Honktheorie #3 (Hochschulabsolvent*Innen)

28. Januar 2012

Fortsetzung zu Honktheorie der Wissenschaftsentwicklung und Honktheorie #2 (ein praktischer Vorschlag)

Einer Redensart zufolge sind Honks “Hauptschüler ohne nennenswerte Kenntnisse”.1 Da die Kulturelle Praxis in ihrer typisch akribisch-investigato-genealogischen Manier aber bereits aufklärte2, dass es sich um sog. Expert*Innen handelt, muss gefragt werden, ob diese Redensart, dem – der Subjektform “Expert*In” zugrundeliegenden – Ausbildungs-/Dressur-/Kontrollkomplex3 Hochschule gemäß, nicht umgeschrieben werden müsste in

“Hochschulabsolvent*Innen ohne nennenswerte Kenntnisse”

a.k.a.

“Hochschulabsolvent*In: optimal netter Karriereschritt”


1 Die vermutliche Herkunft vom englischen “honky” = “Weißer” hier etwas verzerrend; gleichwohl auch jene Genealogie etwas abgewonnen werden kann, nicht nur korreliert Honkigkeit häufig mit weißseien, es beinhaltet auch meist ein Schwimmen im Unmarkierten.
2 “aufgeklärt” hier im Verständnis eines 2nd order [and a half] enlightments
3 Ja, was ist eigentlich die Uni?


Rating

17. Januar 2012

Ein Mathematiker, ein Informatiker, ein Astronom, ein Pädagoge und ein Wirtschaftswissenschaftler wollen eine praktische, 23-stufige Skala für Bewertungen finden.

  • Der Mathematiker schlägt vor: 1, 2, 3, 4, …, 22, 23.
  • Der Informatiker schlägt vor: 0, 1, 2, …, 8, 9, A, B, …, L, M.
  • Der Astronom schlägt vor: A0, B0, C0, …, W0; wobei die Ziffer “0″ gegebenenfalls durch andere Ziffern ersetzt werden kann um Zwischenstufen zu beschreiben.
  • Der Pädagoge schlägt vor: 1+, 1, 1-, 2+, 2, 2-, 3+, …,7+, 7, 7-, 8+, 8.
  • Dem Wirtschaftswissenschaftler ist das alles zu unlogisch und er erfindet gleich mehrere Varianten.

I KANT get no satisfaction

20. Dezember 2011

Fortsetzung zu Totalitarismustheorie

Unsere heutige epistemologische Hausaufgabe lautet:

Etwas existiert wenn… (Mehrfachantworten möglich)

a)… wir es sinnlich erfahren können (fühlen, hören, sehen, schmecken, riechen, “what is it like to be a (baseball) bat?”) [Empirie]

b)…technische Hilfsmittel es erfassen können. [That's Science]

c)…es vorstellbar/denkbar ist. [Intelligibilität, Ratio, Idealismus, Konstruktivismus]

d)…Gott/der große Geist/Spaghettimonster es gemacht hat [Metaphysik]

e)…es irgendwo in der Gaußkurve (o.ä. Gebilden) auftaucht [Statistik]

f)…eine Autorität es sagt [Dogma, Ideologie]

g)…du es einfach tief in der spürst [Eso]

AUFLÖSUNG


Stiefel? Ja, Stiefel! Eine Genealogie des gesellschaftlichen Fortschritts

28. Oktober 2011

Zusammen mit Odradek

Critical Boot Studies #1

“Das Produkt – das Eigentum des Kapitalisten – ist ein Gebrauchswert, Garn, Stiefel usw. Aber obgleich Stiefel z.B. gewissermaßen die Basis des gesellschaftlichen Fortschritts bilden und unser Kapitalist ein entschiedener Fortschrittsmann ist, fabriziert er die Stiefel nicht ihrer selbst wegen.”

(S.200/201: Marx, Karl: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band. Berlin: Dietz, 1971.)

Soso, jetzt sind’s also die Stiefel.
Die Kulturelle Praxis forscht nach:

Auf abstrakter Ebene bietet Marx eine schöne Synthese verschiedener Fortschrittstheorien. Zum einen (durch die Künstler*Innengruppe monochrom vertreten) die, daß jede mediale Innovation (Höhlenmalerei, Buchdruck, Film, Inet) in Zusammenhang mit Pornographie stand: Einigen Arten von Stiefeln (hohe, evtl. mit Stiletto-Absätzen), bzw. Arten diese zu tragen (Reiter*Innenlook: Stifel über enger Hose) haben zweifelsohne sexualisierten Fetischcharakter (nicht daß sich nicht so ziemlich alles fetischisieren ließe, aber diese Art ist gesellschaftlich sichtbar). Dann der zweite Innovationsmotor: Der Krieg. “Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln” (Clausewitz, Buch1, c.1, §24): Während Poltiker*Innen für gewohnlich Lackschuhe (oder Joschka: Turnschuhe) tragen, ist der Stiefel im Militär das andere Mittel. Stiefel sind nämlich klassische und bis heute genutzte Kampfbekleidung von Armeen. Auch werden unangenehme Charakter, wie sie in allen autoritären Organisationen zu finden sind “Stinkstiefel” genannt. Dabei ist zu bemerken, daß sowohl monarchistische, als auch s.g. “totaliäre” Regimen eine Neigung zu Knobelbechern hatten, der zivilisatorische/zivilisierende Fortschritt sich also in der flächendeckenden Einführung von Schnürstiefeln messen läßt. Auch die Entwicklung der Informationstechnologie hing maßgeblich am Technologietransfer dieser Innovation der Militärtechnik: Dem Schnürstiefel und der damit verbundenen Kulturtechnik des Bootstrapping (kurz “booten”), ohne das kein Computer und kaum ein Fernseher mehr auskommt.

Marx eröffnet hiermit ein weites Feld bislang unausgeschöpfter historischer Untersuchungen interdisziplinärer Prägung. Nennen wir sie provisorisch Critical Boot Studies (deutsch: Kritische Stiefelstudien). Diese Disziplin wird künftig von der Kulturellenpraxis in Zusammenarbeit mit dem Treitschke Institut für geisteswissenschaftliche Nutzenoptimierung in loser Reihe ausgelotet.


Diskurstheorie

20. Oktober 2011

Fortsetzung zu Relativismuskritik, Funstück von drkultur

Das Kulturellepraxis-Quiz: Von welchem Diskurstheoretiker stammt folgender Satz:

Die Allgemeinheit der Gedanken, wie die diskursive Logik sie entwickelt, die Herrschaft in der Sphäre des Begriffs, erhebt sich auf dem Fundament der Herrschaft in der Wirklichkeit.

(a) Michel Foucault
(b) Jürgen LaberHabermas
(c) Max Horkheimer & Theodor W. Adorno
AUFLÖSUNG


Musik: eine Definition

22. August 2011

Ich hab kurz drüber nachgedacht und  nach 4’33 min war ich mir nicht mehr sicher…


Wörterbuch Teil #5

22. Juli 2011

Bedeutung, eigentliche := Mögen manche glauben, daß die Bedeutung eines Wortes dessen Verwendung sei (Wittgenstein) oder es sich ohnehin um ein System der Differenzen (Strukturalismus), welches unabschließbar ist (Derrida) handelt – es existieren noch Orte, an denen die eigentliche Bedeutungen gewußt wird

#fefeminismus, der := Es gibt viele Feminismusauffassungen unterschiedlichen Reflexions- und Polemikniveaus. Diese spezielle Konfiguration davon führt in – per definitionem frustriert-humorlosen – Fachkreisen regelmäßig zu Belustigung

Guttenbergen (Verb) := Copy-Pasten (ctrl+a & ctrl+c & ctrl+v)

lllt := Low Level Linguistic Turn (v.a. wenn oberflächlich auf der Ebene von Wörtern ansetzend ↑und/oder die des Textes außer Acht lassend)

Orks füttern := Zeit durch Diskussion mit lernunwilligen Halbgebildeten verschwenden

RTFFF:= Read teh fist-fucking Foucault

und/oder := vel

Windowslinke*r, der/die/* := Trotz gefühlslinker Gesinnung die eigene Bequemlichkeit der politischer Erwägung – bisweilen politisch begründet – vorziehen (“Staatsmacht”, “Klassenfeind”, das alles ist längst nicht so kompliziert wie eine Shell)


Dekonstruktion

19. Juli 2011

Das Ganze ist nicht alles


Kritik

15. Juli 2011

Wenn gute Kritik kompetent1 sein sollte, wissen wir zumindest, warum soviel Kapitalismuskritik nicht funzt …


1 Versuch einer Operationalisierung: “Wissenschaftlich”. D.h. keine Menge von Ergebnissen, sondern Praktiken ihrer Produktion und Revision. Vorschlag allgemeiner Gütekriterien (Achtung: Nicht überzeitlich, nicht allzu deskriptiv) wären: Methode (Vorschlag von kfermion: Inkl. Falsifizierbarkeit) + Forschungsstand + Transparenz (das schließt sowohl Definitionen, Reproduzierbarkeit, als auch die berüchtigten Fußnoten ein).


Porno-Laden

29. Juni 2011

Political Ambiguity, Explicit Sarcasm

Auf die Gefahr hin, dazu beizutragen, die Ermordung Osama bin Ladens zu verniedlichen sowie Islamisten-Klischees zu bedienen, möchte die Kulturelle Praxis den Bericht eines afghanischen Sicherheitsbeamten veröffentlichen, der sich aus ermittlungstechnischen Gründen die bei Osama Bin Laden gefundenen Pornos ansehen musste. Abdal Khan berichtet:
“Zuerst glaubten wir, die US-amerikanische Regierung hätte sich die Geschichte mit den Pornos nur ausgedacht, um Bin Laden nachträglich bei anderen Islamisten zu diskreditieren. Uns wurde aber versichert, dass das nicht der Fall sei.
Der Film fängt eigentlich ganz harmlos an. Eine junge Frau, die als Drittfrau mit ihrem 20 Jahre älteren Cousin verheiratet werden soll, hilft ihrer Mutter bei der täglichen Hausarbeit. Doch als beide – vollständig verhüllt – auf den Markt gehen, sieht das Mädchen plötzlich einen jungen, attraktiven Mann. Er merkt trotz ihrer Vollverschleierung, dass sie ihn beobachtet und schreibt seine Handynummer auf einen Zettel, den er dann “zufällig” fallenlässt. Entegen allen guten Sitten nimmt das Mädchen den Zettel an sich.
Es kommt noch schlimmer: sie ruft ihn tatsächlich an und drückt ihre Gefühle für ihn aus! Der junge Mann schlägt ein Treffen vor. Nach langem Zögern sagt sie zu. Das bisher erzählte nimmt etwa die ersten 10 Minuten des Films in Anspruch.
Die beiden jungen Leute treffen sich heimlich. Die Frau entehrt sich, indem sie in seiner Gegenwart ihren Gesichtsschleier entfernt. Eine Nahaufnahme der Augen des Mannes zeigen seine Erregung, die sich seiner bemächtigt, als er ihr Haar sieht. Er fragt sie, ob sie zusammen ein Lied singen möchten; sie sträubt sich erst, doch dann beugt sie sich seinem Willen. Schließlich nimmt er seinen Turban ab. – Dies war der Zeitpunkt, in dem meine Kollegen und ich uns sicher waren, dass es sich um pornografisches Material handelte! – Mit der Begründung, ihr sei zu warm unter der Bekleidung, legt die Frau auch ihrer Verschleierung ab und sitzt dem Mann nun splitternackt – lediglich in langen Hosen und einem langärmligen Shirt, man sieht deutlich ihre Hände, ihren Hals und ihre Füße – gegenüber. Er setzt sich neben sie, nimmt ihre Hand in seine und erzählt ihr einen Witz, in dem es darum geht, dass Frauen die gleichen Rechte haben wie Männer. Sie lacht.
Plötzlich betritt ihre – offenbar in diese Obszönitäten eingeweihte – Zwillingsschwester das Zimmer. Sie ist ebenso spärlich bekleidet wie ihre Schwester und bringt beiden eine Schale Datteln und anderer getrockneter Früchte. Die drei essen gemeinsam von den Früchten und plaudern. Dann geht die Schwester wieder, wirft den beiden aber noch einen ermunternden Blick zu.
Dann erzählt die junge Frau ihrem Verehrer, dass sie gern lesen und schreiben lernen möchte, da sie nie zur Schule gegangen ist. Er verspricht ihr, ihr beim nächsten Treffen eine Fibel zu schenken.
Der Film endet, indem sie wieder ihre Vollverschleierung anlegt und geht.
Ich habe gehört, dass derartige schmutzige Filme im Westen legal zu bekommen sind und sogar im öffentlichen Fernsehen zu sehen sind – finden Sie das nicht selbst verwerflich?”


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