Towel Day

25. Mai 2012

Mit Odradek

Die Kulturelle Praxis sieht die Zeit für einen Paradigmawechsel kommen: Die Boot Studies mögen interessante Erkenntnisse geliefert haben, sind aber in ihrer Ausrichtung und Perspektive zu einseitig. Die reduktionistische Fokussierung auf Stiefel – oder bei manchen Autor*Innen: Die an Hegel angelegte Dialektik zwischen Schirmherr und Stiefelknecht – hinkt gewaltig, die Argumentation gerät ins stoplern. Nun streben einige nur eine geringfügige Ausweitung und mithin nur scheinbar paradigmatische Verschiebung auf das Schuhwerk an, das ist in ihren Grundzügen bereits deterministisch.

Die Kulturellepraxis versucht systematisch weiterzudenken. Dafür müssen wir tiefer als nur das Schuhwerk denken: Die Socken. Doch wäre dies ein komplett ahistorisches Konzept. Bis in den zweiten Weltkrieg verwendete Vorläufer der Socken waren um die Füße geschlungene Tücher. Damit die Sache aber Hand und Fuß hat (und eben in trockenen Tüchern ist), braucht die Forschung zusätzlich: Handtücher!

Diese Erkenntnis hatten bereits vor uns fernwestliche Weisheitsleeren, sie wiesen darauf hin, daß das Leben ein unsichtbares Handtuch ist, doch diese Erkenntnis ging durch einen Übersetzungsfehler verloren.

Also im Klartext: Die Critical Boot Studies benötigen dringend einen Towel-Turn. Die Kulturelle Praxis regt dabei zum Weiterdenken das Konzept ‘Handtuch’ als neuen Aufhänger an, das selbstverständlich einen Haken hat: Das Gebiet mag zunächst etwas trocken klingen. Zugegeben, ist es auch, denn das haben Handtücher so ‘an sich’1. Es ist ihre Funktion im Sinne einer Propensität2 des Trocknens.

Gehen wir also ins Detail:

Schon in der Antike sprach der griechische Philosoph Pluton in seinem Handtuchgleichnis von einem Idealhandtuch. Einer Urform in der Vorstellung, auf die sich alle sinnliche Wahrnehmungen beziehen und der alle Erscheinungen nachgeordnet sind.

Auch zählten in der Antike – neben Ringen, Boxen, Speerweitwurf, Diskuswerfen, Wettlauf, Mikado, Schnickschnackschnuck und “Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann”3Handtuchkämpfe zu den neun olympischen Grunddisziplinen. Wie viele Sportarten hat auch diese praktischen Nutzen in der Kriegskunst.

Dies bot Norbert Elias Anlass, im Handtuch ein maßgebliches Mittel der Zivilisierung zu erkennen: Es behielt bis in die heutige Zeit hinein die zivilisatorische Funktion der Bestrafung, Selbstkasteiung und Disziplinierung (Handtuchkampf diente nach Elias als sublimierte Funktion der Gewalt). Bisher übersehen und erst durch den Towel Turn aufgedeckt, sehen wir hier eine indirekte Bezugnahme und Kritik an Marx’ historischer These von den Stiefeln.

Kritik an Elias übte Michel Foucault: Ihm zufolge diente bis in die Disziplinargesellschaften des 18. Jahrhunderts das Handtuch zunächst noch als Instrument der Strafe, wurde aber mehr und mehr durch die neue biopolitische Handtuchpraxis der ‘Hygiene’ verdrängt, die Foucault mit dem Aufkommen der ‘Bevölkerung’ im 18. Jahrhundert in Verbindung bringt.

Einige Vertreter*Innen der Towelpsychologie gingen in der Belle Epoche davon aus, dass das Handtuch zu den Grundbedürfnissen des Menschen gehöre. Wie Alvin Cotton in seinen bekannt gewordenen Feldforschungen in der Sauna feststellte, ist das Handtuch das einzige, was Menschen dort mit hinein nehmen. Er schlussfolgerte, dass eine universelle tiefe melancholische Verhaftung mit diesem Objekt bestehe. Eine Annahme jedoch, die sich mit der Unhaltbarkeit des Konzepts ‘Mensch’ erledigte: “The Cyborg is a creature in a post-towel world.” (Dronna Hairdryway)

Der Philosoph Toweldor Double-U Ahdochnö sprach schon in seinen Arbeiten zur Kultur der Nachkriegszeit von der verschleiernden Wirkung des Handtuchs.

„Die Ersatzbefriedigung, die die Handtuchindustrie den Menschen bereitet, indem sie das Wohlgefühl erweckt, die Welt sei in eben der Ordnung, die sie ihnen suggerieren will, betrügt sie um das Glück, das sie ihnen vorschwindelt. Der Gesamteffekt der Handtuchindustrie ist der einer Anti-Aufklärung; in ihr wird Aufklärung, nämlich die fortschreitende technische Naturbeherrschung, zum Massenbetrug, zum Mittel der Fesselung des Bewußtseins. Sie verhindert die Bildung autonomer, selbstständiger, bewußt urteilender und sich entscheidender Individuen. Die aber wären die Voraussetzung einer demokratischen Gesellschaft, die nur in Mündigen sich erhalten und entfalten kann.“ (Ahdochnö, Toweldor Double-U: Resümé über die Handtuchindustrie. Frankfurt/Oder: Sauerkamp, 1966, S.17)”

Die Handtuchindustrie war wesentlicher Faktor der damals einsetzenden Konsumgesellschaft, die in erster Linie auf die Gestaltung von Freizeit (Hobbies/Aktivitäten/Unterhaltung) des/der Einzelnen abzielte. Beispielhaft sei an den beginnenden Massentourismus erinnert, der nur durch das Bestehen der Handtuchindustrie ermöglicht wurde, die nun begann massenhaft Badetücher für Strandurlauber*Innen herzustellen und ein Gefühl der Pseudoindividualität (“Da wo mein Handtuch liegt, das ist meine Liege!”) zu vermitteln.

Das Handtuch ist also nur ein Produkt der Ideologie: Während das bloße Abtropfenlassen des Geschirrs nach dem Abwasch den Individuen eine größere Autonomie ermöglicht, hat das Abtrocknen als Arbeit deutlich entfremdende Wirkung. Dabei muss ein bereits lange bestehendes Missverständnis aus der Welt geräumt werden: ‘Das Handtuch werfen’ ist ein emanzipatorischer Akt und kein Signal des Aufgebens. Ferner wird in der von der Handtuchindustrie dominierten Welt das Handtuch zum Fetisch schlechthin, auf Grund dessen verschwinden weltweit tagtäglich Handtücher aus Hotels.

Der Fetischcharakter zeigt sich in filmischer Nutzung dieses Gegenstands. Die erotische Aufforderung zum Applizieren eines Handtuchs (“Dry me”), bei gleichzeitigem Reichen dieses kommt sowohl in Blade Runner, als auch Strange Days vor. In beiden Fällen symbolisiert das Handtuch ein Zeichen des Begehrens und zeigt uns somit die Mittelbarkeit allen Begehrens über Zeichen auf;4 da das Begehrte aber immer ein Zeichen ist, haftet jeder Erfüllung, jeden Erlangen des Zeichens etwas unechtes, enttäuschendes an. Beide Szenen spiegeln das, indem sie Situationen der Täuschung sind: In Blade Runner nutzt die Replikatin Zhora durch diese Aufforderung verursachte Verunsicherung der Hauptfigur Deckard, um diesen anzugreifen und zu fliehen. In Strange Days stellt sich die erotische Szene als Erinnerungsaufzeichnung heraus, welche Hauptfigur Lenny Nero der verflossenen Beziehung nachtrauernd konsumiert.

Zurecht wurde die obigen recht einseitigen Sichten auf das Handtuch jüngst einer Kritik unterzogen. Insbesondere wurde an die möglichen nicht-hegemonialen Nutzungspraktiken von Handtüchern (jenseits handtuchindustrieller Normen) erinnert. In Form einer bricolage lässt sich das Handtuch eben auch einfach als lustige Kopfbedeckung benutzen. Wem das noch nicht widerständig genug erscheint, der/die denke an die Möglichkeit, dass sich mit Hilfe von Handtüchern  Molotwococktails bauen lassen.5 (Hier wird die widerständige Bedeutung der Metapher ‘Handtuch werfen’ natürlich um ein weiteres bestätigt)

In jüngerer Zeit bahnt sich eine Neoliberalisierung durch die Haushaltsrolle an, die das Handtuch zu verdrängen droht und damit massiv die Arbeitswelt verändert. Arbeiten wie Putzen, Aufräumen und Abwaschen werden so mehr und mehr zu Angelegenheiten von schnelllebigen Projekten. Nach Erledigung der Arbeit wird das Papier sofort entsorgt. Eine Parallele zur biopolitischen Verbreitung (keimfreier) Papiertaschentücher, die das Stofftaschentuch verdrängen.


1 Oder für die Hegelianer unter uns: ‘für sich’ oder für die Foucaultianer unter uns: ‘Trockenheit wird zu jeweiligen Zeiten immer wieder hergestellt’, also auch nochmal für die Butlerianer unter uns: ‘Trockenheit wird performt’

2 Bigelow, J.; Pargetter, R.: Functions; in: Journal of Philosophy 84 ( 1987); S. 181-197.

3 Unklar und umstritten ist, ob es diese Disziplin zeitgenössich nicht eher “Wer hat Angst vorm Römer” genannt wurde, und es sich hier um einen Übersetzungfehler handelt.

4 vgl. Kapitel II: Butler; Judith 1997: Körper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts. Frankfurt/M: Suhkamp.

5 Die Tatsache, dass der Molotowcocktail entscheidend durch den finnischen Winterkrieg 39/40 geprägt wurde, regt zum re-reading von Alwin Cottons Thesen an, da Finnland ja auch das Land der Sauna ist. (Wird hier also die melancholische Verhaftung mit Handtüchern in Aggression sublimiert, wie Elias sagte?)


Featurelist für RL

21. Mai 2012

Was wir uns für das nächste Upgrade für RL wünschen

  • Es sollte unbedingt Ressourcenschonender sein
  • Die Downtime ist optimierbar
  • Dringend benötigt wird ein Löser wie bei KPatience, der anzeigt “Dieses Spiel kann (noch) gewonnen werden.” oder “Dieses Spiel kann nicht mehr gewonnen werden.”
  • Dieses Feature ist letztlich nur angenehm in Kombination mit dem längst überfälligen Undo-Button
  • Das Balancing wird komplett überarbeitet
  • Auch die Spieldauer gilt als optimierbar
  • Die alten unautorisierten und größtenteils fehlerhaften Komplettlösungen werden eingezogen; ob sie durch eine neue ersetzt werden steht noch nicht fest, denn diese beeinträchtigten allgemein den Spielspaß nachhaltig

Avantgarde

14. Mai 2012

Folkoristische Zecken (wtf?!?) in Hafenstädten nutzen bisweilen “backbord” als synonym für “links”; das scheint schon deshalb so originell, da die Signalleuchten für Backbord rot sind. Es ist nicht überliefert, ob Anarchist*innen Schwarzlicht nutzen und ob sie damit die Bürokratie internationalen Seerechts destablisieren oder Schiffbruch erleiden.

Doch bildungsbürgerlich Segelerfahrene wissen, “backbord” heißt “in Fahrtrichtung links”. Wer also ganz vorne stehend auf die Bewegung blickt, d* wird “backbord” jetzt rechts vorkommen. Nach Steuerbord schauend stellten wir fest, wer grün für links hält, hat den Fortschritt nicht im Blick.

Zynische Farbenlehren, daß Bananen erst grün, später gelb, letztlich schwarz werden oder Blut auch sehr schnell von rot zu braun trocknet, seien hingegen als Biologismus zurückgewiesen.


Uni-Hamburg

11. Mai 2012

“Kompetent” geführter  (ca. 50% der Rechner und Drucker funktionieren meist) Computerraum eines geisteswissenschaftlichen Fachbereichs. Ein offiziell wirkender Aushang der Admins an der Tür mit der Fußzeile

“Nutzung des PC Pools.doc Seite 1 von 1″


Menschen…

21. April 2012

…haben keine Ahnung?

…sind unzulänglich?

BOOM:

“Der Marxismus ist ein Humanismus gewesen; so auch der Existentialismus und der Personalismus; es gab
eine Zeit, in der man die humanistischen Werte unterstützte, die der Nationalsozialismus verkörperte und in der die Stalinisten von sich selbst sagten, sie seien Humanisten.” (Foucault, Michel: Was ist Aufklärung? S.47 in : Ethos der Moderne. Hrg: Erdmann, Eva; Frankfurt/M: Campus-Verl..)

Also nochmal: Menschen haben keine Ahnung.


Kulturellepraxis live

20. April 2012

Kleine Ergänzung:

Vielleicht können wir von der antiken Philosophie lernen, die (zumindest anekdotisch überliefert *hüstel*) scheinbar etwas konsequenter philosophische Debatten zu lösen versuchte.

- Hippasos wurde für die Formulierung der irationalen Zahlen von Pythagoras aus dem Weg geräumt.

- Sokrates (ja, der hervoragende Fußballer! Oops, gemeint ist hier) wurde auf Grund seiner ethischen Haltung vergiftet.

- Archimedes soll nach der Eroberung von Syrakus dem römischen Soldaten, der ihn festnehmen sollte und ihn gerade beim Zeichnen geometrischer Figuren im Sand störte, zugerufen haben: Noli turbare circulos meos (Störe meine Kreise nicht!), worauf dieser Archimedes erschlug. (Wir erkennen hier übrigens die Urszene aller (Schulhof-)Rivalitäten zwischen Nerds und Bullies.)


Marktwirtschaft

18. April 2012

Hamburg (kp) - Mittlerweile heißen Ortsämter in Hamburg “Kundenzentren”. Auch werden ALG-2 Empfänger*innen “Kunden” genannt.

Von daher überrascht es nicht, daß am heutigen Tag eine großangelegte Kartellklage gegen die Bundesrepublik Deutschland und das Bundesland Hamburg einging. Die unanfechtbare Monopolstellung – im Falle des Gewaltmonopols sogar unter Waffeneinsatz durchgesetzt – spottet allen vorherigeren Verfahren dieser Art. Aber auch das unverschämteste Product-Bundeling unterschiedlichster Dienstleistung rief die Kartellwächter*innen auf den Plan.

Ein Regierungssprecher “wir planen, wie bereits praktiziert und auf die Sparte Sicherheitsdienstleistungen zu konzentrieren. Eine wir sind zuversichtlich, im Zuge des Prozesses auc hdie überfällige Deregulierung der Einsatzgebiete erreichen zu können. An Ausbildung und Ausrüstung können z.Zt. wenige mit unserem hochwertigen Angebot konkurrieren. Aus dem Bereich des Sozialen hingegen werden wir uns – wie bereits vorbereitet – komplett zurückziehen, wir sind aber zuversichtlich, der freie Markt wird es schon richten.”


Warenförmigkeit

6. April 2012

Das Treitschke-Institut für geisteswissenschaftliche Nutzenoptimierung stellt sich auf die Seite von 51 Tatort-Autor*n. Geradezu aufopferungsvoll riskieren sie gar die Blamage – es erfordert Mut, sich an einer derartigen Dabatte zu beteiligen, ohne Basics, wie den Unterschied zwischen Urheberrecht und Copyright zu kennen. Sie repräsentieren darüberhinaus ein Vorbild an Solidarität, sorgen sie sich doch sosehr um Kreative, die von der Rechteverwertung ihrer Arbeit leben, während sie selbst lediglich *ismen auf Rundfunkgebühren Unspannendes reproduzieren. Verdienstvoll repräsentieren sie wichtige Grundsätze des Instituts, wenn sie darauf hinweisen, daß wir uns von ein paar Lebenslügen verabschieden müssen: Die Umsonstmentalität muß endlich aufhören!

Viele Bürger [wie so häufig von Tatortautor*innen sind Bürgerinnen höchstwahrscheinlich auch ein wenig mitgemeint, aber nur, falls diese weiß, mittelschicht, ableoid, deutsche staatsbürger*innen sind und auch sonst hinreichend unmarkierte kategorien bewohnen; Anm.d.Red.] konsumieren private Radio- und Fernsehprogramme teilweise sogar Freie Radios (alleine das gehört verboten!), ohne dafür zahlen zu wollen. Den meisten fehlt dabei fehlt komplett das Unrechtsbewußtsein. Einige glauben gar, mit ihren Rundfunkgebühren, von denen weder private noch freie Sender etwas bekommen ein Angebot diesen Ausmaßes abzugelten. Manche besitzen gar die Unverschämtheit, sich nicht die Werbung anzusehen. Wo soll das hinführen? Wir wissen doch: Ohne freien Markt kommen höchstens solche Sachen wie Tatort-Drehbücher heraus. Und Wirtschaft ist Verwaltung des Mangels; weshalb Kopierbares mit allen Mitteln verknappt werden muß, um Vielfalt zu schaffen. Das hat auch in der Vergangenheit funktioniert. Es ist nuneinmal ein Naturgesetz, daß nur die Produktionsweise funktioniert, welche alles – Subjekte ohnehin – als Waren in diesem engeren Sinne behandelt und pro Stück im “gleichen” Tausch verstoffwechselt. Anonsten wird es bald keine Waren mehr geben. Alles Andere ist Demagogie einer Umsonstkultur, “frei” und “kostenfrei” zu verwechseln. Um nicht zu sagen: Kommunismus! [schön wär's! Anm.d.Red.]

Darum fordern wir in einem ersten Schritt postprivacy-angemessen Fernsehapparate mit Kamera auszuliefern – in anderen Bereichen nehmen schließlich auch Einschränkungen der Privatsphäre zur Strafverfolgung hin -, nur diese Vorgehensweise ist fair, denn so läßt sich genau kontrollieren, was auch wirklich gesehen wurde. Dies erleichtert nicht nur die Marktforschung, auch können Zuschauer[*innen; Anm.d.Red.] davon profitieren. Der Livestream kann kostenpflichtig empfangen werden, sodaß die Sicherheitsbehörden sich endlich am Rundfunk beteiligen. Auch bietet dies einen positiven Anreiz, auf das eigene Äußere zu achten, attraktive Menschen könnten beim Fernsehen gar Gewinne erzielen.


Kulturellepraxis live

3. April 2012

Political Ambiguity, Explicit Sarcasm“Heutzutage werden keine Arbeiter*innen mehr befreit, sondern nichtmenschliche Tiere, die setzen dem weniger Widerstand entgegen”


Hamburger Verkehrsunsinn

2. April 2012

Gastkommentar von Wolf zu Doch sinnvoll

Hm, das mit LA war mir bekannt, das Känguru kannte ich allerdings noch nicht :-)

Wir wollen ja lieber das “modernste Bussystem Europas” (Scholz, [1]) haben und viele Millionen in Busbeschleunigung investieren – wer’s glaubt…. Andere Städte haben oder bauen Bahnen. So hat man in Bonn gerade festgestellt, dass die in den 70ern gebauten Bahnen noch so gut in Schuss sind, dass man sie einfach komplett modernisieren kann [2]. Wie lange hält noch gleich ein Bus im Betrieb durch? Und was verbraucht er? (Normalbus: etwa 50 L/100km) Wenn aber Busbeschleunigung tatsächlich käme: Vielleicht sollte Scholz mal seinen Kollegen Ude fragen, wie man das macht [3] und dabei sogar noch an Betriebskosten einspart. Stattdessen wird man demnächst bestimmt auch noch das Einstiegsverlangsamungsprogramm auf die Linien 4, 5 und 6 übertragen…

Tja, hatte mich mal auf eine Straßenbahn-Informationsveranstaltung begeben, mit Herrn Elste und ein paar Lokalpolitikern. Das, was da abging, passt auf keine Kuhhaut! Herr Wagner behauptet da Dinge wie, dass es gefährlich wäre, die Straße zu Überqueren, wenn alle 5 Minuten eine Bahn kommt etc, außerdem wären alle Geschäfte in Winterhude nicht mehr erreichbar etc… Dann waren da ständig irgendwelche Leute, die irgendwelchen Unfug reingeschrieen haben (leicht alkoholisierte Befürworter, deren lallende Argumente man so natürlich nicht nachvollziehen /wollte/ und nüchterne Gegner, die abgestritten haben, dass es in Hamburg volle Busse gibt und behautet haben, dass Busse schneller seien als Bahnen) -> habe echt bewundert, wie man da auf dem Podium ruhig bleiben kann.

Zuletzt noch zwei Links:
a) Warum ist der HVV so teuer? Es wird immer gesagt, das liege an der Größe Hamburgs und man könne nicht mit kleineren deutschen Städten vergleichen. Ziehen wir also mal Wien heran: http://derstandard.at/1317019887152/Tarifreform-Wiener-Linien-Wiener-Oeffi-Jahreskarte-fuer-365-Euro-ab-Mai-2012

b) http://www.handelsblatt.com/politik/international/estland-busse-und-bahnen-in-tallinn-kostenlos/6371532.html

Und zu allerletzt:
Gehört es eigentlich zum “modernsten Bussystem”, dass die digitalen Anzeiger der PVG sehr oft falsche Abfahrtzeiten anzeigen und dass man aktuelle Live-Abfahrzeiten/Verspätungen NICHT online sehen kann? In vielen anderen Städten ist das möglich – und ist in Verbindung mit einem Smartphone auch sehr nützlich…

Was scheibe ich eigentlich hier in dieser Praxis diesen Rant? Odradek, bitte weisen Sie mich in die Anstalt ein!

[1] http://mobil.abendblatt.de/hamburg/kommunales/article1829676/Scholz-Wir-schaffen-das-moderne-Hamburg.html?emvcc=-1
[2] http://www.swb-busundbahn.de/bus-bahn/aktuelles/einzelansicht/nachricht/das-aus-alt-mach-neu-konzept-der-stadtwerke-bonn-erfolgreiche-jungfernfahrt-des-ersten-zweite.html
[3] http://www.mvg-mobil.de/projekte/busbeschleunigung/bereits_beschleunigt.html


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