Fahrstuhl kaputt…

…und ich musste die Treppe nehmen. Fast oben angekommen wurde ich im Treppenhaus von zwei Personen abgefangen, die mich über Gott befragen wollten.1 Nach meiner Weigerung drückten sie mir schließlich eine Broschüre in die Hand.
Titel der Broschüre: „Ist Gott männlich oder weiblich?“
Darin ein Lösungsvorschlag, der durch folgenden Auszug (der Webpräsenz dieser Kirchengemeinde entnommen) wiedergegeben sei:

Zwei Abbilder Gottes
Lasst uns in der Bibel über die Existenz unserer geistigen Mutter erfahren.

1. Mose 1:26-27 „Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei … Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.“

Am obigen Bibelvers können zwei Bilder Gottes erkennen, nämlich ein männliches sowie ein weibliches. Bis jetzt redeten wir das männliche Abbild Gottes mit Gottvater an. Wie sollte dann die weibliche Göttlichkeit genannt werden? Selbstverständlich Mutter! Deswegen sprach Gott: „Nun wollen wir Menschen machen, ein Abbild von uns, das uns ähnlich ist.“

„Uns“ weist auf die Mehrzahl hin und heißt auf Hebräisch „Elohim“. Elohim bedeutet Götter und drückt Gottheit im Plural aus, nämlich Gott als Mann und Frau. Einige sind der Meinung, „uns“ beziehe sich auf Gottvater, dessen Sohn und den Heiligen Geist. Wenn sie Recht hätten, dann müsste es im Grunde in dieser Welt drei verschiedene Abbilder des Menschen geben, und zwar einen Gott-, Sohn- und Heiligen Geistähnlichen. Aber auf Erden sind bloß zwei andersartige Ebenbilder des Allmächtigen, d.h. Mann und Frau. [sic!!!]2

Daher ist der Gott in Genesis 1:26 pluralistisch gemeint und als männlicher (Gottvater) sowie weiblicher Gott (Gottmutter) zu verstehen.

…ich schlussfolgere: wenn wir Geschlecht abschaffen, schaffen wir auch gleichzeitig Gott ab. Prima!



1Hatten die Beiden etwa absichtlich den Fahrstuhl manipuliert, um im Treppenhaus zu lauern?
2Diese Selbstverständlichkeit ist keine. Klassiker hierzu sind
Laqueur, Thomas: Making sex : body and gender from the Greeks to Freud; Cambridge/Mass (u.a.) (6)1994. Neueres hierzu von/bei Heinzi Voss

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One Response to Fahrstuhl kaputt…

  1. Odradek sagt:

    „Ich fürchte, wir werden Gott nicht los, weil wir noch an die Grammatik glauben“ –Nietzsche

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