Ganz schlechte Idee II (Fukushima-Tagebuch)

Als Begleitmusik empfehlen wir Kraftwerk

12.03.2011 – Sicherlich gibt es massenhaft andere Anzeichen, daß sich Geschichte nicht auf Schienen bewegt und der s.g. „Fortschritt“ nicht immer nur Erfreuliches mit sich bringt; kurz, im Metanarrativ „Moderne“ gewaltig der Wurm ist. Doch Hoffnung, Machbarkeits- und Kontrollillusion der Moderne kulminieren in der Kernkraft; und so auch ihr Umschlagen in Furcht und Schrecken. In Japan kam das Projekt der Moderne recht plötzlich und gründlich an …

Russische Probleme mit der Kernkraft (Mayakvgl. – & Tschernobyl) konnten noch kulturrassistisch abgetan werden; unsere Japan-Clichés lassen dies nicht zu. Dennoch – oder deswegen – blieb Tokaimura 1999 hier nicht im Bewußtsein. Wenn jetzt eine Kernschmelze droht, wenn auch dies keine Auswirkungen auf die hiesige Atompolitik haben wird – Seitenhieb gegen Frankreich wäre zu billig -, bleibt hier nur noch der hilflose Helen-Lovejoy-Button. Weltweit sei Kernkraftgegner*Innen jedenfalls viel Erfolg gewünscht.

Achja, gleichwohl zwei japanische Städte ungenannt bleiben, dieser Eintrag wäre ohne Erwähnung von Sellafield und Three Mile Island nicht komplett.

13.03.2011 – Update: Omg, es kam tatsächlich zu einer Explosion. Generation Tschernobyl geht das dann doch nahe. Der Wind scheint ablandig zu stehen – glückgehabt wenn das anhält. Hildebrandt meinte 1986, die Russen seien da, aber nicht mit Soldaten und Panzern, sondern Becquerel und Sievert; so könnten wir schreiben, die Wolke macht sich auf den Weg nach Pearl Harbor …

Wer einen Film für heute Abend sucht und Godzilla für zu trashig hält, sollte Kurosawas Ikimono no kiroku (eng.: I live in fear) sehen.

14.03.2011 – Ergänzung: Omfg – Das betreffende Kraftwerk war laufzeitverlängert

15.03.2011 – Ergänzung: Achja: Evtl. hätte oben neben Mayak, Sellafield, Three Mile Island und Tschernobyl auch Chalk River erwähnt werden sollen?

Update: Hoffnungen, das Problem wäre vor Ort in den Griff zu kriegen oder daß wenigstens das Wetter das Schlimmste verhindert haben sich nicht bewahrheitet. ‚Experten‘ klingen wie zu Beginn der Bankenkrise – besorgt und ratlos: Der Momement, in dem alles Hoffen in die Einsicht umschlägt, daß tatsächlich der Worst-Case am eintreten zu sein scheint.

Rein auf Wikipedia-Halbbildung basierend: Durch Tschernobyl gelten 218.000 km² als „radioaktiv belastet“ (die Sperrzone scheint allerdings ’nur‘ 488,7 km² zu umfassen); die Größe des japanische Staatsgebiets beträgt 377.835 km².

Indessen versucht es Merkel mit Bauernopfern. Und das hier als „Kulturrassismus“ verhandelte Argument wird ernsthaft breitgetreten.

„Atomkraft? Nein Danke“ Sticker scheinen dabei irgendwie gerade unpassend. Abgesehen davon, daß die Kernfusionsprozesse in der Sonne durchaus als „Atomkraft“ bezeichnet werden könnten – ca. 150 000 000 km sind ein angenehmer Abstand für sowas – und anerkennend, daß eine positive Botschaft kommunikative Vorteile besitzt, irgendwie trifft das nicht meine Gefühle zur Kernkraft.

Philosophischer Protogedanke am Rande: Radioaktivität ist nicht sinnlich wahrnehmbar; wenn Folgen eintreten ist es schon zu spät. Das bedeutet: Sich mit dem Gedanken auseinandersetzen zu müssen, daß sich etwas primitiven Beispielen von „real“ entzieht – i.w.S. „Konstruiert“ ist, da nicht unmittelbar Erfahrbar – und doch relevant, gar ‚materiell‘ tödlich ist. Alltagspraktische Modelle wie „Gift“ treffen dabei auch nur bedingt zu, z.B. da kein umittelbarer Kontakt notwendig ist um verstrahlt zu werden.

Der Titel sagt schon alles über diese Energiequelle: Ganz schlechte Idee …

16.03.2011 – Kitsch: Kleines Fundstück; bei emotionaler Betroffenheit scheint das Bedürfnis nach derartigen Gesten zu bestehen; Theorien zwecks Selbstdistanzierung willkommen

Osaka-Zeit?

Bedenken wir, daß vor der Meiji-Restauration (nach welcher dann die Beinamen der Tenno herangezogen wurden) japanische Zeitalter nach Herrschaftssitz – z.B. „Edo-Zeit“ – benannt wurden. Presse und einige Botschaften weichen wegen der Gefahr von Verstrahlung bereits nach Osaka aus. Sollte jetzt also durch ungünstigen Wind Tokyo als Hauptstadt – nach welcher Definition auch immer – nicht mehr in Frage kommen, wäre dies demnach ein epochalerer Einschnitt in der japanischen Geschichte als der zweite Weltkrieg …

17.03.2011 – Update: Löschhelikopter mit dem Problem, die Piloten möglicherweise einer zu hohen Strahlendosis auszusetzen. Dagegen sollen provisorische Abschirmungen helfen. Jetzt scheint es immer mehr, als erleben wir Tschernobyl in Echtzeit.

Überlegungen: Psychoanalytisch beziehe sich Trauer stets auf eigenen Verlust. Auch wenn sich „psychoanalytisch“ und „stets“ bezweifeln läßt, welche Abgründe tun sich in der Furcht vor Radioaktivität auf?

Apropos Angst, wenn wir die Debatte um die Kernkraft auf die Meistererzählung der Moderne beziehen, muß der diskursive Gegenangriff von neokonservativer Seite kommen und mit Clichés von Anti- und Vormoderne kontern. Konkret wird es wohl auf „unser Wohlstand“ und v.a. „irrationale Angst“ hinauslaufen. Doch wir erinnern uns: „It is man’s basic right to become afraid“

Und vielleicht läßt sich, sobald sich der Staub gesenkt hat doch irgendwas Rassistisches gegen Japan aus der Vorurteilsmottenkiste ziehen; sei es, die Panne zu begründen (denn soetwas braucht stets möglichst einfache Gründe), sei es, ’schland – welches immernoch sterben muß damit wir leben können – durch weniger entschlossene Einstiegs- und zaghafte Ausstiegsversuche in ein positives Licht zu rücken.

Sollten wir beispielsweise ganz pseudo-materialistisch den Rohstoffmangel Japans, für die dortige Schmiedekunst und Kernkraft verhaften wollen, hätten wir eine originelle geschichtsphilosophische Begründung, daß sowas wie Werkzeugnutzung/Sprache/Gesellschaft ab der Kernspaltung in eine Sackgasse führen. Dann vielleicht doch lieber Geschichtsphilosophie zu Mumpitz erklären?

18.03.2011: Japan sieht einer strahlenden Zukunft entgegen. In diesem Sinne: „Schau‘ doch nicht so traurig ‚drein, wenn das Atomkraftwerk nicht funktioniert“

Fukushima mon amour

21.03.2011: Um die Angelegenheit drohte es, angesichts des medialen Verwertungszyklus still zu werden. Zumal ein schickes Bombardement mit Ästhetisierung von Waffensystemen doch perfekter Aufmacher ist. Da war die Fukushima-Story schon ausgelutscht, und „überraschend“ stellt sich heraus, daß die Katastrophe immernoch am Anfang steht. Das war der Vorteil von Tschernobyl – durch sowjetische Geheimhaltungsversuche gab es einen besseren Startpunkt und durch den Challenger Abschlußbericht einen günstigeren Schlußpunkt.

Metageschwurbel: Optimist*Innen würden angesichts kapitalistischer Verwertungslogik die narrative Verwertung einer solchen Katastrophe beklagen; Pomos einwenden, daß uns diese Ereignisse leider nur narrativ zugänglich und verständlich sind. Damit stört nur, daß das Mediendispositiv hier ein als unpassend empfundenes Metanarrativ strapaziert. Doch wenn nur Betroffenheit oder zur Tagesordnung der „Sachzwänge“ übergehen als angemessene Reaktionen zur Verfügung stehen, bleibt nur die unangemessene – so einen paes-Artikel zum Thema zu schreiben.

26.03.2011 – Update Drei Arbeiter mit bis zu 2-6 Sievert verstrahlt. Tepco gibt ihnen Mitschuld. Dachte, pers. solle nicht schlecht über tote sprechen. Indessen werden zwei Insassen eines Fluges von Tokyo nach Wuxi am Zielflughafen aufgegriffen weil sie nachts leuchteten. Die Idee von schmutzigen Bomben aus Kernkraftarbeiter*Innen scheint viel zu schnell den Bereich der Satire verlassen zu haben …

Betroffenheit bringt nichts und demonstrieren scheint fast genauso hilflos.

28.03.2011 – Kernfusion: Bei der Großgemengelage von Gegenargumenten ein schönes Kontrastprogramm ist die Frage der Kernfusion. Gut, die Kernfusion gilt seit 40 Jahren in 20 erreichbar, insofern z.Zt. handelt es sich um eine eher theoretische Frage.

Die Überlegung ist folgende: Angenommen, wir hätten nicht mehr das Problem des Atommülls, angenommen, angenommen – ein Problem, das in der Anti-AKW Argumentation ein bißchen kurz kommt – es gäbe das Problem des Urans (Gefahren und Vergiftungen beim Abbau, Energieverbrauch bei Abbau und Transport, Abhängigkeit von einer endlichen Ressource) nicht mehr und angenommen, die Gefahrenlage wäre eine andere – Prozeße, die im Notfall oder bei Ausfall der Energieversorgung abbrechbar sind -, wäre das eine Lösung?

Gute Argumente dagegen existieren – es wird immernoch mit Radioaktiven Substanzen – gleichwohl geringerer Halbwertszeit und Zerfallskette – hantiert und Unfälle sind nie vollkommen auszuschließen, auch kann das Konzept einer zentralisierten – womöglich auch privatisierten – Energieversorgung generell in Frage gestellt werden.

Aber zeigt sich an diesem Punkt auch leicht, ob ein eher „magisches“ Verhältnis zur Technik und Strahlung besteht. Für wie wesentlich halten wir das Problem des Atommülls? Ist das Bedrohungsgefühl ein eher abstraktes oder auf konkrete Probleme dieser Technologie bezogen? Halten wir Radioaktivität für generell unkontrollierbar? Das ist insofern nachvollziebar, alsdaß in der Vergangenheit so einige Halb- und Unwahrheiten darüber als wissenschaftlich verbreitet wurden. Doch tauchen merkwürdige vormoderne Versatzstücke wie „zu groß für uns“ auf.

Wie angedeutet läßt sich das Problem der Kernkraft als ein Problem der Moderne darstellen. Die Vorstellung der vollkommenen Machbarkeit, d.h., wenn gewollt auch alles regulieren/kontrollieren zu können hat mittlerweile glücklicherweise einen leicht dystopischem Beigeschmack. Doch Kernkraft braucht eine Welt, in der Perfektion möglich ist. Da wären wir beim – sonst eher überschätzen1 – Zusammenhang aus literarischer und philosophischer Postmoderne: „But it could be worse, huh?“ „That’s right,“ I said, „or even worse, it could be perfect.“ –William Gibson: The Gernsback Continuum.. Letztlich bräuchten wir auch eine Welt, in der es Beständigkeit und/oder beständigen Fortschritt gibt, wie sonst wäre der Atommüll kein ultimatives Argument gegen Kernkraftwerke? Après nous le déluge?

Ein weiterer Aspekt – was dieses Thema für „linke“ Kontexte so interessant macht – ist das Verhältnis zu unseren Problem-Entitäten Wirtschaft und Staat. Damit sei gar kein dumpfes „die Konzerne schaden uns“ gemeint. Sicherlich, diese hochsubventionierte Energiequelle auch noch der Profitrationalität zu unterwerfen mag einiges verschlimmert haben, aber im Staat einen grundlegenden Ausweg, gar ein naives „wir“ zu sehen gehört auch ins Endlager der geschichtlichen Fehlschläge. An diesen furchtbaren Quecksilber“energiespar“lampen (wurden quecksilberfreie Thermometer nicht als Fortschritt gefeiert, jetzt holen wir uns das Gift zurück, von desser Licht mal ganz zu schweigen) läßt sich erkennen, daß der Kapitalismus auch Ökologische Argumentationsweisen verdaut. Besonders schön zeigt sich der Problemkomplex wenn auf dem grünen Boden der „Erneuerbaren Energien“ mit dem Stichwort „Standortfaktor“ nationale und ökonomische Rationalitäten sprießen.


1 Beispiel: Eine Szene aus Indiana Jones 1. Sie ist literarisch postmodern, sie bricht ironisch mit tradierten Erzählmustern. Philosophisch ist sie aber gleichzeitig extrem der Moderne verhaftet, sie schreibt das Erzählmuster der technischen Überlegenheit fort. Sogar möglicherweise kontrafaktisch: Unbestätigtem Hörensagen in Budôkreisen zufolge lernen BullenPolizeibeamt*Innen, daß bei entschlossenen Angreifer*Innen mit einem Messer ab 7 Metern die Schußwaffe nicht mehr rechtzeitig zu ziehen sei.

29.03.2011 – Update: Merkel meint, „Es wäre keine Alternative für uns, dass wir eines Tages feststellen müssen, dass wir Kernenergie aus anderen Ländern einführen“.[1],[2] Wieso eigentlich nicht? „Outsourcing“ ist doch nichts, wogegen diese Regierung sich jemals gewendet hat, zumal wenn – bei einer dermaßen hoch subventionierten Technologie – dabei Kosten eingespart werden können; etwa für Castor-Transporte, verstrahlte Arbeiter*Innen, Sichheitsnachrüstungen etc. Kleinlichkeiten wie grenzüberschreitende Radioaktivität beim SuperGAU-Restrisiko ausgeklammert, wir können nur gewinnen – denn daß nicht-„deutsche“ Leben ohnehin nicht den gleichen Stellenwert wie (wieauchimmer definierte, die juristische reicht ja meist nicht, wie der Zusatz „mit Migrationshintergrund“ zeigt) „deutsche“ haben, ist an den meisten Katastrophenberichterstattungen und allen Abschiebungen zu erkennen …

30.03.2011 – Update:Strahlenbiologe (nicht Kernphysiker/Experte) Lengfelder schätzt, die Kernschmelze sei nicht aufzuhalten, die Kühlmaßnahmen seien „ein hilfloses Unterfangen“.

Wir erinnern uns an Tschernobyl, die englische Wikipedia trug Schätzungen zusammen, welchen zufolge 25.000-100.000 der 400-600.000 Liquidatoren mittlerweile verstorben seien, von jenen mit Folgeschäden mal ganz zu schweigen (die deutsche belegt geschätzte 50.000 mit der Webpräsenz der Grünen Thüringens). Und das waren nur die unmittelbar verstrahlten, die Langzeitopfer der freigesetzen Substanzen werden kaum zu beziffern sein; Pilzsucher*Innen meiden nach wie vor Bayern: Frage an Radio Eriwan: „Darf man wieder wildwachsende Pilze essen?“ – „Im Prinzip ja, ihre Toilette darf dann nur nicht an die öffentliche Kanalisation angeschlossen sein.“

Raucher*Innen frohlocken, wir kriegen bisweilen gefilterte Luft und wissen wenigstens, wer für unseren Krebs verantwortlich ist …

01.04.2011 – Pressekritik:

Eigentlich sollte der heutige Tag aus beredtem Schweigen blogfrei bleiben. Doch auf dem Eßtisch liegen bisweilen Zeitungsspenden und so läßt sich ein Blick auf die Schlagzeile einer Hamburger Tageszeitung – welche glücklicherweise nicht mehr verlinkbar ist – vermeiden:

„Industrie: Atomausstieg gefährdet Wohlstand“

Der spontane Fluch, sowie ad hominem Argumente gegen „BDI-Chef“ Keitel seien unserer Leser*Innenschaft erspart. Soetwas wird ernsthaft behauptet und abgedruckt. Bei – höchstwahrscheinlich warentermingeschäftlich bereits verkauften – Überkapazitäten, die (je nach Quelle) 8-10 Atomkraftwerke überflüssig machen und angesichts der Tatsache, daß sich Atomkraftwerke nicht rechnen würden, wenn die Betreiber*Innen alle Kosten – wie Castortransporte – zu zahlen oder die rein finanziellen – von den gesundheitlichen mal schweigend – Risiken eines Unglücks angemessen zu versichern hätten. Da fragt sich d* kritische Blogge* spontan (a) Wessen Wohlstand? Meinen sicherlich nicht … (b) Wieso kommen bezahlte Journalist*Innen nicht darauf? (der Fairness halber: Das Abendblödatt zitiert gegen Ende des Artikels eine Mitarbeiterin des „Öko-institut[s] in Berlin“, die 10 Kraftwerke für abschaltbar hält)

Guten Journalismus indessen finden wir bei „Neues aus der Anstalt“ vom 22.03.2011. Dort wird in humoresker Absicht gerechnet, daß bei einem Risiko von einem Unglück in 10.000 Jahren und ca. 400 Reaktoren die 25 Jahre seit Tschernobyl genau im Zeitplan lägen. Wirklich beängstigend wurde dies nach einem Blick in die Online-Encyklopädie meines (arg begrenzten) Vertrauens: 443. Jetzt müße ich verschüttetes Statistikwissen reaktivieren, um in dieser Rechnung noch Scherzhaftes zu sehen …

Begriffsbestimmung: Indessen wies prokopius darauf hin, daß Gegner lieber von „Atom-„, Befürwortende lieber von „Kern-“ sprechen. Wiki klärt auf, es handele sich v.a. um eine spachliche Distanzierung von der Assoziation mit „Atombombe“ (Kernwaffen?!?). Eine interessante Strategie, die Gegner*Innen durch Sprachgebrauch zu isolieren; sodaß „Kern-“ mittlerweile professioneller klingt, „Atom-“ hingegen ideologisch. Und das obwohl „Atom-“ der ursprünglich – auch offiziell – genutze Begriff war und „Kernkraft“ mindestens den Nachteil hat, daß damit auch die starke Wechselwirkung bezeichnet werden kann.

Die Kulturellepraxis sucht noch nach einer überzeugenden Policey dafür und bedenkt bis dahin: „Es heißt Nucular“

04.04.2011 – Fundstück: Weiter oben wurde bereits auf Yume hingewiesen, im Traum „Mount Fuji in red“ heißt es „The six atomic reactors“ seien explodiert. Beim Wiederansehen ist der Teil extrem beklemmend – heute noch beklemmender. Diesen Teil gibt es auch bei Youtube.

14.04.2011 – Überlegung: INES-7 verwundert jetzt nicht sonderlich, vielmehr, warum Mayak „nur“ als 6 gilt; von daher nur einen Halbsatz dazu.

Bedenken wir, daß große Teile der radioaktiven Stoffe wohl auf dem einen oder anderen Weg ins Meer gelangten und dies bekannt wie gefürchtet sein dürfte; bestätigt sich zudem die Hypothese, daß in Japan ein hoher Pro-Kopf Konsum von Fisch herrscht, zeigt sich an dieser – angesichts des konkreten Leids unbedeutenden – Kleinigkeit, daß derartige Katastrophen auch kulturelle Folgen haben könnten (bessere Beispiele werden sich ergeben). Gut, ich mochte veganes Sushi immer lieber …

14.04.2011 – Update: Huch, ein US-Flugzeugträger wird verlegt, (btw. ein nuclear Vessel) obwohl 280km entfernt. Dachte immer, diese Träger wären für alle abc-Eventualitäten gesichtert?

16.04.2011 – Fundstück: Äußerst Hörenswert: Eine Dokumentation/Collage von bermuda.funk zu Tschernobyl, Protestbewegung und den Folgen (Freieradios, CC BY-NC-SA).

26.04.2011 – Überlegung: Wenn aus Tschernobyl nur nicht gelernt wurde, weil geglaubt wurde, daß soetwas nur bei sowjetischen Reaktoren nicht den „westlichen Standards“ geschehen könne, heißt das letztlich: Kulturrassismus ist tödlich.

15.05.2011 – Fundstück: Dachte ich am 8.03.2011 noch, „Fukushima mon Amour“ sei irgendwie originell, fand ich kürzlich jenes sehenswerte Plakat.

24.06.2011 – Facepalm: Tagesschau.de stellt Deutschland als japanisches Anti-AKW Vorbild dar und strapaziert (wohlgemerkt ein deutsches Medium) Japaner*Innen als überangepaßt. Besonders interessant die Erwähnung deutscher „Atomkraft? Nein danke“ Fahnen; wer weiß noch, daß das Logo aus Dänemark kam? Noch ein interessantes Detail am Rand ist das Bild (abgesehen davon, daß die Person in der Mitte einen Bart trägt): Die Flicks sind in normaler Uniform und nicht in Stormtrooper Ausrüstung. Die Tagesschau fabuliert von einem japanischen „Das macht man eigentlich nicht“-Tabu des Demonstrierens und führt als Beleg an, daß es §fast so viele Polizisten wie Demonstranten“ gebe; schoneinmal auf einer hamburger Studierendendemo gewesen?!? Diese Tokyoter Demonstration wird offenbar nicht von einem Wanderkessel aus aggressiven Schwergepanzerten und Wasserwerfern begleitet, nochnichteinmal die vermummte Person auf der linken Bildseite wird brutalstmöglich von BFEs ‚rausgezogen.

Eine Prognose der Kulturellen Praxis: So wie in Japan vor Deutschland eine Magnetschwebebahn ihren Linienbetrieb aufnehmen wird, könnte ein japanischer Atomausstieg – wenn er kommt – weitaus ernsthafter als der deutsche kommen.

13.10.2011 – Update In Tokio wurden Strahlenwere von 3,35mS/h gemessen [1], [2], [3]. Und das scheint nicht der erste derartige Hotspot in einiger Entfernung zum Kraftwerk zu sein. Gut, wir sprechen zwar immernoch von Strahlenrisiko, nicht von Strahlenvergiftung (gehäuften Krebsfällen, keinen ausgefallenen Haaren) – und somit Folgen, die sich vertuschen und relativieren ließen.

Interessant v.a., daß diese Hotspots durch private Messungen entdeckt wurden. Lassen wir mal die Verschwörungshteorien der sonstigen Vertuschbarkeit bei Seite – gleichwohl sie nicht ohne Weiteres von der Hand zu weisen sind – und nehmen an, es sei lediglich der selbe Grund, weshalb FLOS-Software sicherer als proprietäre ist (viele Augen sehen mehr).

Sicherlich mag es sozialromantisch sein, in solchem Verhalten Hoffnung zu erblicken, aber die Grundidee – DIY, mißtraue den Autoritäten – stimmt …

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4 Responses to Ganz schlechte Idee II (Fukushima-Tagebuch)

  1. Aktualisierungen und Ergänzungen jetzt in den Artikel eingepflegt. Der Artikel wird tagebuchartig weitergeführt.

  2. Odradek sagt:

    Kommendes Update: Die kulturrassistischen Japan-Clichés ließen btw. nicht lange auf sich warten. Das Update folgt spätestens, wenn Belege zusammengesammelt sind.

  3. […] es übersehbar war: Das Fukushima-Tagebuch wird bisweilen ergänzt. Sollten Eure Feedreader das nicht hinbekommen, am besten die Kommentare […]

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