Gänsefüßchen

Da uns bislang nicht viel zum Thema Wilhelm zu Guttenberg eingefallen ist, ein Blog mit unserer Belegdichte allerdings zur Kommentierung berufen ist, kopieren wir einfach (ohne Kopierer):

Zumindest hat diese Affaire eine Gegenbewegung erwirkt, jetzt werden Anführungszeichen beim Doktortitel vor Politiker*Innennamen angenommen.

Die ironischen Anführungszeichen können als bevorzugtes Satzzeichen der LTI gesehen werden [Klemperer, Victor: LTI : Notizbuch eines Philologen; Stuttgart 2010 (Erstauflage: Berlin 1947); S. 86-88.], somit läßt sich der Schaden für ‚die Demokratie‘ kaum überbetonent („one point Godwin“!).

Sicherheitshalber werden einige Anführungsstriche zum selbersetzen verteilt:'“““““‚


Metageschwurbel: Daß hier mit mehrerlei Maß gemessen wird, anderen solch eine Angelegenheit die Karriere ruiniert hätte und daß dieser Titel immer weniger wissenschaftliche Leistungen repräsentiert – oder lediglich als Karrierebooster gilt -, könnte problematisiert werden; doch eigentlich war es  zu erwarten und die Mehrheit derer, die denDoktor/Doctrix-Grad zu Unrecht führen, werden qualifizierte Ghostwriter beschäftigen und somit kaum erwischt. Eine Rede gegen Herkunftseliten sparen wir uns auch, das driftet meist ins dümmliche Leistungsprinzips-Dispositiv ab. Was d* Autor* wirklich beängstigt ist, daß es selbst seitens vieler Journalist*Innen ein größerer Aufreger zu sein scheint, als für die Mehrheit (von Teilen) der Bevölkerung – denn hier manifestiert sich das deutsche Phänomen der Intellektuellenverachtung.

Teils – achtung: ad hoc erklärung eines kulturrassistischen Einzelfalls – scheint diese Verachtung projektiv zu funktionieren, halbgebildetes Dummschwätzen nicht mit wissenschaftlichen Kompetenzstandards belasten zu wollen, die Ergebnisse solcher Standards deshalb auf Dummschwätzerei herabwerten zu müssen. Vielleicht hängt es auch mit einem merkwürdigen Gegensatz von Essenzialismus („ist so, muß also nicht recherchiert werden“) und Dumpfkonstruktivismus („Ist eh‘ beliebig, d.h. wie in der Schule Standpunkt wählen und nur rhetorisch gut vertreten“) zusammen?

Genauere (wissenschaftliche) Erklärungen/Theorien zu diesem Phänomen wären äußerst willkommen, sachdienliche Hinweise werden über Kommentarfunktion oder eMail gerne angenommen – gerne auch mit Quellenangabe. Denn solche kommen der intuitiven Vorstellung eines Fakts näher als eigentliche Fakten …

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2 Responses to Gänsefüßchen

  1. Odradek sagt:

    Als hätte ich es geahnt – Achtung, spätestens seit Hermann (oder Handys mit Wählscheiben) haben – speziell mit prokopius erstellte – satirische Prognosen eine unheimliche Tendenz einzutreten. Sind bereits irgendwo die Parkuhren & ‚Politessen‘ privatisiert?

  2. Nocheinmal der Hinweis: Bloggen mit Fußnoten praktizieren wir bereits seit April 2010!

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