Eine Lanze für … #4 Autentizität

„Eine Lanze für … : Hantologische Streifzüge zu totgesagten Konzepten, in theoretischen Abfällen containernd“, Teil 4: Eine Lanze für Autentizität

Als echte Postmodernist*Innen wissen wir ’natürlich‘, Autentizität ist ein Konstrukt, hergestellt durch szenespezifische Zeichen. Wenn aber letztlich alles irgendwie Konstrukte und/oder Zeichen beinhaltet, düfen wir uns fragen, ob/wie sich diesem etwas Positives abgewinnen läßt.

Zunächst einmal kann „Autentizität“ als Legitimationsstrategie für Unvollkommenheiten, ‚Makel‘ und Brüche dienen, perfekte Oberflächen können nicht wirklich als „echt“ gelten und im „wirklichen Leben“ existiert nichts in Reinform. Ein Ideal zu reproduzieren führt immer zu Fehlern, denn das Widersprüchliche ist nicht etwa eine Schwäche, sondern eine Existenzbedinung für ein solches (lassen wir offen, ob dies auf Nietzsche, Derrida oder Butler anspielt). Desweiteren bietet der strategische Scheinessenzialismus „Autentizität“ einen Rückzugsort gegen Anpassungsdruck, sowie eine Komplexitätsentlastung gegen widersprüchliche Anforderungen jedes Ideals (s.o.) an Subjektivierungen. Kaum wäre es möglich, als „Abweichung“ Markiertes für unverzichtbar zu erklären, gebe es nicht das „ich bin so“.

Es handelt sich also um eine mächtige Selbstbehauptungsstrategie, dessen Risiken dennoch nicht ignoriert werden sollten. Einen Ausweg aus Normierungen und Einschreibungen finden wir hierdurch sicherlich nicht; und so konkret-real sich manches anfühlt, die Frage, was nun konkret oder Abstrakt sei ist nichttrivial, das haben bereits die Chemnitz-isten massiv reflektiert. Sicherlich wollen wir keine Anpassung an subkulturspezifische Marker, Verzicht auf moralische Mindeststandards oder geistige Unbeweglichkeit als „autentisch“ rechtfertigen.

Diese Ambivalenz zeigt: Die Probleme liegen zwangsläufig nicht im Ideal selbst, sondern möglicherweise im Normierungsdruck von „Idenitäten“. Somit sei bei diesem notwendigen wie unmöglichen Konzept ein blashphemisch-ironischer Umgang (im Haraway’schen Sinne) mit strategischer Autentizität angeregt.

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One Response to Eine Lanze für … #4 Autentizität

  1. […] mehr oder weniger Privatsphäre etwas daran“): Das ist in etwa so ambivalent wie Autentizität; einerseits bedeutet die Abwesenheit von Privatsphäre, daß mehr/alles an Stelle einer […]

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