Lärmschutz

Traditionell sind in diesem Mäusebunker die Wände recht hellhörig und bei den brillanten Planer*Innen führte eine Renovierung schalltechnisch eher zu Verschlechterungen; kein Wunder, wenn Messungen und/oder gesunder Menschenverstand durch Statistik ersetzt werden.

Da gespräche über Telephon/voip häufiger problematisch empfunden wurden, entschuldigte ich mich präventiv bei meiner Nachbarin für ein nächtliches Fachgespräch kurz vor einem Hausarbeits-Abgabetermin. Diese versicherte aber, zu jener Zeit gut geschlafen zu haben. D.h., die störenden Gespräche mancher müssen … merkwürdig (noch merkwürdiger als dieses) sein.

Und doch bleibt zu befürchten, daß das unbewußt wahrgenommen im Schlaf aktiv bleibt und geisteswissenschaftliche Themen zu Albträumen führen können. Wie könnten solche Träume aussehen? Ähnlich schlechter Spionagefilme werde ich von der Agency verfolgt, ohne zu wissen, ob sie mehr als ein schlechtes Emplotment ist. Und was soll ich bloß mit den außerdiskursiven Praktiken machen? Werfe ich sie einfach in die Diskurskiste, nachdem mein Butler angebaut hat? Doch lieber dis-positiv denken? Aber mit welchem Bindestrich fische ich danach?

„Wissenschaftliches Träumen“ kann durchaus vorkommen. Und damit ist nochnichteinmal soetwas wie populärwissenschaftliche „Quantenzüge“ – bei denen die Fahrgäste nie wissen, an welcher Station sie als nächstes ankommen – gemeint. So schreckte ich in der heißen Phase meiner ersten Hausarbeit aus dem Wegdämmern auf, bei dem Gedanken, das Geträumte doch gar nicht belegen zu können.

Und bedenken wir, daß dieses Belegen die Hauptarbeit ist (das unterscheidet Wissenschaft von Klempnerei und ähnlichen Naturwissenschaften), bedenken wir, daß dies auch einen wesentlichen Teil (geistes)wissenschaftlicher Subjektivierung und „den“ (zumindest nach abgeschafftem Humboldt-Ideal) Unterschied von Schule und Universität ausmacht – nicht „Fakten“ zu reproduzieren, nicht einen beliebigen (Anything-Goes) Standpunkt zu wählen und blendersich zu vertreten -, wirkt die Bezeichnung „abschreiben“ oder „vergessene Fußnoten“ für Guttenbergs Aktion äußerst verharmlosend.

Zum Thema „geistiges Eigentum“ ließe sich auch viel schreiben. Reproduzierbare Informationen wie physische Waren zu behandeln führt zu Problemen; ob dies allgemeine Probleme der Warenwirtschaft sind oder wie die möglichen Lösungen aussehen ergäbe ein nettes Essay. Wenigstens läßt sich hier recht schön die Doppelmoral mancher aufzeigen.

Naja, aber was reg‘ ich mich auf: In Bologna wurde ohnehin die Scheidungsurkunde von Intellektuellen und Unis unterschrieben – Studierendencafés wandern schon ins Virtuelle aus -, sodaß letztlich nur unterschiedliche Maßstäbe für karrieristischen Erfolg konkurrieren – meh. Spannender wäre es, mal wieder „eine Lanze für“ zum Thema Intellektualismus zu schreiben.

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