… denn der Begriff “Kofferwort” wird seinem Inhalt nicht ganz gerecht.
Ordnung des Wissenschaftsdiskurses
27. Mai 2013Offenbar qualifiziert in vielen diskursiven Kontexten Physik dafür, un-(bzw. nicht relevant)widersprochen im Namen DER Wissenschaft (Familienähnlichkeit anyone?) sprechen zu dürfen.
Philosoph*innen ärgert daran selbstverständlich am meisten, daß sie von Leuten, die sich kein solides wissenschaftstheoretisches Grundwissen erarbeitet haben und statt Überblick über andere Wissenschaftsbereiche Halbbildung, Erkenntnisversprechen und Verabsolutierung ihres Wissenschaftsverständnisses präsentiert bekommen (vgl.). Wenn das Ganze noch in der Behauptung gipfelt, in der Wissenschaft komme es ja nicht darauf an wer etwas sage, sondern wie die Qualität des Gesagten sei, ist unklar, on gelacht oder geweint werden soll.
Doch ist das ganze noch viel problematischer. Letztlich handelt es sich um eine Ideologie, ein bestimmtes Verständnis von Physik zum eigentlichen zu erklären, den Rest zum Anderen zu machen. Da läßt sich die Dialektik der Aufklärung live bestaunen, zum einen reagieren viele, wenn sie die Grenzen jenes Wissenschaftsideals erkennen damit, das Kind mit dem Bade auszuschütten und nicht diese Wissenschaftlichkeitsvorstellung konkret, sondern “Wissenschaftlichkeit” abstrakt zu negieren. Zum anderen gerinnt hier vor unseren Augen die Aufklärung zu ihrem eigenen Mythos und wird zu nur noch einem weiteren Glaubenssystem.
Kulturellepraxis live
24. Mai 2013“Du solltest immer auf Deinen Körper hören” – “Auch wenn er meint ‘das wird nichts mit uns, wir sollten uns trennen’?!?”
Dudebro-Theorie
4. Mai 2013Gastbeitrag von M.
“Analytische Philosophie – Schönes Hobby für einen Mann”
STFU!
20. April 2013+++ Newsflash: Wissenschaftler*innen haben herausgefunden:
Die Gesellschaft ist ein soziales Konstrukt1. +++
Vorschlag zur Güte: Könnten nicht einfach alle, welche Diskursives2 für einen unwichtigen Nebenkriegsschauplatz des “Materiellen” – wasimmer darunter (miß)verstanden wird – halten ihren eigenen Ansprüchen folgend auf die Verwendung von Zeichen komplett verzichten?
1 “Konstrukt” ist kein unproblematischer Begriff. Butler schlägt in Kritik des Begriffs “Konstrukt” und in Abgrenzung zum Konstruktivismus den Begriff der “Materialisierung” vor, vgl. Bulter, Judith: Körper von Gewicht : Die Diskursiven Grenzen des Geschlechts; Frankfurt/M 1997; S. 24-35. Die Kulturellepraxis distanziert sich sprachlich von Schulen des Konstruktivismus dadurch, Essenzialismuskritik als “Antiessenzialismus”, nicht (mehr) als “Konstruktivismus” zu bezeichnen.
2 So nicht anders angegeben, nutzt die Kulturellepraxis einen erweiterten – d.h. nicht auf Sprachliches i.e.S. beschränkten – Foucualt’schen Diskursbegriff. Vgl. etwa Laclau, Ernesto; Mouffe, Chantal: Post-Marxism without Apologies; in: New Left Review 166 (1987), S. 79-106; S. 82-84.
irgendwie kontraproduktiv
18. April 2013eine sehr stümperhaft gemachte Annonce mit dem Slogan “Besser gleich zum Profi!”
Hochschulentwicklung
6. April 2013Mit: FrlPia
Die Attraktivität dieses Fachbereiches Geschichte konnte bereits in der Vergangenheit, nach dem bahnbrechenden Wirken Heinrich von Treitschkes erfolgreich vermarktet werden: Sei es durch den Knoppismus, sei es in der Zusammenarbeit der Universität mit größeren Senior*innenresidenzen, deren Mangel an Tagesräumen mit Hilfe von Vorlesungen auszugleichen. So entstand in Marktoptimierung auf Kontaktstudierende bereits die Reihe “Erotik in Hitlers Cäsarbild”.
Doch auch jüngere Studierende müssen noch stärker als Kund*innen begriffen werden; viele fordern solch eine Behandlung auch schon aktiv ein. Lehre muß sich konsequent an Erwartungen und Wohlbefinden der Konsument*innen anpassen, ein sehr positiver Schritt sind wellness-basierte Evaluationsverfahren
Auf diesem Wege erreichen wir einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz, was letztlich auch höhere Preise rechtfertigt. Gerade in Seminaren zu moralisch aufgeladenen Themen existiert gewaltiger Optimierungsbedarf, viele werden unnötig aus ideologischen Ansprüchen der Lehrenden – Gutmenschentum – enttäuscht.
Das Treitschke-Insitut für geisteswissenschaftliche Nutzenoptimierung präsentiert im Rahmen seines innovativen Hochschulentwicklungsplans ein Musterprojekt aus der Geschichtswissenschaft: Das zeitgemäße und kund*innenorientierte Genozid-Seminar. Freuen Sie sich auf Themen wie
- Einführungssitzung: Der Untergang des Abendlandes – Freies Assoziieren zu beliebigen Textstellen
- Die demographische Katastrophe: Deutschland schafft sich ab
- Der wirklich echt wahre Hufeisenplan: Deutschland muß (wieder) Kriege wegen Auschwitz führen
- Der Kulturelle Genozid in Tibet
- Das große Konzentrationslager Gaza
- Der Holocaust auf Deinem Teller
- Der Baumholocaust durch Stuttgart21 und IBA
- Der aliierte Bombenholocaust auf Dresden und andere deutsche Städte
- Der Babyholocaust: Abtreibung fordernde Feminazis
- (Sex)”Arbeit macht frei”: Eine Femen Gastreferentin erläutert die Parallelen zwischen “Prostitution” und Nationalsozialismus
- Die Amis
- “Indianer” mit anschließendem Karl May Lesekreis
- Hiroshima
- Vietnam (Agent Orange & Napalm)
- Die Massenvergewaltigungen und Gulags: Warum Operation Barbarossa eine notwedige Verteidigungsmaßnahme war
- Stalingrad: Nichts kann furchtbarer gewesen sein
- Nachbereitung: Gegenseitiges Schulterklopfen und gegenseitiges Versichern, daß weiße heterosexuelle christliche ableoid Deutsche – Mittelschicht aufwärts und nicht zu links – doch voll OK sind
Flachzangen im Sonderangebot #2: Plagiatskleinbürger
24. Februar 2013Ein interessantes Beispiel für die Weisheitsverbreitung des Adorniterordens ist dieser Artikel. Gut, von sich kritisch gebenden Medien wird letztlich erwartet, auch die kritische Kritik kritisch zu kritisieren – zumal wenn nicht aus der eigenen Ecke kommend – und sicherlich, es kann Spuren von Zutreffendem enthalten. So die These von Politiker*innen als Sprechautomaten oder die Tatsache, daß Plagiatsaffairen als isolierte Aufreger viel zu behandeln zu kurz greift. Doch Schavans Politik oder was sich aus dieser Affaire für die Funktion von s.g. “Bildungsabschlüssen” rekonstruieren läßt, bleiben Leerstellen des Artikels.
Faszinierend ist v.a. das Enden auf Gedankensprüngen, die eines Uniflugblatts würdig wären. Denn das Problem sind letztlich letztlich die Postmoderne und irgendwie hängt diese auch noch mit den Copyrightdebatten der Pirat*innen zusammen. Feinheiten, wie Urheberrecht und Copyright oder Intertextualität und Betrug zu differenzieren wäre ja die – hier abfällig benannte – “Fleißarbeit”, d.h., “einer Mischung aus Pingeligkeit und Ignoranz”; das ist nur was für Leute, die die Wahrheit noch nicht bei Adorno nachgelesen haben, Ausprägungen voller Ignoranz scheinen legitim.
Der Autor zieht die Qualifikation der *plag-Betreiber*innen in Frage – hätte es handfeste Hinweise gegeben, wären die Wieselformulierungen unnötig gewesen -, setzt aber selbst fehlende Originalität und fehlende Quellenangaben gleich (für alle Nichtakademiker*innen: letztere sind basales Handwerk, während erstere selten positiv in die Benotung einfließen).
Wohlgemerkt: Tu Quque an sich wäre ein Ad Hominem; aber die pathische Projektion ist ein wichtiges Konzept im psychoanalytischen Begriffsarsenal, gerade in Anitsemitismuskritik der Frankfurter Schule. Soetwas wird offenbar nicht für die Selbstanwendung genutzt.
So übernehmen wir dies und verweisen angesichts seiner Pomo-Kritiken auf Erkenntnis, daß sich die *plagbetreiber*innen offenbar den kritisierten “nicht gewachsen fühlen”.
Flachzangen im Sonderangebot #0
17. Februar 2013Ist es das Alter? Oder steht “Alter” nur für die Dauer des Lernprozesses? Oder sind es einfach Abnutzungserscheinungen?
Den Bärklärereikomplex mal beiseite: Nicht daß ich nicht immernoch gerne diskutiere. Nicht daß es nicht kontrovers sein darf und mit einigen auch ernsthafte Auseinandersetzung, statt Meinungsaustausch.
Doch denke ich, wenn sich Flachzangen, Szenenasen und artverwandte als Rechthabende inszenieren und ihren – sei es charakter-, alters-, sei es scheiternsungewohntheits- oder konkurrenzgesellschaftsbedingten – Drang zur Durchsetzung auszuleben suchen: “geh’ spielen”.
Verfasst von kfermion