Hexentanz

1. April 2012

Irgendwie haben sich viele in (queer)feministischen Kreisen die Frage gestellt, ob eher Cyborg oder Göttin – gleichwohl diese in einem “spiral dance” verbunden sind(1) – wären. Nun stellen wir uns unter letzteren häufig “natur”verbundene (verbunden mit einer Erfindung?) Esoteriker*innen vor, die sich berufen fühlen, alte Hexentraditionen zu bewahren.

Doch das Hexendasein konnte weitaus cyborgiger als allgemein angenommen sein. Stellen wir uns etwa einen Hexensabbat in den 80ern vor, zwischen Radomen und Antennen. Es fällt auf, ein nicht unerheblicher Teil der dortigen Anlage wurde vom GRU (siehe) betrieben. Damit liegt nahe, daß die Speznas nicht wie bislang angenommen mittels Fallschirmen über Feindesland ausgesetzt werden, sondern dorthin auf Besen reiten. Taugen Speznas-Hexen schon zur feministischen Figuration?

Damit hätten wir ein Mittel zur Hexenjagd, sie tragen Ringelshirts


Religion:

31. März 2012

“Das Leben lenkt nur vom Wesentlichen ab”


Japanische Philosophie

27. Dezember 2011

Heute stellen wir die – recht unbekannte und dennoch häufig genutzte – japanische Philosophie des Mu-Sen (無線) vor.

無 (Mu) steht für die Leere, das Nichts, der Zustand, den der esoterische Geist anzustreben sucht. Ein altehrwürdiges Prinzip Zen-Buddhistischer Weisheitsle(e/h)ren.

線 (Sen) bedeutet u.a. “Richtung”. Die Philosophie des Musen steht also für die weite Offenheit eines richtungslosen Denkens. Im besten Falle sollte es wegen dieser Offenheit so kryptisch wie ein Koan sein.

In guter Tradition esoterischer Konzepte kann Erleuchtung käuflich erworben werden.


Eso mal wieder

9. Juli 2011

Disclaimer: Die verstreute Esoterikkritik auf diesem Blog soll hier nicht erschöpfend zusammengefaßt werden, Beißreflexe gegen derartige Welterklärungen werden als bekannt vorausgesetzt.

Nun wird in der Zeit beklagt, daß irrationale Lehren sich an der Uni breitzumachen versuchen. D.h. Unwissenschaftliches Buzzwordlernen mit dem sich viel Geld machen läßt, “oft wird der Hokuspokus dabei mit Steuergeldern gefördert.” Die meinen leider nicht BWL. “Besonders deutlich zu beobachten ist der Einzug des Hokuspokus in der Medizin.” – nur geht es im Medizinstudium um Auswendiglernen von Fach”wissen” zur berufsqualifizierenden Ausbildung, das hat nichts mit Wissenschaft zu tun.1

(Diese) Polemik beiseite,es verwundert nicht sonderlich. Nicht nur, daß magische Weltbilder mit dem Niedergang des Bildungssystems – mit allem Kaputtsparen und der Umstellung auf Ausbildungssystem, der Rückkehr des Nürnberger Trichters – erklärt werden könnten; wir haben es nicht mit einer kommenden, sondern geschehenen Bildungskatastrophe zu tun – pars prototo sei der Außenminister oder diverse Ex-Doktor*Innen genannt.

Doch auch die Vorwürfe gegen “die Esoterik” erweisen sich als Problematisch (vgl. feine Atheisten). Da wäre zum einen der Vorwurf “falscher Prämissen”, während die Wirksamkeit als nicht berücksichtigenswert behandelt wird (wir berichteten). Diese Denkweise ist es übrigens auch, die Interdisziplinarität so anstrengend gestaltet, statt Anregungen auszutauschen, wird über Prämissen gestritten, bis der Austausch auf Minimalkonsens des Halbbildungsniveaus endet/verreckt.

Die vielleicht umstrittensten ist die der “Wissenschaftlichkeit”. Wenn lediglich gestritten wird, wer über die “wahren Fakten” verfügt, kann eine gefährliche Symmetrie zwischen den Glaubensrichtungen behauptet werden – viele “Esoteriker” denken genauso, mit der Konsequenz ist,  sich möglichst viele “wissenschaftliche Fakten” in ihr Glaubenssystem einzuverleiben2. Dies wird auch nur mäßig durch oberflächliche Methodiken gemindert, “Experiment”3, “Mathematik” (Astrologie) lassen sich in gewissem Umfang auch in Pseudowissenschaft integrieren, der Unterschied – auch: Das Erfolgsrezept der Physik – muß woanders liegen. Dennoch scheinen aus wissenschaftlicher Sicht derartige Pseudo-Wissenschaften sympathischer als der kreationistische Weg, gleichwohl beides letztlich nur mit dem Ziel betrieben wird, einen szeneinternen “Common-Sense”4 zu affirmiere.

“Wissenschaft” sollte gerade nicht als die Summe ihrer Ergebnisse, sondern der Prozeß ihrer Erschaffung, Überprüfung/Verbreitung und Änderung gesehen werden. Simple Beispiele: Planck ohne die zugrundeliegende Mathematik verstehen zu wollen (siehe) oder von Foerster ohne Kybernetik (“radikaler Konstruktivismus”). Text ohne Kontext gibt’s nicht …

Sicherlich, viele haben “Geisteswissenschaften” in der Schule als ‘Laberfächer’ kennengelernt und nie zur Kenntnis genommen, wieviel Rechercheaufwand hinter einer geisteswissenschaftlichen Tatsachenbehauptung stehen sollte. Häufig mehr als in Experimental- und Lehrbuchwissenschaften5. Problem ist, in vielen Bereichen – u.a. deswegen, Wissenschaftstheorie wäre ja Philosophie – herrscht eine veraltete und naive Vorstellung von Wissenschaftlichkeit.

Conclusion: Wenn also von szientistischer Seite keine fundierteren Einwände als ein pauschales “unwissenschaftlich” kommen, verwundert es nicht, daß die “Esoteriker” alle Mittel ausschöpfen, sich die Position aneignen, als “Wissenschaftler*Innen” sprechen zu können. Das Schlimmste daran: Da sich Rationalitäten im Wandel befinden (RTFFF), ist ihr Erfolg leider nicht von einer überzeitlichen Wahrheit ausgeschlossen.


1 Der Vollständigkeit halber sei zum Thema Medizin hingewiesen auf: Fleck, Ludwik: Über einige besondere Merkmale des ärztlichen Denkens [1927]; in: ders.: Erfahrung und Tatsache : Gesammelte Aufsätze; hg.v. Schnelle, Thomas; Schäfer, Lothar; Frankfurt/M 1983; S. 37-45.

2 Unübertroffen bei der Diskursanalyse dessen ist Eitler.

3 Eine der scharfsinnigsten Kritiken an der statistisch-experimentellen Methodik findet sich in der Kritischen Psychologie. Da das Hauptwerk (Holzkamp, Klaus: Grundlegung der Psychologie; Frankfurt/M 1983.) kaum jemandem zuzumuten ist, seien die ersten Kapitel empfohlen von Markard, Morus: Einführung in die Kritische Psychologie; Hamburg 2009.

4 @kfermion: Nein, die Queertheory unterlag zuvielen Korrekturen und Austausch aus und mit Bewegungspolitiken und benachbarten Wissensbereichen, als daß sie in diesen Einwand aufgenommen werden könnte.

5 Zum Unterscheidung und Verhältnis von Zeitschrifwissenschaft, Handbuchwissenschaft und populärer Wissenschaft siehe Fleck, Ludwik: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache; Frankfurt/M 1980 (Ersterscheinen: Basel 1935); S. 146-164.


OM(G)

20. Juni 2011

TIL, dass die Nullpunktsenergie des Vakuums nichts anderes sei als das Nirwana. Der junge Mann, der mir das heute in der Fußgängerzone weismachen wollte, meinte es todernst, schließlich wollte er mich von seinem Glauben überzeugen. Die Oberschwingungen entsprechen also offenbar der Energie des profanen Lebens im Diesseits, während E0=ħω/2 die Energie des ॐ ist. Ich vermute stark, dass er sein Wissen von hier hat … HÖRT ALLE VERDAMMT NOCH MAL DAMIT AUF, DIE PHYSIK, DIE IHR NICHT VERSTEHT, FÜR EUER ESO-ZEUGS ZU MISSBRAUCHEN!!! In SciFi ist das ja schon armselig genug. (mögliche Lösung: hier)
Schließlich fragte er mich, ob ich nicht daran interessiert sei, inneren Frieden zu erlangen. Auf meine Antwort, dass ich dieses Stadium schon erreicht hätte, meinte er, dann müsse ich allwissend sein. Hm, da es nun mal so ist, vielleicht sollte ich mich ihm beim nächsten Mal als Kalki ausgeben und eine Subsekte gründen?
Hare Lätta, Hare Lätta,
Lätta Lätta, Hare Hare … (oder so)


TEM

11. Mai 2011

Political Ambiguity, Explicit SarcasmPraktisch unbemerkt für die breite Öffentlichkeit hat sich in den letzten paar Jahren eine Bewegung nationalkonservativer Kreise gegen die zunehmende Verbreitung der Traditionellen Chinesischen Medizin gebildet: Die Anhänger*Innen der sogenannten “Traditionellen Europäischen Medizin” (TEM) fordern eine Rückbesinnung auf – wie sie sagen – ursprüngliches medizinisches Wissen des Kontinents. Zur Veranschaulichung einige Beispiele:

- Das bei allen Krankheiten und über Jahrhunderte bewährte Mittel des Aderlasses soll die Akupunktur wieder zurückdrängen.
- Psychische Krankheiten sowie wissenschaftlichen Selbständigkeit und Rothaarigkeit sollen nur noch durch die sogenannte “Flammentherapie” und Exorzismus geheilt werden.
- Statt Qi-Gong sind die Prinzipien der Bing-N zu befolgen. Im Allgemeinen sind schmerzende Körperteile zu amputieren.
- Gebäude sollen statt nach Feng Shui lieber nach Osten ausgerichtet werden.
- Ayurveda wird durch Aristoteles ersetzt.
- Um der Schwächung des Immunsystems aufgrund mangelnder Belastung entgegenzuwirken, soll die Benutzung von Unterwäsche verboten werden.
- Die Vier-Säfte-Lehre muss wieder im Schulunterricht gelehrt werden.

Aber auch andere (ost)asiatische Einflüsse sollen den TEM-Befürworter*Innen zufolge wieder durch “heimische” Elemente ersetzt werden:

- Statt Sudoku sollen die Schwedenrätsel wieder populär gemacht werden.
- Porzellan soll wieder durch die guten alten Zinnteller ersetzt werden.
- Sämtliche Waffen auf Schießpulverbasis werden durch Lanzen, Keulen oder Pfeil und Bogen ersetzt.
- Auf Fernrohre muss verzichtet werden, stattdessen sollten Astronom*Innen wieder mehr Steinkreise bauen.
- Die Römischen Zahlen werden wieder eingeführt; das leidige Stellenwertsystem mit der sinnlosen Null ist dann überflüssig.
- Buchdruck mit beweglichen Lettern ist im Computerzeitalter sowieso nicht mehr verbreitet. Und was Papier betrifft — es muss ja nicht alles ausgedruckt werden.
- Da es ja GPS gibt, kann auch der Kompass wieder abgeschafft werden.
- Seide wird auch völlig überbewertet; Kleidung aus Schafwolle ist sowieso viel gesündäääähr.
- Statt Sushi gibt es Sauren Hering.
- Statt mit Knoblauch lieber mit Holzpflöcken Vampire bekämpfen. (echtes tomanisches Holz aus tomanischen Wäldern)
- Auch Nudeln können in den meisten Speisen getrost ersetzt werden durch Reis – ach nee, Kartoffeln – auch nicht – hm …
P. S.: Ich dachte bis vor einer Minute selbst, das wäre nur Satire … oh Sch***, bloß nicht “TEM” googeln …


Sensei Weisheiten #6

23. März 2011

Die mystischen Erklärungen gelten für tief;
die Wahrheit ist, dass sie noch nicht einmal oberflächlich sind.

Nietzsche


Sensei Weisheiten #3

18. März 2011

Der Charakter ist wie das Schwert:
Wir müssen lernen, auch die stumpfe Seite für uns zu nutzen


Sokalislam

30. September 2010

Political Ambiguity, Explicit Sarcasm
Ein verbreitetes Phänomen in “der” muslimischen Gemeinde ist die Verbreitung von Gerüchten, berühmte (christliche, atheistische, diskordianische, …) Persönlichkeiten der “westlichen Welt” seien zum Islam übergetreten (1), (2), (3). Für die Kulturelle Praxis ist diese enge Verbindung zwischen Religion und Sokalismus natürlich besonders faszinierend, da wir sie niemals erwartet hätten.
Uns liegen allerdings Beweise vor, dass folgende Berühmtheiten zum Islam konvertiert sind:

- Aristoteles: “Alle Menschen streben von Natur nach Allah.” Metaphysik XIII, 1263 a 17

- Isaac Newton: “Plato is my friend — Aristotle is my friend — but my greatest friend is the submission to God [= being a Muslim]” Quaestiones Quaedam Philosophicae, 1728

-Wolfgang Amadeus Mozart: “Was mich aber am meisten aufrichtet und guten Mutes erhält, ist, dass ich ein ehrlicher Muselmann bin.” Brief vom 31. Juni 1778

- Leo Tolstoi: “Im Koran zu lesen macht den Kopf klar.” Krieg und Frieden, Buch V (1865)

- Kristina Munch (Ehefrau von Edvard Munch): “Am Abend hatten wir eine lange Diskussion darüber. Er drohte mit Trennung, falls ich jemandem von meinem Übertritt [zum Islam] erzählen würde.” Tagebucheintrag, 23.5.1895

- Alan B. Shepard (fünfter Mensch auf dem Mond): “Als ich auf dem Mond war und die Erde an einem Ende des Horizonts sah und die Sonne am anderen Ende, da fiel mir Sure 36, Vers 40 des Heiligen Quran ein, und ich merkte, dass sie nur Sinn macht, wenn du auf dem Mond bist. Und der Prophet Mohammed war nie auf dem Mond, also konnte er das nicht wissen. Das überzeugte mich von der Wahrheit des Islam.” NBC-Interview, 3. Februar 1971

- Judith Butler: “think its imperative to figure out what the mechanisms are of the various lobbies in the US – the American Jewish Congress, the American Jewish Committee, the Anti-Defamation League – how they work to help to formulate US foreign policy toward Israel.” [Zitatverstümmelung ftw!] “Similarly, I think: Yes, understanding Hamas, Hezbollah as social movements that are progressive, that are on the Left, that are part of a global Left, is extremely important.” Radicalarchives

- Joseph Alois Ratzinger (Papst Benedikt XVI.): “Das christliche Schrifttum und die christliche Geschichte erfüllten sich ausschließlich in der Gestalt des Propheten Mohammed.” New York Times, 1. April 2005

- Dr. Beverly Crusher: “Ich hatte eine lange Diskussion mit Ro Laren über ihren Glauben. Sie fragte mich nach meinem und ich antwortete, ich wäre Wissenschaftlerin, und als solche Agnostikerin. Am darauffolgenden Morgen begann ich mich intensiv mit den Religionen zu beschäftigen. Unter ihnen ist der Islam mit Abstand am glaubhaftesten.” (Quelle unbekannt, siehe aber Biographieeintrag in LCARS)

- Der schwarze Block: Sicherheitsbehörden reichte ohnehin die Generalkategorie “Terroristen”, aber Titanic hat den Beweis erbracht: Wer versucht, uneheliche Kinder mit den Worten: “Allahta Allahta Antifaschista” zu steinigen, kann nur Islamist*In sein,(4) zumal autonome femininer Subjektivierung auf Demos (gesetzeswidrig) verschleiert anzutreffen sind.

- Hendryk M. Broder (nein, wir haben uns das nicht ausgedacht): “Ich bin, wie jeder Mensch, bereits als Muslim geboren. Ich habe es nur leider 61 Jahre nicht wahrhaben wollen.”

Andererseits gibt es berühmte Muslime, die dem Islam den Rücken gekehrt haben:

- Gad Elmaleh, marokkanischer Komiker, konvertierte zum Judentum.

- Abu Ubaida al-Banschiri, einst Al-Kaida-Stellvertreter von Osama bin Laden, starb während der Bukoba-Katastrophe am 21.5.1996. Überlebende Passagiere berichteten, dass er in der Stunde seines Todes zum Buddhismus konvertiert ist.

- Omar Khayyām, persischer Universalgelehrter (1048-1131 & 1938-1998). War lange Anhänger des Sufismus, doch die Legende besagt, dass er unter einem Krähenhorst sitzend er die allgemeine Lösung der Gleichung fünften Grades fand und mit dem Beinamen “Ravenhurst” zum Diskordianismus übertrat.

Unvergessen aber auch die berühmten Worte des Propheten: “Wer mit zwanzig Jahren kein Moslem ist, hat kein Herz. Wer es mit vierzig nicht ist, hat keinen Verstand.” (Von ihm hat Winston Churchill — übrigens auf seinem Sterbebett zum Islam übergetreten — seinen berühmten Ausspruch abgekupfert.)


Merkwürdig

9. September 2010

Political Ambiguity, Explicit Sarcasm Apropos “gegen”: Wieso hörte pers bei dem medial überkochten Koranverbrennungs-Gedöns1 nichts von atheistischen gegen-Verbrennungen? Bei dem “ich verbrenne was Dir heilig ist”-Spiel hat diese Fraktion doch gewissen Vorteil …


1 Vom mittelhochdeutschen “gedense” und damit wenig mit Fleischspießen zu tun habend.


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