Das Gespenst des Kommunismus

Es handelte sich um ein Gespenst, da alleine der Glaube an seine Wirksamkeit – und die der damals verwandten Arbeiter*Innenbewegung – v.a. durch seine Gegner*Innen erstaunliche Wirkmacht entfaltete, so ließe sich der derzeitge Sozialabbau u.a. darauf zurückführen, daß keine Alternative gefürchtet wird. Wenn wir „Links“ als herrschaftskritisch auffassen, war der ‚Realsozialistische‘ Ansatz allerdings bereits 19211 tot. Um in der Metapher zu bleiben, könnten wir Leninist*Innen also als Zombies bezeichnen …

Der mangelnde Glaube an Alternativen zeigt sich bereits „künstlerisch“. Alleine Sci-Fi ästhetisch scheinen z.Zt. Utopien gerade so konservativ, während aus ‚linkerer‘ Richtung spätestens seit den 80ern (Wortspiel: „Seit 1984“) eher die Dystopien kommen (der Kommentarteil könnte also als Sammelstelle für Ideen zeitgemäßer Utopien dienen). Ganz entegen Derridas Einschätzung, der „links“ mit einem positiven Verhältnis zur Zukunft assoziiert; sowie einem Streben nach Gerechtigkeit.2 Von politisch-philosophischen Grundfragen her zwar nachvollziebar, aber die rotierende Sicht des Cultural-Turn ließe „Gerechtigkeit“ als Dispositiv sehen, welches sich von neoliberaler Seite recht erfolgreich angeeignet wurde.

Aber nichts gegen Dystopien als notwendige Ent-Täuschungen, d.h. sich von der Sektenhaftigkeit religiöser wie säkularer Heilslehren zu lösen und vor politisch wie psychologisch ungesunden Vollkommenheitsvorstellungen3 zu schützen. Sie betonen Brüche, welche aus poststrukturalistischer Sicht die Möglichkeiten ausmachen. Sie tendieren dazu, eher als die Utopien einzutreten. Und sie geben die besseren Geschichten ab. Also im Sinne der 80er: No Future für eine bessere Welt?


1 Vgl. Bini Adamczak & Anna Dost: Willkommen im Club der linken Versager : Zur Geschichte des realexistierenden Scheiterns.

2 Moebius, Stephan; Wetze, Dietmar J. (Hrsg.): absolute Jacques Derrida; Freiburg 2005; S: 11.

3 „But it could be worse, huh?“
„That’s right,“ I said, „or even worse, it could be perfect.“ –William Gibson: The Gernsback Continuum.

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3 Responses to Das Gespenst des Kommunismus

  1. […] der Trillogie zum Gespenst des Kommunismus (Teil 1, Teil 2, Teil 3) verwundert es, folgende Sprüche noch nicht verwendet zu […]

  2. […] Fortsetzung von „Gespenst des Kommunismus“ […]

  3. Odradek sagt:

    Weitere Punkte
    – Da die DDR Kritik von links unterdrückte, mußte sich der Widerstand anders artikulieren und formieren
    – Das (sicherlich nicht schöne) Regime konnte am einfachsten anhand seiner eigenen Otheringfolie negiert werden
    – Sind wir also letztlich die Negativfolie aus der Sicht unserer Negativfolie geworden? Oder: Wie negieren wir die Negation einer Negation ohne zu affirmieren? (nicht mit formaler Logik, soviel ist sicher)
    – Problem ist, wenn ich Nationalismus und schiefgehende Wirtschaft als Beleg anführe, vernachlässigt das soviele andere Aspekte. Sei es, daß die Zuspitzung der Lage aus dem Wirtschaftssystem („Kapitalismus“) ohne Realsozialismus erklärt werden kann, sei es, daß der Nationalismus im Antiimperialismus immer wirksam war, sei es, daß sich die politische Ökonomie und ihre Ideologien gewandelt haben; sei es, daß abstrakte mega-meta-mode Konzepte wie „der Kapitalismus“ meist zu makro sind um etwas zu taugen
    – Dennoch, die Knoppist*n der Republik (Gauck eingeschlossen) zeigen auf die DDR, um uns Gedanken an Systemalternativen auszutreiben. D.h., sie fürchten zumindest, im Gedanken an dieses System könnte Widerständiges liegen
    – Heißt das, das Gespenst hat die Richtung gewechselt und sucht jetzt Linke heim? Oder heißt es lediglich, es wird als gezähmte Trophäe vorgeführt? Aber muß dafür nicht auch an dessen Gefährlichkeit geglaubt werden? Könnte es also zu spuken beginnen oder wäre das eher wie ein Aufstand der Geisterbahn?

    Ich weiß es nicht.

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