Postprivacy #4

Als diskursives McGuffin untersucht ließen sich sicherlich viele Schrägheiten in der Postprivacy Debatte aufdecken, hoffentlich macht das mal jemand. Und nicht daß es nicht ein spannendes Dilemma ist, die Kopierbarkeit von Informationen einerseits als Möglichkeit gegen Verwarungsprozesse1 zu begrüßen – Freie Lizenzen ftw -, sich andererseits über den Kontrollverlust der eigenen zu beklagen. Und Wissen über eine* bedeutet hier mal wieder Macht, Geld und eine ver(pseudo?)wissenschaftliche Form von Verschubladung1.

Doch die zentrale Frage wird davon jedoch kaum berührt: Ist der bürgerliche Wert der Privatheit ein schützenswerter oder spülen ihn sozio-kulturell-ökonomisch-technische Tendenzen zu Recht weg? Wenn das schlimmste am MfS die technische Überwachung gewesen wäre, hätten wir endlich einmal eine Version 2.0, die als Verbesserung gelten kann. „Empirische“ Antworten auf die Frage nach einem moralischen Wert wären klassischer naturalistischer Fehlschluß (aus der Beschreibung was ist folgt nicht wie es sein sollte). Zudem wäre das Unterfangen, in Wertedebatten Zweckrationalität zum Maß zu erklären bestenfalls zweifelhaft2.

Dann haben wir aber das Problem – Probleme über Probleme -, daß, bei unscharf mit „informationelle Selbstbestimmung“, „Datenschutz“ und „Privatsphäre“ umrissenem, Werten aufgerufen werden, die höchstwahrscheinlich einfach nicht alle teilen. Bei solch einer Unschärfte könnte selbst die analytishe Philosophie zumindest versuchen zu helfen …

Die Versuchung liegt nahe, dies damit auf eine psychologisch messbare Eigentschaft zu reduzieren. Doch – followerpower – überlege ich bislang ergebnislos: Lassen sich an Vertreter*n und Gegner*n korrelationsartig unterschiedliche Haltungen zu tratschen/lästern/überandere(schlecht)reden feststellen?


1 Wer’s gestelzter mag, möge die „Ver-“ konstruktionen mit „Kommodifizierung“ und „Kategorisierung“ ersetzen, in Hamburg läßt sich „Gentrifizierung“ auch am einfachsten mit „Verschanzung“ erklären

2 Warum ich jetzt nicht „dubios“ schreibe ist mir schleierhaft.

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One Response to Postprivacy #4

  1. […] daher auch die Frage, ob eine positive oder negative Korrelation von Postprivacy zum lästern über andere zu beobachten […]

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