a

  •  „Killerspiele“ schaffen laut Christian Pfeiffer „dramatische Einbußen an Sensibilität für die Leiden der Opfer“ => Die Kulturellepraxis freut sich, daß damit endlich die Ursachen des SGB2 („Hartz4“) aufgeklärt wurden.
  • Bei Klagen über die Lebensbedingungen von ALG-2 („Hartz4“) Empfänger*Innen oder im Knast – ohne auf Unterschiede oder Errosionsversuche dieser einzugehen – wird behauptet, daß dieses Leid doch selbstverschuldet sei. Auch eine beliebte Argumentationsfigur lautet, Terrorist*Innen seien schuld an Sicherheitsgesetzen => Nehmen wir par prototo das Bekennerschreiben des Emsdettener Amoklaufs. Der Täter lief Amok, weil ihn andere für einen Verlierer hielten, er tötete nur sich und hat es damit allen gezeigt. Kaum ein* Täter* geplanter Tötungen hält die Opfer nicht für gerechtfertigt. Am Rande sei erwähnt, daß bei Amok die *Innen selten sind, aber wenn, selten Distanzwaffen nutzen; dies ist KEIN Aufruf im Namen des Feminismus …
  • Wenn Queer mit Trans* oder Intersex verwechselt wird, kommt häufig „das betrifft doch nur wenige“ => Bedenken wir die geringe Anzahl, vergleichen mit Verkehrs- oder Medizintoten, könne Amoklauf und Terrorismus legalisiert werden …
  • Von Nazis angegriffene Antifa werden als „Rivalisierende Jugendbanden“ abgetan => Schulamokläufe seien doch auch nur Keilereien „rivalisierender Jugendbanden“
  • Letzter Rückzugspunkt bei Debatten übre Polizeigewalt, Rassismus, Sexismus, Homophobie: „Woanders ist es aber noch viel schlimmer“ => Amoklauf wäre OK, im Krieg werden viel mehr erschossen
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One Response to Argumentationsfehler

  1. Odradek sagt:

    Apropos Amokläufe:
    – Unklarheiten beim zweiten Punkt ausräumend: „Es ist ok, daß Arbeitslose und Knastbrüder wie Dreck behandelt werden, die sind selbst Schuld“ => Amokläufer glauben auch, ihre Opfer wären schuld an ihrer misere |- Wessen Gründe für Gewalt gelten als legitim, wessen als „verrückt“?
    – Dazu ein kleiner Fnord: Eine – mal wieder jeglicher Satire spottende – Seite des bayrischen Innenministeriums schreibt über Eltern von werdenden „Linksextremisten“: Beziehen Sie klar Position für Demokratie und Toleranz und gegen jede Form von Extremismus und Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung.“ – „jegliche Form“ schließt wohl auch die Bundeswehreinsätze im Balkan und in Afghanistan ein …
    – Breivik erfüllt mehr Definitionen von „Terrorismus“ als von „Amok“
    – Hört Euch mal wieder Mono für alle an
    – Zu dem Thema gab's schonmal was
    – Die eigentliche Ursache ist Brot

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