Queer-Gegrantel

Endlich dazugekommen, die schon uralte vorige Heiterscheitern Folge zu hören. Sehr viel Interessantes dabei, beispielsweise spricht die These, daß eine wertigkeitsimplizierende Binarität wie „Theorie und Praxis“ unter Dekonstruktionsbedarf steht d* (theorieaffinen) Autor* aus der (nichtvorhandenen?) Seele, bzw. dem seit ewig brachliegend-unvollendetem Artikel der Serie „Eine Lanze“ dazu. Gegen Ende des Podcasts wird nochmal betont, daß „Queer“ nichts mit „Geschlecht auflösen“ (die Formulierung wurde gegenüber vorherigem „Abschaffen“-blaffen präzisiert) zu tun habe und wer sowas vertrete, habe nur die eigene Privilegierung nicht genug hinterfragt.

Nun soll hier nicht die äußerst diffizile philosophische wie strategische Frage diskutiert werden, wie wer sich nun warum zu Geschlecht stellen soll(t)e. Und „Wissen“ als Werkzeug und/oder situiert begreifend, wären ‚Oppression-Olympics‘, wessen ‚Wissen‘ am besten ad hominem disqualifiziert werden kann auch nur fade. Den Mechanismus, daß eine berechtigte Kritik zur Verschwörungstheorie und/oder Immunisierungsstrategie ausarten kann, sollten wir besser anhand gewisser „linker“ Debatten untersuchen – Sympathien für Vertreter*Innen „verfehdeter“ Spaltertheorien können kompliziert sein; zumal eine gute Theorie Widerstand hervorrufen muß -, sodaß auch jenem kein Interesse gezollt wird. Überzeugte Linuxer*Innen wissen ohnehin, daß ideologische Debatten gegen kognitive Bequemlichkeit Zeitverschwendung sind (speziell wenn Äpfel im Spiel sind). Wem nun Deutungshoheit über „Queer“ zukommen sollte, sei auch geschenkt – Vorschläge für andere Labels gerne in den Kommentaren; frei (aber sozialkritischer) nach Heinz von Foerster’scher Tradition: „Ob das jetzt Konstruktivismus heißt oder Schnapsodivismus oder Klapsodivismus“.

So folgt statt derartigem sinnentleertem Gegrantel nur die (ähnlich apodiktische) Fest-Stellung:
Wenn „Queer“ sich von Antiessenzialismus oder der Kritik an Identität(spolitik) distanziert, gehört es nicht nur abgeschafft, sondern hat sich damit schon abgeschafft.

Allen Spötter*Innen aus der positivistisch-empiristisch-realistischen Ecke, die mit einem „ich hab’s ja gesagt“ Grinsen meinen, es wäre absehbar, daß die „Menschen“ (wasauchimmer das nun sein soll) überfordernde Theorieansprüche keinen Bestand haben könnten, sage ich in aller Höflichkeit „SCHNAUTZE!“ und bewege mich lieber weiterhin in einem dialektischen Verhältnis zur – äußerst überschätzten – s.g. ‚Realität‘.

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One Response to Queer-Gegrantel

  1. […] Heiterscheitern-induziertes Gegrantel: Da mittlerweile Ableismuskonferenzen ohne Barrierefreiheit angeboten werden (siehe auch), wohl […]

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