Libidonöse Theorien

Aus psychoanalytischer Richtung ausnahmsweise eine bemerkenswerte These gehört, nämlich, daß psychodynamische Triebstrukturen im Verhältnis zu Theorien Ähnlichkeiten mit denen zu Menschen aufweisen. Daß zumindest teilweise ein „libidonöses“ Verhältnis zu Theorien besteht kann die Kulturellepraxis nicht bestreiten und bei näherer Betrachtung scheint das Verhältnis zu Theorien tatsächlich den komplizierten Ausgestaltungen des Sexuallebens zu ähneln:

  •   Serielle Monogamie: Jeder akademische Abschnitt eine Theorie. Auch theoretische Seitensprünge werden dabei bisweilen berichtet und im Nachhinein verschleiert
  •   Altes Ehepaar: Gehörten irgendwie schon immer zusammen und entwickeln bisweilen merkwürdig anmutende Kommunikationsformen
  •   Die nervigen Pääärchen: An sich bisweilen nett, aber zusammen unerträglich (kommt besonders häufig im Marxismus vor)
  •   Homosexualität = Postmoderne: Galt früher als pervers, doch auch heute feinden einen einige dafür an; brachte eine ursprünglich vielversprechende Bewegung hervor, in dessen Mainstream sich mittlerweile zuviele Honks tummeln
  •   Polyamory: Interdisziplinarität
  •   Casual Sex: Oberflächliche Beschäftigung ohne allzugroßen Aufwand. Etwas Fruchtbares kommt dabei höchstens versehentlich heraus
  •   Wechselnde heiße Affairen: Gilt teilweise als etwas anrüchig, führt aber bisweilen zu breit gefächerter Erfahrung
  •   Sexarbeit: Für Geld anderer Leute Arbeiten schreiben …
  •   Asexualität: In beiden Fällen recht selten
  •   Theoriestalking: All jene private Weiterentwicklungen von Theorien, die über Jahre in der Schublade namnes „Eigene Ideen“ auf ihren großen Tag warten. Dann entwickelt sich die Theorie unter dem Einfluss anderer in eine ganz andere Richtung und pers stellt fest, dass sie sowieso nie erreichbar war. Vgl. Esoterik: Würde gerne, aber wird es nie sein
  •   Friends with Benefits: Zwar irgendwie mit einer Theorie enger assoziert sein, aber keine tiefe Bindung zum Denkkollektiv haben (wird häufiger geheimgehalten); vgl. Groucho-Marxismus
  •   Pornographie: Jedes neue Paper, jede (Mess-)Kurve darin wird eingehend begutachtet, ohne daß es dabei zu eigentlichen Kontakten mit der Materie kommt
  •   Patchwork-Familie: „Ich war mal mit einer/m anderen verlobt“- Dipl.-XXX Dr.-YYY (Einführung der Bachelor-Master-Studiengänge sollte dies verschärfen)
  •   Verhütung: Die Verwendung von (Radier-)Gummis ist sicherer
  •   Queer: Grenzen mehrerer Fachgebiete verwischen; in beiden Fällen paradigmatisch: Trans*(disziplinarität)
  • Travestie: So überzeugend ’simulieren‘, daß es autentischer als das Original wirkt und damit dessen ‚Originalität‘ in Frage stellt; vgl. Sokalismus
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