Honktheorie der Wissenschaftsentwicklung

Sturgeon’s Law lautet: „Ninety percent of everything is crud.“1 Daraus folgt zunächst einmal, daß 16 Artikel dieses Blogs kein kompletter Mist sein müßten. Daraus folgt auch, daß 90% aller Wissenschaftler*Innen ziemliche Honks sind. Dies hat Auswirkungen auf die Theoriedynamik, welche zu erklären wir ein wenig wissenschaftstheoretisch ausholen müssen.

Kuhn beschreibt den vielbeschworenen „Paradigmenwechsel“ wissenschaftlicher Revolutionen als Folge hartnäckiger und (innerparadigmatisch) bedeutender Anomalien.2 Stegmüller sieht darin gar ein rationales Wechselspiel aus konservativen und skeptischen Positionen, die Normalwissenschaft treibt ein Paradigma an seine Grenzen und Paradigmenwechsel bedeuten eine notwendige Erneuerung.3 Nun betrachtet sich Kuhn für Sozialwissenschaften als nicht zuständig.4 Marshall Sahlins bietet eine – nicht ganz ernst gemeinte – These des Paradigmenwechsels für Geisteswissenschaften, sie kommen zustande wenn eine Theorie zuviel erklärt und damit langweilig wird.5

Die Kulturellepraxis präsentiert hingegen die Honk-Theorie des Paradigmenwechsels: Alle noch so intelligenten Ideen und Denksysteme – wissenschaftlich oder nicht – sind pervertierbar. Wenn sich jetzt aber ein Konzept hinreichend durchsetzt, wird dieses – oder Teile oder Begriffe daraus – nach o.g. Regel von gewaltigen Anzahl von Honks vertreten. Nach hinreichend simplifizierenden Rezeptionen ist die Wahrnehmung einer Theorie bis zur Unbrauchbarkeit verflacht. Eine Theorie ist also tot, wenn sie von zuvielen Honks vertreten wird.


1Dies ist in wissenschaftlichen Studien erwiesen, da 90% aller Statistiken frei erfunden sind (so auch diese).

2 Kuhn, Thomas Samuel: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen; Frankfurt/M 2003; 65f & 73-79.

3 Stegmüller, Wolfgang: Die Evolution des Wissens : Nichtkumultativer Wissensfortschritt und Theoriedynamik. Zur Theorie von Thomas S. Kuhn; in: ders.: Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie : Eine kritische Einführung Bd.2; Stuttgart (8)1987; S.279-330.

4 Kuhn S. 175.

5 Sahlins, Marhsall: Waiting for Foucault, Still; Chicago 2002; S. 73f.

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4 Responses to Honktheorie der Wissenschaftsentwicklung

  1. […] wollten ihn mit seinem aufgebohrten Bruder, dem „Dispositiv“ restaurieren – und verhonkt, jetzt kommt das nächste Foucault’sche Powerkonzept durch die Mühle […]

  2. […] lebe die Realitätsfilterung, weil 90% aller Menschen Honks […]

  3. […] hier ein Plädoyer dieses Unwort „Experte“ zunkünftig mit einem laut dröhnenden „Honk, Honk“ zu […]

  4. […] zu Honktheorie der Wissenschaftsentwicklung und Honktheorie #2 (ein praktischer […]

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