Journalist_Innen: ‚unabhängige Beobachter‘?

Seeing is believing?

Über die Unruhen an der kirgisisch1-usbekischen Grenze hieß es in der Tagessschau am 15.06.2010, es sei nicht ganz sicher, wie die Lage dort aussieht. Nur ein paar ins Netz gestellte Amateuraufnahmen dienten als sperrliche Informationen, es seien bisher noch keine Journalist_Innen in das Problemgebiet vorgedrugen, um die Sache aufzuklären.

Jetzt stelle ich mir die (verschwörungstheoretische) Frage: „Soll ich denn bei allen Bildern, die mich im Fernsehen etc. erreichen, sicherheitshalber noch einmal dorthin fahren, um mich persönlich davon zu überzeugen?“
Während die ARD also noch an den unabhängigen Beobachter glaubt, sei hier gesagt:

Believing is seeing.2


1Je nach Nachrichtenlage heißt es Kirgistan, Kirgisien oder Kirgisistan. Implikationen der Begriffswahl konnten an dieser Stelle nicht näher untersucht werden.

2 Um Baudrillard jetzt nicht überzustrapazieren sei an Heinz von Foerster erinnert:

Ich bin einmal, das paßt vielleicht zu diesem Thema, eingeladen worden, in einer Journalistenschule zu sprechen. Und dort stand das Credo dieser Schule eingemeißelt uber dem Eingangstor: „Sage es, wie es ist!“ Ich bin dort hingekommen, habe das gelesen und habe dann behauptet: „Es ist, wie ihr es sagt!“ Also müßt ihr auch sehr aufpassen mit dem, was ihr da erzählt.“

–Forester, Heinz von; Müller, Albert; Müller, Karl: Im Goldenen Hecht : Über Konstruktivismus und Geschichte; in: ÖZG 8 (1997), Bd.1; S. 129-143, S. 129f. Online verfügbar.

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