Kreatives Schreiben

2. Mai 2012

Irgendwoher müssen die Ideen ja kommen. Nun hatte Bruce Schneier jährliche Wettbewerbe für Terror-Movie-Plots inkl. Fazits, was daraufhin verboten wird. Viel Nettes dabei und äußerst inspirierend. Zum ersten Mai werden viele die ästhetisierte Gewalt auf die Spitze getrieben wissen wollen.

Nacht & Nebel; in der Ferne ein Käuzchen rufend. Ein Lieferwagen hält vor einem abweisend aussehenden Betonbau. Im inneren hackt ein ungekämmter Typ in Windeseile die umliegenden Kameras. Er lacht “Windows, sie machen es uns auch einfach. Die Türen sind auch entriegelt” Promt springen einige schwarzgekleidete aus dem Van und bewegen sich schnell und geschmeidig auf den Eingäng des Gebäudes zu. Auf dem Rücken tragen sie größere Behälter. Es handelt sich um ein Parkhaus für Wasserwerfer.

Hinweis: Die gehackten Kameras sind so eine verbreitete Trope, daß ich mir gar keine Gedanken darüber machen muß, wie solche tatsächlich zu umgehen sind; gut, wenn sie nur aufzeichnen wohl mit simplen Skimasken. Keine Ahnung, wie oder wo Hamburgs Wasserwerfer geparkt werden, aber Parkhausszenen finde ich so cyberpunkig-ästhetisch. Auch sind vielleicht die schwarzen Anzüge suboptimal: Es kursieren Gerüchte, daß in der Uni-Hamburg in Hörsälen fest installierte Beamer entwendet wurden, indem mitten in einer Vorlesung – bis heute nicht erwischte – Männer im Blaumann mit einer Leiter hineinreinkamen und diese einfach abmontierten …

Jedenfalls machen sich unsere Gestalten am Wasser-Tankstutzen eines der neuen WaWe10000 zu schaffen. Um verbleibende Wasserreste zu binden, wird etwas Katzenstreu eingefügt. Sodann folgen zuckerüberzogene Natrium- oder Kaliumkügelchen. Als am nächsten Tag – sagen wir einfach mal der 1.Mai – der Wassertank gefüllt wird, löst sich die Zuckerschicht recht schnell und das Natrium reagiert schlagartig in heftiger Explosion teurer CGI-Effekte.

Die Politik reagiert schnell: Kochsalz wird wegen des hohen Natrium-Anteils sofort verboten, Mineralwasser ist nur noch natriumsarm verfügbar. Und alle Katzenladys stehen künftig unter Terrorverdacht.


Platzordnung

7. Dezember 2011

Fortsetzung zu Schunddruck und Meisterwerk

Mit Odradek

Gestern stellte ich den Marx zurück ins Bücherregal. Was passierte? Nun, Engels klopfte ihm freundschaftlich auf den Buchrücken, alle Hegel-Bände drehten sich plötzlich vom Kopf auf die Füße, die Nietzsche-Ausgaben schüttelten sich, Foucault-Bücher gingen auf Distanz und Derrida-Monographien drohten, den Buchrücken (oder gleich das ganze Regal) zu dekonstruieren, ein Althusser-Buch versuchte ihn noch einmal zu lesen und Cultural Studies-Aufsätze probierten ihn umzudrehen, ein Bourdieu-Schmöker stampfte im Morsecode, vehement fragend, ob das jetzt wirklich “Klasse” sei (eine Williams- und eine Thompson-Monographie morsten einstimmig zurück “Nein”), Werke Adornos sprangen drei Regalbretter nach unten in nächste Nähe (auf halber Strecke freundlich der Psychoanalyse-Abteilung zunickend), versuchten dabei die Lenin- und Maobibeln sowie die Brechttexte aus dem Regal zu schubsen. Jene wiederum blieben an Marx hängen, wurden der Form des Buches aber nicht wirklich gerecht (ihn hat ja auch nie jemand gefragt). Adam Smith fiel übrigens hinter das Regel.

Was war passiert? Marx’ Gespenster waren wohl doch ein Poltergeist …


Indie Charts #2

18. September 2011

Mit drkultur

Herbert Hansen: Honigmeloneninsel (Hamburger Schule)
Schwestern der Gnade: Gib mir Zuflucht (Schlagerschnulze)
Wut auf Maschinen: Bullen auf Parade (Polizeimarschlied)
Königin: Ich möcht umsonst brechen (Feten-Schlager)
Nintendo Dissident Twens: Definiere den Feind neu (Philosophisches Spoken-Word)
Nintendo Dissident Twens: Hitzewelle (Sommer-Reggae)
Bob Mahler: Eisen Löwe Zion (Nr.1 Hit der antideutschen Singlecharts)
Bob Mahler & die Kläger: Babylon niedersingen (Antiimp-Gassenhauer)
Clay Stones Cullet: Smoke House Song (in Nicht-Raucherkneipen auf dem Index)
Dorfleute: Ypsilon Em Ce A (physikalisches Theorem)
Trudy Schapmann: Reden über eine Revolution (Vereinshymne eines linken Debattierclubs)
Robert Zimmermann: Pustend im Wind (Meditationsmusik)
Dämlicher Punk: Härter, Besser, Schneller, Stärker (Progressive-Narrative-Rock)
Die Türen: Zünde mein Feuer an (offizielles Olympia-Lied)
The Dead Pants: On the Crusade to Happiness (Christian Praise & Whorship-Music)
Massiver Angriff: Schwarze Milch (Hardcore Punk)
Fleischklops: Objekte im Rückspiegel können näher erscheinen als sie sind (Kindergarten Verkehrserziehungslied)
Die jungen Messer – Die Entscheidung (Emo)
Die Käfer: Unteroffizier Pfeffers Club der einsamen Herzen (Single für Singles)
Frank Zapata: Wir machen’s nur des Geldes wegen (Folk für Manager)


Online-Tagebuch

7. September 2011

Gastbeitrag Käpt’n Diogenes’, bärtigem Freibeuter der Philosophie

Bart radikal gekürzt (das Schöne am Langhaarschneider, es ist kein entweder/oder mehr). Und der Typ in meinem Spiegel sehe entsetzlich alt aus. Mag daran liegen, daß sich bei dieser Länge das Gesicht ohne vorstellen läßt und es in diesem Zustand seit ca. vier Jahren nicht mehr war. Naja, vielleicht hat ja jemand der Leser*Innen wissenschaftliche Literatur zur Dekonstruktion von Ageism.

Frage ist jetzt nur, wie emplotte ich das jetzt? “Ungeschickter Umgang mit Technik” (btw.: läuft netBSD eigentlich auch auf einem Rasierer?) wirkt suboptimal, gleichwohl sich das gut mit einer später an Computerprobleme vertanen Stunde kombinieren ließe. Vielleicht “So kurz vor dem 11. besser nicht verdächtig machen”? Oder “Ich wolt’ mich mal verändern”? Im Zweifel ein philosophisches Ablenkmanöver: “Popperianisch gesehen sind die fruchtbringenden Experimente die gescheiterten”? Gut, im Gegensatz zum Haupthaar bliebe noch das “wächst ja wieder nach”, doch das ist einfach narrativ unansprechend …


Geschichte der Freistempler

24. Juli 2011

In der Poststelle entdeckte ich heute einen Karton mit der Aufschrift “Freistempler“. Da mir dieses Wort vorher noch nie untergekommen war, ging meine Phantasie (wie üblich) mit mir durch, was ich in dem Karton vielleicht finden würde: Die geheime Chronik der Freistempler? –

Der Orden der Freistempler wurde 1420 oder 1421 als geistlich-humanistischer Bund steinmetzender Ritter gegründet. Er verstand sich als eine allen sozialen Schichten offenstehende ethische Eliteeinheit. Der Anhängern aller Konfessionen offenstehende Orden unterstand direkt dem Jerusalemer Papst und hatte zum Ziel, die Ideale der Aufklärung und der Selbsterkenntnis unter freie Mönche und junge, englischsprachige Briefzusteller zu verbreiten. …


Für wen?!?

20. Juli 2011

In Zusammenarbeit mit Odradek

Das Warten als ein Erlebnis der besonderen Art gestaltend, liegen im Wartezimmer beim Arzt so manche merkwürdige Zeitschriften. U.a. heißt eine davon “Für Sie”. Stellt sich die Frage, werden auch andere fiktive Kollektivsubjekte derartig adressiert?

  • Race/Class/Gender:
    • “Für weiße” (schwer zu finden, denn diese Zeitschrift ist unmarkiert)
    • Beim Warten auf dem Arbeitsamt: “Für Arbeiter” (bleibt ungelesen liegen)
    • Auf dem Galãostrich in der Schanze: “Für Prviledged People(tm)”
  • An Schulen: “Für Dich”(wird meist ohne Inhalt ausgeliefert)
  • Beim Warten auf der Polizeiwache, das neue Magazin “He! Sie da!”
  • Bei einigen Zeitschriften ist unklar, wo diese verteilt werden können:

Geschäftsidee

18. Juli 2011

Die Startup-Abteilung der Kulturellenpraxis entwirft einen neuen Dienst, in der Hoffnung, von einem gewissen Suchmaschinen/Webdienste-Anbieter aufgekauft zu werden:

Kuugle-Dream

Gescheiterte Psychologiestudierende (bei steigendem Bedarf rekrutieren wir einfach irgendwelche Psychoanalyse1opfer in der Philosophie oder Germanistik) deuten Träume online und zwar anonym2 und kostenlos3.

Hinweis an jenen Anbieter: Das Treitschke Institut für geisteswissenschaftliche Nutzenoptimierung könnten wir bei einem Verkauf umbenennen in Kuugle-Ideology


1 Antisexismus läßt sich ja immernoch in der Freizeit verfolgen, Geld stinkt nicht.

2 Some restrictions apply …

3 Finanzierungsmodell: Die Verwertungsrechte an diesen Träumen werden uns abgetreten.


Moment mal?

28. Juni 2011

“[sic]“?!?

Die Aussage: “das ist so” ist ontologisch, müssten wir das nicht durch “das wird schon” ersetzen?

Nein: Rumhegeln und -analytikisieren bringt hier nix, da dringste mit der Sprache auch nicht durch! (Also dialek mich oder formal ausgedrückt: stfu!)


Anfangen um aufzuhören

5. Juni 2011

Einen gedanken weiterzudenken, heißt, ihn über sich hinaus zu denken, damit auch zuende zu denken


Heute kein Artikel

2. Juni 2011

Ein einsilbiger Zwischenruf kann nicht als Satz verstanden werden werden. D.h.: Dies läßt sich auch ohne Sätze sagen:

45 69 6E 20  65 69 6E 73  69 6C 62 69  67 65 72 20  5A 77 69 73  63 68 65 6E  72 75 66 20  6B 61 6E 6E  20 6E 69 63  68 74 20 61  6C 73 20 53  61 74 7A 20  76 65 72 73  74 61 6E 64  65 6E 20 77  65 72 64 65  6E 20 77 65  72 64 65 6E  2E 20 44 2E  68 2E 3A 20  44 69 65 73  20 6C C3 A4  C3 9F 74 20  73 69 63 68  20 61 75 63  68 20 6F 68  6E 65 20 53  C3 A4 74 7A  65 20 73 61  67 65 6E 3A


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