Neue Geisteswissenschaft

Der Bernd-Eichinger-Lehrstuhl für Knoppismus am Treitschke-Institut für geisteswissenschaftliche Brandstiftung veröffentlicht ihren Strukturentwicklungsplan für die Geschichtswissenschaft:

Von den Naturwissenschaften lernen heißt siegen lernen, sie gelten als nützlich, sie bekommen das gesamte Geld. Sie muß, neben verändertem Anspruch im akademischen Betrieb unser Leitbild werden

  • Publikationen sollten unverständlicher geschrieben werden – abgesehen von geschlechtsneutralen Formulierungen, die gehören natürlich abgeschafft -, in einer Sprache die Jahre der Einarbeitung erfodert, überhaupt einen Satz zu verstehen; das wird einigen nicht sonderlich schwerfallen und knüpft an das altehrwürdige Genre der deutschen Wissenschaftsprosa an; als ersten Schritt stellen wir alle historischen Publikationen auf Fraktur oder Schlimmeres um
  • Dann ist es wichtig, die Verantwortung für die Folgen unserer Wissenschaft abzustreifen, das entscheiden die ‚demokratisch‘ (z.B. mit Wahlcomputern) gewählten Politiker im Namen der ‚aufgeklärten‘ Gesellschaft. Die Geschichte kann so nutzbar für Wohlstand und Sicherheit werden wie die Kernspaltung.
  • Beschäftigung mit Methoden und Theorie wird verboten
  • Wichtigste Felder sind unmittelbarer Nutzen und Populärwissenschaft. Beides wird realisiert in Historienromanen und Kostümfilmen. Die Methodik ist entsprechend umzustellen
    • Da ein Forschungsstand zu kompliziert ist, betrachten wir nur noch ein Einheitsparadigma lehrbuchkanonisierter Fakten als wissenschaftlich
    • Da Interpretationen sich als falsch erweisen können und veränderlicher Forschungsstand ohnehin zu Verwirrung führt, darf nicht mehr interpretiert werden
      • Die Historisch-Kritische Methode wird abgeschafft
      • Autorennamen spielen keine methodische Rolle mehr, sie dienen lediglich als Personenkult von Diskursivitätsbegründern
      • Kontextinformationen spielen keine Rolle mehr, sie wirken verwirrewnd und verkomplizierend und Naturwissenschaft arbeitet schließlich auch mit isolierten Systemen
      • Wir verraten den Studierenden endlich, daß Belegbarkeit keine Rolle spielt, wenn der Titel stimmt, das akademische System sollte sich dazu bekennen ein autoritäres zu sein und keine Zeit mit der Legitimation von Autorität verschwenden
    • Zentrales Moment ist die unmittelbare Wirkung der Quelle auf den Autoren, alles andere wäre zu intellektuell und für unser Ziel zu aufwendig
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2 Responses to Neue Geisteswissenschaft

  1. […] da eine recherchearme, statistisch-experimentelle scheinobjektive Naturwissenschaft ein Ausmaß an Defiziten aufweist, die eine Ablösung der methodischen ‘Errungenschaften’ textwissenschaftlicher […]

  2. […] Treitschke-Institut hat gemeinsam mit einem Think Tank des Trayçke Enstitüsü Diyabakır eine neue Idee entwickelt, […]

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