Extremisten

4. Mai 2012

Viele kennen dieses Kuriosum aus der hessischen Landesverfassung: In Art. 21, Abs.1 HV “Bei besonders schweren Verbrechen kann er zum Tode verurteilt werden.”, übrigens scheint die verfassungsgebende Versammlung darin keinen Widerspruch zu Abs.3 “Alle Gefangenen sind menschlich zu behandeln.” gesehen zu haben. Sicherlich, vollstreckt werden kann diese nicht, da das Strafgesetzbuch keine vorsieht und im Grundgesetz steht “Die Todesstrafe ist abgeschafft.” (Art.102 GG) und “Bundesrecht bricht Landesrecht.” (Art. 31 GG)

Doch erwies sich dies jetzt als Fallstrick für die hessische Landesregierung. Alle schworen auf die Landesverfassung, alle bestanden auf eine Extremismusklausel für Staatsbedienstete, worunter sie jetzt als – neben Wolfgang Schäuble mit astronomischer Anzahl an vom Verfassungsgericht kassierter Gesetzesentwürfe – als Feinde der FDgO unter ihre Ausschlußversuche von Radikalen/Extremisten fallen.


Länglicher Kommentar

25. Januar 2012

Fortsetzung zu In die Zukunft schauen

Um nicht drkulturs Artikel das 9fache an Kommtar anzuhängen, mache ich einfach mal einen Artikel daraus:

Zukunft, welche Zukunft? Kulturellepraxis live: “2012 ist gar kein Weltuntergang” – “Es sei denn, ich hätte da noch ein Wörtchen mitzureden [diabolisches Grinsen]“

Beim in-die-Zukunft-schauen immer ganz interessanter Fehler, Quantitative Hochrechnungen mit qualitativen Änderungen gleichzusetzen. Mit geradezu dekonstruktivistischem Humor äußerte sich dazu Heinz von Foerster: Statistisch berechnet erreicht die Weltbevölkerung am 13.11.2026 (natürlich ein Freitag) eine unendliche Anzahl. Wenn Low-Level Wissenschaftstheorien zuträfen, könnten ohnehin Historiker*innen Prognosen stellen (und die weigern sich, da ihr Fach aus Abgrenzung von der Geschichtsphilosophie entstand).

Die Themenauswahl dieser modernen Schamanen ist bezeichnend: Evolution (eine Fortschrittserzählung strapazierend: Die ewig-gestrigen Modernisten, die mit Evolution ihre Vorurteile im Namen der Natur bestätigen wollen – als wäre das nicht schoneinmal schiefgegangen – gegen die ewig-vorgestrigen, die selbst dafür zu blöd sind), Sex1 und Computertechnik.

Und ohne eine gewisse Cyborgaffinitiät verleugnen zu können, sich das Gehirn unmetaphorisch als einen Computer vorzustellen war vielleicht in den 50ern noch nicht peinlich. Von allen möglichen Einwänden nur kurz das poststrukturalistische Gemäkel: Die Grenzen des Computers sind die Grenzen der formalen Logik. Damit ist keine Spockige Emotionsmetaphysik gemeint, sondern daß die Sprachauffassung der Logik und die Idee der “Implementierung” auf Repräsentation angewiesen ist; das sind aber Sprach- und Realitätsauffassungen, die als veraltet gelten können (mist, wieder eine Fortschrittsnarration).

KI, Cyborgs und Körper bleiben ein wahnsinnig spannendes Thema, von daher sei geistig Naschhaften der JDGG-Vortrag von Bernd Robben empfohlen und Hoffnung auf eine Veröffentlichung von Draude & Kluß gemacht.


1 Vgl. Schnurr, Eva-Maria: Typisch Mädchen, typisch Junge; in: Stöcker, Mira (Hrsg.): Das F-Wort : Feminismus ist sexy; Königstein/Taunus 2007; S. [suchsdirselbstraus]: “‘Franzosen haben ein größeres Hirnareal für Sex. Deutsche sind genetisch bedingt besonders schnell darin, Gartenzwer­ge zu erkennen. Und bei Muslimen sorgt ein Hormon für vermehrte Aggressionsschübe – Forscher bringen das mit der erhöhten Neigung zu Terroranschlägen in Verbindung. Schwachsinn? Genau das. Doch stünde oben “Männer” statt Franzosen oder Muslime, “Frauen” statt Deutsche und “Unordnung” statt Gartenzwerge, die Zeilen könnten in jeder Zeitung auftauchen. -Kann sogar sein, dass Franzo­sen besonders charmant sind und Anschläge derzeit vor allem islamischen Tätern anzulasten sind. Niemand jedoch käme auf die Idee, dafür biologische Ursachen zu vermu­ten. Die Kultur! Die Tradition! Die soziale Situation! Die Weltpolitik! Es gibt tausend Gründe, warum Menschen so sind, wie sie sind, so handeln, wie sie handeln. Doch wenn es darum geht, Verhalten oder Eigenschaften von Männern oder Frauen zu erklären, gibt es nur noch eine Deutung: die Biologie.”


Assimilation

23. Januar 2012

Political Ambiguity, Explicit SarcasmDas Treitschke-Institut hat gemeinsam mit einem Think Tank des Trayçke Enstitüsü Diyabakır eine neue Idee entwickelt, die Assimilation der türkischen Zuwandernden in der n-ten Generation (n>>0) in das deutsche Volk1 noch effektiver zu gestalten: Zukünftig sollen Vor- und Nachnamen nur noch in eingedeutschter Form verwendet werden.2 Einige Prominente haben schon angedeutet, mit gutem Beispiel voranzugehen:

  • Glückliche Eigenprovinz [früher: Mesut Özil]
  • Herrscher Eisenkern [früher: Cem Özdemir]
  • Rosenherz (Dunkelwirt) Feld [früher: Gülcan (Karahancı) Kamps]
  • Süße (Ruhmseh) Oger [früher: Nazan (Üngör) Eckes]
  • Starke Gazelle [früher: Bülent Ceylan]
  • der Fels ist brennbar [früher: Kaya Yanar]
  • Tulpe Weißsonne [früher: Lale Akgün]
  • Eroberer Invasion [früher: Fatih Akın]
  • Fließend aus Kekil [früher: Sibel Kekilli]
  • der Frühling ist rot [früher: Bahar Kızıl]

Auch einige Türken mit wirtschaftlichen, politischen oder kulturellen Verbindungen nach Deutschland haben schon angedeutet, dem Beispiel zu folgen:

  • Stadtrichter Baumwoll [früher: Orhan Pamuk]
  • Gottknecht Rose [früher: Abdullah Gül]
  • Respekt Fohlenyip Frühfalke [früher: Recep Tayyip Erdoğan]
  • Auserwähltes Boot [früher: Mustafa Sandal]
  • Wesir [früher: Tarkan]

Im Gegenzug versprachen mehrere deutsche Spitzenpolitiker*innen, sich zum Staatsbesuch in der Türkei auch mit der türkischen Entsprechung ihres Namens ansprechen lassen zu wollen:

  • Melek Farkel [früher: Angela Merkel]
  • Ormanherif Batıdalga [früher: Guido Westerwelle]
  • Ayıcık Leyen’li [früher: Ursula3 von der Leyen]
  • Athalil Gül [früher: Philipp Rösler]
  • Sabine Halkevleri-Şakırdamadağı [früher: Sabine Leutheusser-Schnarrenberger]
  • Zafermasal Cebrail [früher: Sigmar Gabriel]
  • Çiftçiyi Tekmele [früher: Jürgen Trittin]

1 Bekanntlich wird Integration in Milligörüsch (mGö) ausgedrückt, wobei 1 Görüsch bedeutet, dass die deutsche Nationalhymne fehlerfrei gesungen werden kann. Einige Werte sind:

  • Lothar de Maizière (1990): 500 mGö
  • Sarah Connor (2005): 724 mGö
  • kfermion: 976 mGö
  • Wolfgang Bosbach: 1000 mGö
  • Udo Voigt: 2983 mGö

2 Dies soll dazu dienen, die unter türkischstämmigen Deutschen verbreitete Armut einzudämmen.
3 “Ayıcık”= der kleine Bär / die kleine Bärin (das Türkische kennt kein grammatisches Geschlecht). Im Türkischen ist “Bär” ein Schimpfwort, da der Bär als faul und ungeschickt gilt.


Hä!?

15. Januar 2012

An der linken Wand des Saals hängt ein überdimensionales Foto Mumia Abu-Jamals, an der rechten Wand ein Transparent mit der Aufschrift “Klasse gegen Klasse”, über der Bühne ein Transparent mit einem Comic-Mann (hält eine rote Fahne mit Hammer und Sichel) und einer Comic-Frau (hält eine rote Fahne mit Stern), die sich küssen, darunter fünf Podiumsdiskutanten, davor ein Publikum, dass jede Parole “Kapitalismus abschaffen” und jede Repressionshypothese mit frenetischen Applaus abfeiert, und ich sitze dazwischen.

Ist das ein Alptraum? Nein, ich befinde mich auf der Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz, für die ich vor dem Gebäude eine Freikarte bekommen hatte.

(Ich fühle mich so schmutzig und muss jetzt erstmal duschen, duschen, duschen, duschen, duschen, duschen…)


Postprivacy #5.3

22. Oktober 2011

Ergänzung zu Postprivacy 5

Zur Frage 2.2.2 (“Ändert mehr oder weniger Privatsphäre etwas daran”): Das ist in etwa so ambivalent wie Autentizität; einerseits bedeutet die Abwesenheit von Privatsphäre, daß mehr/alles an Stelle einer öffentlichen Fassade tritt, bei welcher i.d.R. die unmarkierte Norm bis zum Beweis des Gegenteils unterstellt wird; also eine Leerstelle nach dem principle of charity mit “alles OK” gefüllt wird. Damit wird also das gesamte Leben, nicht nur halbwegs klar abgesteckte Bereiche (“Lebenslauf”, “Kleidung”, “Schufa”) der Verwertungslogik unterworfen.

Aber wenn es keine Privatsphäre mehr gibt, kann nahezu niemand eine perfekte Fassade aufrecht erhalten. Optimist*Innen würden hoffen, daß dadurch Vorstellungen von Normalität ins Rutschen geraten. Nunja, zu erwarten wäre zunächst eine Exklusion durch Inklusion (vgl. etwa Homonationalismus [#auf Puar verweisen]), der Bereich des “Normalen” wird einfach ausgeweitet, doch wer dann immernoch außen ist, bekommt noch größere Probleme. Es hilft nur einigen, häufige “Abweichungen” in den Bereich des Legitimen zu holen. Der Grundfehler liegt in der statistischen Denkweise, die Idee einer gesetzten Norm(alität) durch jene einer Normalverteilung – und damit dem Anschein des “Empirischen” – zu ersetzen.[#auf Link verweisen]


Personenkult

25. August 2011

Political Ambiguity, Explicit SarcasmIslamkritiker weihen Be(h)ringstraße ein …


Schulvergleich

18. August 2011

Manchmal kann ein argumentum ad hominem doch Orientierung bieten, so wenn d* argumentierende an Borderline oder Neoliberalismus leidet. Die “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft”, bei der Qualitätsjournalismus den Zusatz “wirtschaftsnahe” anhängt, gewissermaßen als Kritik-Ersatzhandlung (siehe [1], [2], [3]), veröffentlicht ein Ranking der Schulsysteme unterschiedlicher Bundesländer. Ein Lob von denen für Fortschritte im Bildungssystem kann als sicherer Indikator, wiesehr dieses vor die Hunde geht betrachtet werden.

Ohnehin deren Verlautbarungen lediglich mit einer Kneifenzange von Anführungsstrichen anfassend, ist nicht anzunehmen, daß neohumanistische Bildungsideale eines Wilhelm von Humboldt (es muß ja nichts Linksradikales sein, schon das bürgerliche Repetoir hat Besseres als den Nürnberger Trichter zu bieten) starke Berücksichtigung finden, selbst wenn soetwas überhaupt messbar wäre. Aber im Statistikzeitalter existiert ohnehin nur, was für die Erhebung operationalisierbar ist. Für die Kritik der Erhebungsmethoden müßte mehr ins Detail gegangen werden als hier unbezahlt zu leisten ist, deshalb nur als methodische Skizze: Zunächst die interne Kritik, wurde methodisch korrekt vorgegangen oder läßt sich schon auf der handwerklichen Ebene Manipulation feststellen; dann die Kategorialkritik, selbst wenn die quantitative Methode “neutral” wäre, ihre notwendigen qualitativen Grundannahmen sind es nicht. Dann die Suche nach dem “Außen”, was ist mit der vorgenommenen Methodik systematisch nicht erfaßbar. Zuguterletzt müßten wir schauen, inwiefern passen die Ergebnisse “zufällig” sehr gut ins Konzept der Erhebenden.

Es fällt z.B. auf, die höchstplatzierten gelten v.a. in naturwissenschaftlichen Fächern als erfolgreich. Auch wenn einige mir jetzt dumpfes Ressentiment vorwerfen könnten und auch unbestritten ist, daß diverse Arten Geisteswissenschaften zu unterrichten (in diesem dualen Gegensatz kommen sozial- und Kulturwissenschaften btw. unter die Räder des “Geistes”) den Mythos der “Laberfächer” mitbegründet haben; Naturwissenschaften werden i.d.R. anders gelehrt und schaffen – zumal auf Schulniveau – eine andere Form von Kompetenz.

D.h., ich werde nicht müde, das doppelte Mißverständnis des Neopositivsmus zu beklagen: “Wissenschaftlichkeit” einseitig mit “Naturwissenschaft” gleichzusetzen und “Naturwissenschaft” mit dem neopositvistischen Konzept davon zu verwechseln. Tückisch ist in diesem Fall, daß dieses Mißverständnis eine unheilige Verbindung mit anderen Diskursiven Formationen eingeht, nämlich gewissen Erziehungsvorstellungen (nur am Rande: In Großbritanien finden frustrierte Jugendliche keine effektiveren Protestformen als Riots und die Konservativen reagieren mit der Forderung nach Strenge und harten Strafen) und v.a. der Idee, Bildung als Ausbildung zu verstehen, damit einer wirtschaftlich gedachten Nützlichkeit zu unterwerfen. Diese gibt sich wiederum als rational, u.a. indem sie quantifizierende Methoden nutzt, welche zwangsläufig Vergleichbarkeit voraussetzen – kein Zufall, die ultimative Gleichsetzungtechnik ist das Geld. D.h. auch, es handelt sich nicht um reine Ideologie im Sinne von “falsches Bewußtsein, welches das richtige überdeckt”, aber auch nicht um rein instrumentell gewählte Positionen. Wenn wir so das zusammen- und gegeneinanderspiel der Rationalitäten beobachten, scheint eine Philosophie, die sich naiv an das metaphysische Konzept des “Wahrheitswertes von Propositionen” klammert genauso fatal wie solche, die endgültige/abgeschlossene Antworten auf die Frage nach einer kommenden Gesellschaft haben.

Daß ein “wirtschaftsnahes Institut” Interesse daran hat, Personen v.a. zu gut funktionierenden – die Maschinenmetapher ist nicht zufällig – Arbeitsnehmern zu erziehen verwundert nicht; nur, daß diese Rationalität andere mögliche so erfolgreich  zu überdecken vermag – an dieser Stelle müßte wahrscheinlich das Konzept der “Hegemonie” in die Unersuchung eingeführt werden. Wir können nur frustriert feststellen, die Bildungskatastrophe ist keine kommende …


Weitere Ideen zu Kopftuch/Burka/Niqab

29. Juni 2011

Political Ambiguity, Explicit Sarcasm Der Postillon legt vor [1], [2], [3], doch der Think-Tank des Treitschke-Instituts setzt mit Integrationsideen nach. Denn womit ließe sich besser integrieren als Konsum? Wenn selbst Kapitalisten-/Imperialisten-Hasser (und Latino) Ernesto systemkonform vermarktet werden kann, wieso nicht Kopftuch/Burka/Niqab durch neue Produktideen:
1.) Tarn-Burka: ein erster Schritt wäre Camouflage, mit entsprechender Technologie gar eine Tarnburka
2.) Burka für weibliche (nach welcher Definition auch immer) Häuser
3.) Werbeburka – Sponsoring für potentiell 3,5 Milliarden Muslima (oder solche, die es werden wollen)
4.) Freestyle-Burka (z. B. Tiere, lustige weiße Zwerge (nein, mal nicht die))
5.) Gruppenburka für einen ganzen Harem (gar beliebigen Geschlechts)
6.) die Verwendung des Burka-”Emoticons” (0_| als Label (Darf sogar von Musliminnen im Chat mit Männern verwendet werden, da er keine Emotion ausdrückt!)
7.) Burka für Hefte und Hefter
8.) Ganzkörperverschleierung passend besonders für alle, die nicht unter die Definition “weiblich” fallen
9.) auch im Westen schon weit verbreitet: Hijab für Hühnerfedern
10.) nicht toleriert wird dagegen offenbar die Verschleierung von Kokain
Und wenn das alles nicht hilft, verlassen wir uns auf die bekannte Burka des Kapitalismus.


TEM

11. Mai 2011

Political Ambiguity, Explicit SarcasmPraktisch unbemerkt für die breite Öffentlichkeit hat sich in den letzten paar Jahren eine Bewegung nationalkonservativer Kreise gegen die zunehmende Verbreitung der Traditionellen Chinesischen Medizin gebildet: Die Anhänger*Innen der sogenannten “Traditionellen Europäischen Medizin” (TEM) fordern eine Rückbesinnung auf – wie sie sagen – ursprüngliches medizinisches Wissen des Kontinents. Zur Veranschaulichung einige Beispiele:

- Das bei allen Krankheiten und über Jahrhunderte bewährte Mittel des Aderlasses soll die Akupunktur wieder zurückdrängen.
- Psychische Krankheiten sowie wissenschaftlichen Selbständigkeit und Rothaarigkeit sollen nur noch durch die sogenannte “Flammentherapie” und Exorzismus geheilt werden.
- Statt Qi-Gong sind die Prinzipien der Bing-N zu befolgen. Im Allgemeinen sind schmerzende Körperteile zu amputieren.
- Gebäude sollen statt nach Feng Shui lieber nach Osten ausgerichtet werden.
- Ayurveda wird durch Aristoteles ersetzt.
- Um der Schwächung des Immunsystems aufgrund mangelnder Belastung entgegenzuwirken, soll die Benutzung von Unterwäsche verboten werden.
- Die Vier-Säfte-Lehre muss wieder im Schulunterricht gelehrt werden.

Aber auch andere (ost)asiatische Einflüsse sollen den TEM-Befürworter*Innen zufolge wieder durch “heimische” Elemente ersetzt werden:

- Statt Sudoku sollen die Schwedenrätsel wieder populär gemacht werden.
- Porzellan soll wieder durch die guten alten Zinnteller ersetzt werden.
- Sämtliche Waffen auf Schießpulverbasis werden durch Lanzen, Keulen oder Pfeil und Bogen ersetzt.
- Auf Fernrohre muss verzichtet werden, stattdessen sollten Astronom*Innen wieder mehr Steinkreise bauen.
- Die Römischen Zahlen werden wieder eingeführt; das leidige Stellenwertsystem mit der sinnlosen Null ist dann überflüssig.
- Buchdruck mit beweglichen Lettern ist im Computerzeitalter sowieso nicht mehr verbreitet. Und was Papier betrifft — es muss ja nicht alles ausgedruckt werden.
- Da es ja GPS gibt, kann auch der Kompass wieder abgeschafft werden.
- Seide wird auch völlig überbewertet; Kleidung aus Schafwolle ist sowieso viel gesündäääähr.
- Statt Sushi gibt es Sauren Hering.
- Statt mit Knoblauch lieber mit Holzpflöcken Vampire bekämpfen. (echtes tomanisches Holz aus tomanischen Wäldern)
- Auch Nudeln können in den meisten Speisen getrost ersetzt werden durch Reis – ach nee, Kartoffeln – auch nicht – hm …
P. S.: Ich dachte bis vor einer Minute selbst, das wäre nur Satire … oh Sch***, bloß nicht “TEM” googeln …


Nachruf

4. April 2011

Westerwelle ist zurückgetreten, ein Burschenschaftler weniger, gleichwohl (noch?) nicht aus dem Bundestag. Wie schon bei Guttenberg hinterläßt ein erfreulicher Rücktritt – schade, daß sowas so selten permanent ist – bei Satiriker*Innen schalen Beigeschmack. Gleichwohl zuviele Parodien in Klamauk oder gar Homophobie abdrifteten (Gegenbeispiel), demonstrierte niemand so schön wie Westerwelle, was in diesem Land schief läuft – als inkompetent und arrogant eingeschätzt, Privilegierung in Person und dies mit “Freiheit” begründend, während für schlechtergestellte das “Leistungsprinzip” strapaziert wurde. Dabei mischten sich noch nationalistisch-konservative Töne (in der damaligen Bundestagsdebatte formulierte er “proud to be german” gar noch in der englischen Sprache ähnlichen Lauten) in den neoliberalen Brei. Bei allen innerlinken Kontroversen also ein perfektes Feindbild.


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