Performing the Gap

Da schreibt mir jemand in einer Mail von „lieber mond/liebe möndin“. Mußte ersteinmal die aktuelle Neues aus der Anstalt Folge sehen um das zu kapieren. Und er hätte recht. Wenn Sprache nur Realität abbildet, keinerlei Einfluß auf Konstruktion/Wahrnehmung hat. Sodaß Victor Klemperer in LTI (op. cit.) oder literarisch Orwell in 1984 lediglich putzige Stilblüten, aber keine Wesensmerkmale totalitärer Herrschaft1 schilderten. Wenn der „Linguistic Turn“ und eigentlich der gesamte Poststrukturalismus pseudowissenschaftliche Irrwege gewesen wären. Selbst wenn das stimmen sollte: Merkwürdig diese Korrelation von Menschen, die unter dem Vorwand, das sei doch nervig (soll es auch sein!) und v.a. überflüssig darauf bestehen, ihr grammatikalisches Geschlecht (engl.: „Gender“) als das allgemein-menschliche zu setzen.

Wer sich also nicht mit solch diffizilen Feinheiten wie dem Gender_Gap auseinandersetzen will – Zyniker*Innen wie d* Autor* sehen darin das Distinktionsmerkmal einer egalitär_emanzipatorischen Elite – oder ganz informatisch ein „*“ für beliebige Einsetzungen wählen, sei auf Luise Puschs2 Idee verwiesen, die unmarkierte Form zur weiblichen und allgemeinen zu erklären und dazu männliche Formen zu bilden. Beispiel: Eine weiblich identifizierte Person, welche studiert wäre eine Student, eine Gruppe von solchen oder gemischtgeschlechtliche wären Studenten, eine männlich identifizierte Person oder Gruppen aus solchen wären Studenter.

Wer jetzt fragt, ob ich das ernst meine, höre sich den Vortrag von Frank Apunkt schneider an.


1 Unter diesem Blickwinkel muß explizit die Bezeichnung „Kunde“ für Bürger, „Agentur für Arbeit“, seit diese keine Arbeitsplätze mehr vermittelt, „Wiedereingliderungsvertrag“ für einen erzwingbaren Katalog an Zwangsmaßnahmen etc. in eine Totalitarismustheorie inkludiert werden. Nachtrag: Auch Empfehlungen, Bescheide in der Ich-Form zu schreiben und der allgemeine AbKüFi (Abkürzungs-Fimmel) weisen erschreckende Parallelen zur LTI auf. Zu achten wäre auf die Verwendung von technischen Begriffen/Metaphern für Menschen.

2 In Irgendeinem Interview gehört, finde ich gerade nicht; sachdienliche Hinweise willkommen.

Advertisements

One Response to Performing the Gap

  1. Nachtrag in FN2 eingefügt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s