Kai-Horst

1. Dezember 2012

Fast in einem Anflug von Nostalgie, soll hier ein Studierendencafé-Mem für die Nachwelt dokumentiert werden, das der Gründung der Kulturellenpraxis maßgebend vorausging.

Da jetzt zumindest die Existenz des NSU, sowie beunruhigende Verbindungen zum Verfassungsschutz herausgekommen sind, ist anzunehmen, bleibt zu hoffen, daß es wenigstens interne Disziplinarmaßnahmen gab. Sei es auch nur für das Herauskommen

Was aber ist die übelste Strafversetzung, die einem Inlandsgeheimdienst zur Verfügung steht? Freie Radios zu hören ohne Möglichkeit des umschaltens mag bisweilen unangenehme Momente haben – einige sendende sind Dilettan*n  -, doch beispielsweise FSK erfreut sich selbst bei der Hamburger Polizei hoher Beliebtheit.

Die übelste Strafversetzung aller Überwachungsbehörden ist der Horchposten Studierendencafé. Codename de* abhörenden lautet “Kai-Horst”. Stellen wir uns vor: den ganzen Tag pseudoakademisches Gelaber, gefühls- oder dogmenlinke Tiefflüge, Flugblattschreiben, endlose Sitzungen.


Facebook strikes back

4. April 2012

Irgendwie musste ich doch ein bisschen schmunzeln:

Waren Facebook, Twitter und Co. nicht bis vor kurzem noch die neuen Hoffnungen jeder Demokratie? Siehe Tunesien, Ägypten, Lybien: durch soziale Netzwerke wurde zur Revolution aufgerufen! Hier sprach das Volk!

Im Mordfall Lena nun auf einmal umgekehrt? Ein wütender Mob mobilisiert sich (siehe)! Auf einmal sind “fehlende Gatekeeper” (Vorsicht, hier hat jemand nicht verstanden, wie ein Diskurs funktioniert) gefährlich!

Böses, böses Facebook, du (wenigstens vollüberwachter) Stammtisch! Lass du mal unseren Rechtsstaat in Ruhe! In Ägypten gerne! Aber hier pfui!


Zukunft der Sozialsysteme

13. September 2011

Ein Pilotprojekt zur Reform der Sozialsysteme wurde gestern von der britischen Polizei beendet. Ein angeblicher Sprecher des Arbeitsministeriums dazu: “daß wir nicht darauf gekommen sind! Hier wurden sonst komplett nutzlose Menschen wieder in die Arbeitsgesellschaft integriert, ohne eine Möglichkeit Kriminalität zu verursachen. Auch halten wir den Ansatz, die Lohnnebenkosten in ungeahnte Tiefen zu drücken für äußerst innovativ.”

Die Lehren aus diesem Fall sollen unter dem Arbeitstitel “Hartz5″ in einen Gesetzesentwurf gegossen werden, das Treitschke Institut für geisteswissenschaftliche Nutzenoptimierung zeigte sich zuversichtlich, die Ausschreibung gegen die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zu gewinnen, denn aus der Geschichte zu lernen heißt siegen lernen.


Terrorgefahr Fnord

11. September 2011

Ein Nachrichtensender. Im Hintergrund ein Deutschlandumriß in Schwarz-Rot-Senf, über welchen ein Fadenkreuz gelegt wurde; daneben ein Flick in grüner Uniform mit MP-5 und Beschußhemmender Weste. Der Fernseher ist recht leise, aus der Küche dringt Lärm und ich verstehe für einen Augenblick “Droht Deutschland ein Angriff von Polizisten?”

Einige Tage später dann Festnahmen. Also natürlich nicht von, sondern durch Polizisten (1). Nach aktuellem Stand zweifelhaft, ob auf Basis der vorhandenen Beweise überhaupt eine Verurteilung möglich ist. Sowas spricht in konservativer Logik nicht etwa gegen diese Aktion, sondern für mehr Überwachung und schärfere Gesetze


Lenin – wer ist Lenin?

16. Juli 2011

wollte es auch mal probieren:


Demo der Zukunft

29. April 2011

Der ThinkTank des Treitschke-Instituts präsentiert: Sicherheitskonzepte für Demonstrationen der Zukunft. Da die Panzerung von ‘Menschen’ und Gerät kaum auszuweiten ist und der Einsatz nichtmenschlicher Tiere eher einen Rückschritt darstellen dürfte, bleibt als einzige Möglichkeit, die eigenen Ausfallquoten weiter zu verringern die Angreifbarkeit herabzusetzen. Erreichen läßt sich soetwas dadurch, daß der Einsatz von fliegenden Drohnen massiv ausgeweitet wird.

Damit die Staatsmacht so oft es nötig ist massiv auszutreten hat, müssen wir allerdings die Kostenexplosion – beispielsweise durch Überstunden und Bereitschaftsdienste – eindämmen. Deshalb werden die Demo-Drohnen der Zukunft voll autonom handeln – wir bekämpfen gewissermaßen gleiches mit gleichem (pun intended). Nun werden einige rechtsstaatliche Bedenken haben, doch diese sind verfehlt. Beamten könnten Fehler unterlaufen – Gerichte stellen regelmäßig fest, daß dies in der Praxis nicht vorkommt, Fehlerhaft sind allenfalls die Überwachungskameras in entscheidenden Augenblicken , aber die theoretische Möglichkeit besteht -, während Drohnen nur auf vorher fest programmierte und von Juristen abgesegte Algorithmen ihre Gummigeschosse oder Tränengasgranaten abfeuern.

Die ersten Entwürfe werden gerade in Zusammenarbeit mit der Firma Cyberdyne Systems erprobt.


Handy Gassi-dienst

28. April 2011

Dank an ihdl

Kaum im Amt, fällt Neumann1 auf mit Vorschlägen, welche wir von ihm erwartet hätten: Echtzeitzugriff auf Mobilfunkdaten für die hamburger Polizei, da dieser sonst zu häufig vom Restrechtsstaatsbewußtsein einiger Richter*Innen unterbunden würde.

Halbwegs kompetente Kriminelle/Terrorist*n/Freiheitskämpfer* nehmen solch ortbare Geräte aber gar nicht zu ihren Machenschaften mit, daher dient dies höchstwahrscheinlich nur dem “Fahndungsdruck”, daß verdächtige künftig für daheimgelassene Handys verhaftet werden können. Ganz davon zu schweigen, um wievieles suspekter es wäre, gar keine Sim-Karte auf den eigenen Namen registriert zu haben.

Die Kulturellepraxis hat somit die Geschäftsidee für alle, die etwas zu verbergen haben; so etwa eine Affaire oder andere Eheprobleme: Den Gassi-Dienst für Händis – dieser führt die Geräte der Kund*n an unverfängliche Orten. Das schafft nicht nur einige Stunden der Privatsphäre – optional wird ein Maskenbildner zusätzlich das Gesicht der Kund*n für Überwachungskameras unkenntlich gestalten -, sondern ermöglicht gar ein bewegungsprofiltechnisches Alibi. Die Bezahlung erfolgt diskret in bar, wegen erhöhter Nachfrage mit Aufpreis für (sp)iPhones.


1 Wie schon Rio Reiser wußte: “Das ist unser Haus, schmeißt doch erstmal Scholz und Neumann und Kahrs aus Hamburg ‘raus”


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8. März 2011

Tauche ein in die dunklen Welten von Nieder-Lonland! Befreie friedliebende Völker von Unterdrückung und Tyrannei! Hol dir jetzt das angesagteste Real-Time-3D-Spiel des Jahrtausends:

DISCOUNTERSTREIK

Kreiere deinen eigenen Avatar aus mehreren Dutzend physischen und psychischen Parametern und schicke ihn in den Preiskampf gegen mächtige Feinde, um Mindestlöhne, anständige Arbeitszeiten und humane Behandlung durch Vorgesetzte durchzusetzen. Wähle aus verschiedenen, detailliert animierten Waffen wie Granatäpfeln, Dioxineiern, trockenen Brötchen oder altem Kaffee. Entscheide selbst, bei wem du einkaufst und wo du deine Pfandflaschen zurückbringst. Lerne Fremdsprachen wie Russisch oder Türkisch, um den Unterdrückten zu erklären, was eine Gewerkschaft ist. Nutze den Multiplayer-Modus, um mit Freunden übers Internet oder LAN Warnstreiks zu organisieren, die Herkunft von Fleischprodukten zu prüfen und Preisabsprachen aufzudecken. …


Sehr verdächtig

22. Februar 2011

Auf dem Parkplatz vor einer Gesamtschule mit KiTa, etwa eine halbe Stunde vor Schulbeginn. Ein Auto parkt relativ weit am Rand, zwei schwarz gekleidete Gestalten steigen aus, die Schirmmützen tief ins Gesicht gezogen, und huschen hinter einen Baum. Die eine Person baut ein Stativ auf, die andere trägt einen Gegenstand, der ein Beamer oder eine Kamera sein könnte. Beides wird im Schutz der Baumkrone montiert … oh … achso: zwei Polizistinnen bereiten die Geschwindigkeitskontrolle an dem Zebrastreifen vor, wo der Schulweg die Straße kreuzt.


Gigantische Militärparade

2. Februar 2011

Bezeichnend ist die Berichterstattung der ARD über Nordkorea im Vergleich etwa mit Frankreich. Zur Verdeutlichung hier der tagesschau.de-Artikel über den französischen Nationalfeiertag (aus rechtlichen Gründen die Fotos bitte an passenden Stellen dazudenken), aber mit den Worten aus dem Artikel über den 65. Gründungstag der KP:


221. Jahrestag des Sturms auf die Bastille

Gigantische Militärparade für Nicolas Sarkozy

Die französische Führung hat mit einer Militärparade in Paris den 221. Jahrestag des Sturms auf die Bastille gefeiert. Machthaber Nicolas Sarkozy und seine Gattin Carla Bruni, die als designierte Nachfolgerin ihres Mannes gilt, nahmen die Parade ab.

Es war das erste Mal, dass die Bürger Paris’ Carla Bruni inmitten der Ehefrauen anderer Staatschefs bei einem öffentlichen Auftritt zu Gesicht bekamen. Die Fernsehbilder zeigten, dass Sarkozy offenbar Sodbrennen hatte und seiner Frau in aller Öffentlichkeit einen Handkuss geben musste.

Das Ehepaar stand auf einer Tribüne im Zentrum der Hauptstadt, während Soldaten vorbeimarschierten und Panzer gezeigt wurden. Nach der Hochzeit des Paares vor knapp drei Jahren wollte das Regime nach Ansicht von Beobachtern die künftige Rolle Carla Brunis festigen.

Ein martialischer Aufmarsch, mit dem die gaullistische Partei Frankreichs UMP heute den 221. Jahrestag des Sturmes auf die Bastille feierte. Soldaten aus 13 ehemaligen Kolonien sollen am Morgen über die Champs-Élysées marschiert sein. Die vielen schweren Waffen, die vorgeführt wurden, Symbol für Frankreichs Politik der militärischen Stärke, auf die das konservative Regime auch weiterhin setzt. Frankreichs Armee hat mehr als 347.000 Soldaten unter Waffen, verfügt über Atomsprengköpfe — der überwiegende Teil der ehemaligen Kolonien leidet jedoch weiterhin unter Hunger.

Erst zum dritten Mal als Ehepaar gemeinsam auf der Ehrentribüne: Machthaber Nicolas Sarkozy und seine dritte Frau Carla Bruni. Die designierte Nachfolgerin an der französischen Staatsspitze hat im vergangenen Jahrzehnt drei Alben veröffentlicht und wurde mit hohen Chartplatzierungen bedacht. Ihr erstmaliges Erscheinen inmitten der Präsidentengattinnen afrikanischer Staatschefs gilt als neuerlicher Hinweis auf eine bevorstehende Machtübergabe an die nächsten Familienmitglieder der Familie Bruni-Sarkozy. Und die könnte alsbald anstehen — der 55jährige Nicolas Sarkozy wirkte heute körperlich angeschlagen und geschwächt.

Höhepunkt der Jubiläumsfeiern

Der Truppenaufmarsch, einer der größten seit Jahren in der ehemaligen Kolonialmacht, galt als Höhepunkt der zweitägigen Feierlichkeiten. An der Parade nahm zudem eine Staffel der Luftwaffe teil, durch die das kapitalistische Land gefeiert wird. Auch einige afrikanische Kollegen des heutigen Machthabers waren zu sehen. “Alle Paradeteilnehmer fühlen sich geehrt, bei der Würdigung der ehemaligen Kolonien dabeisein zu können”, hieß es bei der staatlichen französischen Nachrichtenagentur AFP. An dem Aufmarsch nahm auch eine Delegation Soldatinnen aus Benin, einem von Frankreichs engsten Verbündeten, teil.

Ende September hatte Sarkozy seiner Frau bei einem Treffen der UMP zwei hohe Parteiposten anvertraut und sie damit praktisch zur Nachfolgerin ernannt. Zuvor hatte er bereits ihre Erfolge als Fotomodell und Sängerin gewürdigt. Carla Bruni ist die dritte Frau des Präsidenten und nach Schätzungen in den späten Vierzigern.