Wörterbuch Teil #7

14. Mai 2013

Skinnern := Durch changieren zwischen fach- und umgangssprachlicher Bedeutung von Begriffen die Bedeutungslosigkeit und/oder Widersinnigkeit eigener Behauptungen verschleiern (vgl.1, vgl.2). Glücklicherweise gibt es schon einen guten Begriff für Zitierkartell (“Zitierkartell”), womit “skinnern” hierfür verwendet werden kann.

JMFischern := Über die “Erinnerungsweltmeister” Trope die deutsche Vergangenheit zur Begründung Deutschen-Handelns(tm) machen. Meist versetzt mit äußerst eleganten Godwinderivaten. Ein Castor fährt nach Kosovo, am Steuer Peter Hartz.

Sartre pullen, einen := In einem Café linksintellektuelle Arbeit verrichten; nicht[?] zu verwechseln mit: “Klasse, kreative”

Entität, die := Philosphisch für “Dingsbums”

Upgaradehölle, die := Aktualisierungsvorgänge, wenn sie länger dauern als eine Neuinstallation – inkl. Konfiguration eines dem Status Quo Ante ähnlich approximierten Zustandes – gedauert hätte. Endet meist in frustrierter Neuinstallation. Sieh auch xkcd und Pigor/Eichhorn

Lesarts-Kneifzange, die(1) := Flachzange mit Talent zu verkürzter Lesart

Studies Studies, die(2) := Wissenschaftstheorie

Bahamas Deutung := Alles nicht Aufklärungs-Linientreues ist Nazi. In anderen derartigen Fällen hätten wir als Gegenmittel die “Dialektik der Aufkärung” empfohlen; welch eine Dialektik … Vorschlag der Kulturellenpraxis: Bahamasvergleich ist der neue Nazivergleich Ist das auch schon Dialektik oder nur ein Treppenwitz?

Tiefergelegt, ökonomisch := Folgen prekärer Lohnarbeitsverhältnisse; die Kurvenlage des Lebenslaufes austesten, um stromlinienförmiger für den Neoliberalismus zu werden

Ikeawitz, der := Witz zum selber-zusammenbauen. Meist fehlen wichtige Teile


Geheimnis #1

12. April 2013

Lust am Geständnis entlockt irgendwann jedes Geheimnis, wenn nicht auch vor sich selbst bewahrt


Treffer, versenkt

4. April 2013

Zitat von maj_bootred in heiter scheitern

“Alle immer einschließen zu wollen ist auch so eine Allmachtsfantasie”


Flachzangen im Sonderangebot #2: Plagiatskleinbürger

24. Februar 2013

Ein interessantes Beispiel für die Weisheitsverbreitung des Adorniterordens ist dieser Artikel. Gut, von sich kritisch gebenden Medien wird letztlich erwartet, auch die kritische Kritik kritisch zu kritisieren – zumal wenn nicht aus der eigenen Ecke kommend – und sicherlich, es kann Spuren von Zutreffendem enthalten. So die These von Politiker*innen als Sprechautomaten oder die Tatsache, daß Plagiatsaffairen als isolierte Aufreger viel zu behandeln zu kurz greift. Doch Schavans Politik oder was sich aus dieser Affaire für die Funktion von s.g. “Bildungsabschlüssen” rekonstruieren läßt, bleiben Leerstellen des Artikels.

Faszinierend ist v.a. das Enden auf Gedankensprüngen, die eines Uniflugblatts würdig wären. Denn das Problem sind letztlich letztlich die Postmoderne und irgendwie hängt diese auch noch mit den Copyrightdebatten der Pirat*innen zusammen. Feinheiten, wie Urheberrecht und Copyright oder Intertextualität und Betrug zu differenzieren wäre ja die – hier abfällig benannte – “Fleißarbeit”, d.h., “einer Mischung aus Pingeligkeit und Ignoranz”; das ist nur was für Leute, die die Wahrheit noch nicht bei Adorno nachgelesen haben, Ausprägungen voller Ignoranz scheinen legitim.

Der Autor zieht die Qualifikation der *plag-Betreiber*innen in Frage – hätte es handfeste Hinweise gegeben, wären die Wieselformulierungen unnötig gewesen -, setzt aber selbst fehlende Originalität und fehlende Quellenangaben gleich (für alle Nichtakademiker*innen: letztere sind basales Handwerk, während erstere selten positiv in die Benotung einfließen).

Wohlgemerkt: Tu Quque an sich wäre ein Ad Hominem; aber die pathische Projektion ist ein wichtiges Konzept im psychoanalytischen Begriffsarsenal, gerade in Anitsemitismuskritik der Frankfurter Schule. Soetwas wird offenbar nicht für die Selbstanwendung genutzt.

So übernehmen wir dies und verweisen angesichts seiner Pomo-Kritiken auf Erkenntnis, daß sich die *plagbetreiber*innen offenbar den kritisierten “nicht gewachsen fühlen”.


Flachzangen im Sonderangebot #1

21. Februar 2013

“Alle Nazis, außer Teddy”

Links zum Begriff der Flachzange


Kulturellepraxis live: Herr*in der Wissenschaftstheorien

2. Februar 2013

“Ein Erklärungsprinzip, zu erklären alle Erklärungsprinzipien”


Dialektik, Digga

8. Januar 2013

“Postmoderne” läßt sich auf vielerlei weise fassen; platte Geschichtsphilosophie – die Moderne ideologisch beerben zu wollen -, Modewort – so hätte es wohl auch Focuault verstanden -, Abwertungsversuch gegen Poststrukturalismus, was mit intertextualität/zitaten/kombinierbarkeit, moderne redigieren. Wir haben es hier meist im Derrida’schen Sinne, als nicht vormoderne Kritik an der Moderne mit Mitteln dieser verwendet.

<#befindlichkeitstweet>In existenzialistischer (bei aller Kritik an den Inhalten/Antworten: Sie hatten zumindest guten Themen) Stimmung </#befindlichkeitstweet> mal das mit der Beliebigkeit: Nüchtern betrachtet entzündet sich der Konflikt meist an Verabschiedung des God-Tricks, daß keine Metaphysik das eigene Rechthaben verbürgt. Soweit, so trocken. Denn die philosophischen Überlegungen über Grenzen erfassen nicht diese kafkaeske Erfahrung, beim Versuch eine Realität abzubilden nur in einen zerbrochenen Spiegel zu schauen (oder auch beim Versuch, sich selbst zu erkennen, gleichwohl Psychoanalysefans genre darin Kaffeesatzlerei betreiben). Durch den Prozeß des Erkennens können wir keine tiefere Wahrheit hinter dem Erkennen erkennen; wie sollten wir wahrnehmen, was außerhalb der Wahrnehmung, sagen, was außerhalb der Sprache ist. Die Ent-Täsuchung ist also, daß alleine die Frage nach der wahren Realität also schon der Holzweg ist. Btw.: Wie Leute zum einen dsa “dialektischer” am Materialismus überlesen, sowie Materialismus und Realismus verwechseln ist mir schleierhaft; der Glaube, die Welt müsse den eigenen Konzepten entsprechen ist Vulgäridealismus der übelsten Sorte.

Diese Ent-Täuschung setzt die Aufklärung voraus. In einem religiösen Weltbild ist die Welt zwar auch vollständig verstehbar, aber letztlich nur durch ein höheres Wesen. Der Positivismus tritt mit dem Glauben an, die Welt vollständig im Rahmen seines Wissenschaftsverständnisses erfassen zu können.1.) Mit anderen Worten: Das moderne Erkenntnisversprechen muß in der Welt sein, um sein Scheitern überhaupt erst denk-/meinbar zu machen.

Interessant wird das freilich erst, wenn es darum geht, das “was dann” anzupacken; vielleicht der gemeinste Trick der Flachzangen, die Frage mittels zu einfacher Beantwortungsversuche (ob tatsächlich oder erfunden) abbügeln zu wollen. Beliebter Argumentationsfehler: In queeren Kreisen wurde mir auch ein Nichtfunktionieren simpler Identitätsablehnung für viele politische Kontexte als Argument gegen die queere Kernkompetenz der Identitätskrtiik verkauft.

Ein weiterer Versuch, den Bedeutungsnebel “Postmoderne” dingfest zu machen wäre also: Sich epistemisch wie politisch von der Idee der Repräsentation2.) zu verabschieden.


1.) Beispiel: Die berühmte Verkürzung des Tractatus auf seine zwei besten Catchphrases, nämlich den ersten und den letzten Satz; meist von Leuten, die die PU nicht gelesen haben.

2.) So versucht dies auch dieser Vortrag zum Thema Marxismus, inkl. Postmarxismus zu fassen. Bei allen Enttäuschungen und Polemiken, wenn auf Audioarchiv mal wieder Flachzangiges angepriesen wird, wegen Fundstücken wie diesen (geschweige denn: Den Bini Adamczak Vorträgen) lohnt sich der Ärger eben doch manchmal. Das dürfte wohl auch sowasmitnichtidentisch sein.


Kulturellepraxis Shop #2 Queerer Nagellack

30. Dezember 2012

Dank an Vassago1911

‘Unmarkierter’ Nagellack wird viel zu häufig als Produkt nur für weiblich gelesene Wesen gedacht; explizite Hinweise, daß auch “Männer”(tm) sowas nutzen könnten (true story) machen es aber nicht besser. Wir träumen von einem Warnhinweis:

“Achtung, dieser Nagellack wurde nur für 23 Geschlechter getestet”

Wem das zu quantitativ ist:

“Vorsicht, für bislang unbekannte Formen des Geschlechtsausdrucks liegen naheliegenderweise keinerlei Erfahrungswerte vor”

Ein Nagellack für sich nicht verortende wäre dagegen wohl eher ein Ladenhüter …


Kulturellepraxis live

6. Dezember 2012

Gastbeitrag von ihdl

“‘Außen’ ist das konstitutive Außen von ‘innen’”


Kulturellepraxis live

5. Dezember 2012

Gastbeitrag von Ruben Mmkay

“Nietzsche war kein Punk, Nietzsche war ein Überpunk!”