Wissenschaft mal wieder

Zwei Schüler*Innen: „Sich Gedanken machen und Diskutieren fand ich ja noch ganz interessant, aber jetzt müssen wir in Philosophie Begriffe lernen“. Ob der Interventionsversuch – ein einfaches Problem mit unverständlichen Fachbegriffen, sodann ohne solche aufwendig zu erläutern – gefruchtet hat darf bezweifelt werden.

In der Tat ist es eine schöne Faustregel1 für „Wissenschaftlichkeit“, schnell zwischen exoterischem und esoterischem Kreis unterscheiden zu können, nach principle of charity betrachten wir „Begriffe“ mal als Handwerkszeug statt Distinktionsgewinn; wobei selbst in jenem Falle ein gewisser Komplexitätsaufbau von Nöten wäre, den viele vermissen lassen.

Denn: Viele Schulgeschädigte verwechseln Geisteswissenschaft mit Meinung wählen und unter Zuhilfenahme vereinzelter „Fakten“2 vertreten. Fünfmal das Gegenteil beweisen ist etwas Anderes als sich gleich auf „die richtige Seite“ zu stellen. Ein Buch wiederzugeben oder Wikipedia zu nutzen ist selbst mit einer schönen Powerpointpräsentation3 nicht wissenschaftlich4. Soetwas wie Fragestellung (Methodik), Forschungsstand und Fußnoten (Transparenz/Belegbarkeit)5 bleibt dabei auf der Strecke.


1Unter diese Definition fällt viel Unwissenschaftliches, daher Faustregel.

2 Vgl. Haraway, Donna Jeanne: Situated Knowledges; in: Simians, Cyborgs and Women : The Reinvention of Nature; New York 1991 (online verfügbar); c. 9, S. 183-202; S. 184: „The only people who end up actually believing and, goddess forbid, acting on the ideological doctrines of disembodied scientific objectivity enshrined in elementary textbooks and technoscience booster literature are non-scientists, including a few very trusting philosophers.“

3 „If you got no point – make a powerpoint.“ Trotz massivster Annäherungen versucht sich die Wissenschaft als etwas Anderes als Verkaufen zu imaginieren.

4 Muss … blöden … BWLer Witz … verkneifen …

5 Versuch einer Minimaldefinition von „Wissenschaftlichkeit“ durch d* Autor*.

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One Response to Wissenschaft mal wieder

  1. Eine Präsentable „Debatte“ befindet sich noch in Arbeit. Wir alle hätten nicht geahnt, wiesehr sowas Kunstprodukt sein muß, soll es ansprechend und für sich lesbar werden. Wir betrachten die Arbeiten daran als praktische Forschung zur -umstrittenen- „Inkommensurabilität“ 😉

    Eine wichtige Präzisierung dank kfermion räumte Odradek bereits ein: Unter „Gegenteil beweisen“ kann eine Form von „Widerlegung“ („Einwände einarbeiten“) verstanden werden. Wie aber genau „Widerlegung“ funktioniert bleibt kontrovers, genau wie die damit zusammenhängenden Fragen
    – ob/wie diese „Widerlegung“ nicht nur einschränkend, sondern auch produktiv wirkt
    – wie das Verhältnis von wissenschaftlicher Vereinheitlichung und Vervielfältigung aussieht
    – wie „rational“ „Wissenschaft“ eigentlich ist
    – und zuguterletzt wo die Unterschiede und/oder Gemeinsamkeiten von Natur-, Kultur-, Geistes- und Sozialwissenschaften liegen.

    Keine einfache Probleme, denn „Die ‚hard sciences‘ sind erfolgreich, weil sie sich mit den ’soft problems‘ beschäftigen; die ’soft sciences‘ haben zu kämpfen, denn sie haben es mit den ‚hard problems‘ zu tun.“ –Heinz von Foerster

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