Der Rave: Ein Nachruf

Political Ambiguity, Explicit Sarcasm
Rave (vom Engl. to rave [reɪv] = rasen, toben, wüten) – geboren am 01.07.1989 in Berlin, gestorben am 24.07.2010 in Duisburg – war eine Tanzbewegung von Hornochsen, Partylöwen und Szenemäusen, wer sich nicht mitbewegte war ein Frosch.
Geboren wurde er im 20-Jahres-Rhythmus stattfindenden „Summer of Love“ (’49 liebte Adenauer, ’69 liebte die Linke, ’89 liebte die Rechte, ’09 wurde die Liebe zum unordentlichen Gefühl erklärt (wir, die Kulturelle Praxis, sind für die Abschaffung aller diesbezüglichen Sprachspiele und damit für die generelle Abschaffung der Liebe (der Sommer darf aber bleiben!!))).

Der Rave kam aus einem sehr musikalischen Haushalt, viele seiner Eltern brachten ihn schon von seiner Geburt an mit allerlei Eso-Krams in Verbindung und so glaubte auch er bis zu seinem Tod an eine bessere Welt durch sich selbst.

Besonders als Kinderstar der ’90er erfreute sich der Rave großer Popularität, tourte ununterbrochen weltweit sowohl auf großen Open-Air Veranstaltungen als auch in kleineren Clubs. Hierdurch schaffte er den Spagat der Mainstreamfähigkeit bei gleichzeitiger subkultureller Akzeptanz (indem er letzteren immernoch geschickt ein Distinktionspotenzial vorgaukelte). Diese Wandelbarkeit verdeutlichte sich auch in seinem Auftreten, er veröffentlichte seine Musik stets unter etlichen Pseudonymen, Stilen und bediente sich diverser (nicht immer unproblematischer) Szenecodes.

Volljährig (und auf Grund eines Krachs mit seinem Vater Dr. Motte – nicht verwand oder verschwägert mit Dr. House – im Jahr zuvor) zog der Rave 2007 von Berlin ins Ruhrgebiet. Er spielte mit dem Gedanken auszusteigen und Philosophie zu studieren, da er ohnehin zumeist chemisch aufgeputscht war, schaffte aber – bereits gesundheitlich schwer angeschlagen – den Absprung nicht. Trotzdem verstarb er vorgestern doch relativ plötzlich und unerwartet im Alter von nur 21 Jahren in Duisburg an einer Gefäßverengung.

RAVE IN PEACE (Spoke the raver: „Nevermore“)
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Berühmte Zitate: „Utz Utz Utz“

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5 Responses to Der Rave: Ein Nachruf

  1. Odradek sagt:

    Großartiger Artikel – rofl! Aber alleine Loveparade in Duisburg

  2. Radikalinski sagt:

    Die Loveparade wurde einst als Demonstration angemeldet; gleichwohl dieser Kessel nicht wandern konnte. Das Ergebnis dieses bedauerlichen Vorfalls könnte Zukunftsweisend sein.

  3. […] Danke drkultur für den Literaturtip, wußte gar nicht, daß es noch Populärphilosoph*Innen gibt (gut, bei […]

  4. Und zu „Sommer kann bleiben“ gibt’s auch andere Meinungen 😉

  5. Wolfgang sagt:

    Nicht zu vergessen der bei BerlinerInnen beliebte ‚DJ Escape‘ alias Mark Stone alias Mark Kennedy.

    „Love is just a four-letter-word.“ U.G.

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