Aus der Reihe “kfermion entdeckt die Welt“
An der Ecke, gleich neben der Schule, hat ein neuer Laden aufgemacht, in welchem ein Getränk namens “Bubble Tea” verkauft wird. Mir persönlich ist es ja suspekt, wenn einem Lebensmittel ein englischer Name aufgezwungen wird, da das den Eindruck erweckt, eine deutsche Bezeichnung wäre entweder treffend oder verharmlosend. Blasentee ist es jedenfalls offenbar nicht, wird er doch vorzugsweise von Teenagern mit Zahnspangen und unvorteilhaft dosiertem Makeup im Gesicht getrunken anstatt von braungekleideten Senioren in den Achtzigern. Aber was ist es dann?
Ich entscheide meine Wissenslücke zu schließen, und gehe mir einen Bubble Tea kaufen; Geschmacksrichtung Waldmeister, “Topping” Mango Boba; Größe Large. Ich bekomme 700 ml grüner Flüssigkeit in einem zugeschweißten Plastikbecher, mit orangefarbenen Kügelchen (Durchmesser ca 8 mm) im unteren Fünftel (also strenngenommen “Bottoming”) und Eiswürfeln darin. Der Spaß kostet 4,10 Euro. “Treuekarte?” fragt der Verkäufer und reicht mit eine Karte mit zehn Stempefeldern, das erste ist ausgefüllt. “Nein, danke.” – “Ach, nicht aus dieser Stadt.” Äh … genau. Er deutet mir noch an, dass ich den Strohhalm, den ich mir nehmen soll, kräftig in die obere Folie des Bechers stoßen muss.
Auf der Folie ist eine niedliche Figur abgebildet, die ich als Manga-Figur bezeichnen würde, wenn die umgebenden Schriftzeichen nicht chinesisch wären. Ich ramme den Strohhalm, Durchmesser 11,5 mm, durch das Herz der Figur direkt in das grüne Gesöff. Es ist einfach kalte Waldmeisterbrause ohne Kohlensäure, möglicherweise tatsächlich mit einem kleinen Anteil an grünem Tee. Obwohl ich das distale Strohhalmende günstig positioniere, verirrt sich nur von Zeit zu Zeit eine “Mango Boba” in meinen Mund. Die Bubbles sind unerwartet weich und entgleiten bei dem Versuch, sie mit den Backenzähnen zu zerbeißen. Sie müssen also an vier Seiten fixiert und zerquetscht werden, wenn pers allerdings die beiden Schneidezähne, Gaumen und Zungenspitze nimmt, besteht das Risiko, den Inhalt der Bubble durch die Lippen auszuspucken. Das ist sehr frustrierend. Die Blasen bestehen aus dünnem Sirup in einer Haut, die sich wie Plastikfolie anfühlt, aber anscheinend verdaulich ist. Während ich gegen die Bubbles kämpfe, mustern mich die Passant*en neugierig. Ich versuche, in etwa dieses Gesicht zu ziehen.
700 ml Waldmeisterflüssigkeit später sind noch immer die meisten Bubbles am Boden des Bechers; sie mit dem Strohhalm einzusaugen ist weitgehend aussichtslos. Ich reiße also die ganze obere Folie ab und schütte mir die Bubbles pur in den Rachen, als erstes kommen natürlich die verbliebenen Eiswürfel. Die Bubbles schmecken fast nach nichts.
Aber ich kann vielleicht den Strohhalm mal gut gebrauchen.
Verfasst von kfermion 