Diogenes Stipendium

Die Kompetenzbasis für Hochschulentwicklung am Treitschke-Institut für geisteswissenschaftliche Brandstiftung präsentiert im Rahmen ihrer Exzellenzinitiative ein neues Stipendium, benannt nach Diogenes von Sinope.

Vergeben wird diese Förderung an Wissenschaftler*/_Innen in Fächern (vermeintlich) geringen Anwendungsnutzens, vorzugsweise Philosophie. Voraussetzungen zur Vergabe sind lediglich nachgewiesener Zynismus und permanente Geldknappheit – Anforderungen, welche alle qualifizierten Geisteswissenschaftler*Innen früher oder später problemlos erfüllen dürften.

Dr.(des.) Dr.(hc.) J. Zonk dazu: „Verstehen Sie mich nicht falsch, ein bißchen Leidensdruck ist gut, damit nur die Motivierten bleiben. Zudem haben wir schließlich das Konzept entwickelt, die immer weiter klaffenden Lücken in der Lehre dem Mittelbau zu überlassen. Doch merkten wir, eingie Fächer produzieren zu wenig Promotionen. Zum einen wegen fehlender Stellen, aber auch aufgrund hoher Arbeitsbelastung bei gleichzeitig engen Fristen für jene, die noch eine solche bekommen konnten. Hinzu kommt das Problem, daß – verglichen mit Betriebswirtschaftslehre oder Jura – die Aussichten auf einen außerakademischen Beruf noch viel zu hoch seien, die Skrupellosen nehmen beispielsweise einen Job bei der Arbeitsagentur an.“

Qualifizierter wissenschaftlicher Nachwuchs bleibt also aus. Nach Hochrechnungen des Treitschke-Instituts drohe das intellektuelle Niveau der Geisteswissenschaften – gleichbleibende BA/MA Studienordnungen vorausgesetzt – innerhalb der nächsten sieben Jahre bis auf den Stand ihres schulgeschädigten Rufs zu fallen.

Das konnte Zonks Team nicht akzeptieren: „In unserer Gesellschaft müssen wir das kreative Potential aller Akademiker und Innen heben, die meisten haben schließlich einen gutbürgerlichen Hintergrund. Und spätestens seit der Erfindung des Homonationalismus wissen wir: Gerade alternative Lebensformen sind häufig ein wertvoller Beitrag für unsere postmoderne Produktions- und Konsumptionsweise. Wieso sollten wir da nicht diejenigen, die diese Gesellschaft verachten nutzbringend integrieren – und ich meine da noch nichteinmal Soylent Green [lacht]. Soetwas ist schließlich die Stärke des Kapitalismus, denken Sie nur an die gewaltigen Umsätze durch Che Guevara Shirts.“

Und so machte sich das Institut daran, Absolvent*Innen einen angemessenen Lebensstandard zu ermöglichen. Das neue Stipendium zeichnet sich durch praktisch unbegrenzte Laufzeit aus, wird allerdings auf 0€ dotiert sein, Hunger kann schließlich durch Reiben des Bauches bekämpft werden. Für die Stipendiat*Innen stehen dafür an sonnigen Plätzen in einem zeit- und leistungsgemäßen Lebensstandard genormte ISO-20848 Tonnen zur Verfügung.

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One Response to Diogenes Stipendium

  1. Odradek sagt:

    Empfehlung: Der Begriff „Diogenes Stipendium“ läßt sich auch gut als Euphemismus für akademische Geldnöte einführen. Denkt dabei nur immer daran – die Idee war von uns (cc-by-nc-sa) 😉

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