Eine Lanze für #6 Bildungsnerdigkeit

18. Mai 2012

“Eine Lanze für … : Hantologische Streifzüge zu totgesagten Konzepten, in theoretischen Abfällen containernd”, Teil 6: Eine Lanze für Bildungsbürgerlichkeit

Humboldt ist im Kontext des preußischen Beamtenstaats zu sehen und die Zeit im Schatten des Kolonialismus. Die Bologna-Reform verwertet gar humboldt’sche Versatzstücke. Der durch Bildung “moralisch imprägnierte” Mensch hat sich so nicht ganz bewahrheitet, ist das Land der Dichter und Denker doch auch jenes der Richter und Henker. Und der Hauptvorwurf: Es handelt sich um ein (u.a.) klassistisches Ideal, benachteiligt es doch Leute, die nicht soviel Posermaterial von zuhause mitbekommen haben. Zudem bieten Schulen und Universitäten Strukturen des Lernens, die die Fordeurng nach “Bildung”, gar “sich zu bilden” – wohlgemerkt, Wissen ist nicht hinreichende Bedingung für Bildung, aber durchaus notwendig – wie Hohn der Zusatzbelastung erscheinen lassen, ein struktuelles Problem individualisieren.

Dies alles kann an dieser Stelle kaum bestritten werden. Wobei, auch wenn Konzepte des “autonomen Individuums” zugunsten einer Berücksichtigung von Subjektivierungsprozessen aufgegeben werden sollte, irgendeine Form von Handlungsfähigkeit anzunehmen wäre schon schön; lohnt sich zumindest das Suchen. Und auch wenn sich die früheren - sie mögen besser gewesen sein, gut waren sie nicht – wie die gegenwärtigen Verhältnisse einen Nimbus der Alternativlosigkeit geben, vielleicht ergibt es doch Sinn, beide nicht kritikfrei zu affirmieren? Nicht zu vergessen, “Sachzwänge” dienen meist als Vorwand für weitaus mehr als sie begründen.

Höchstwahrscheinlich unterkomplex und zugegebenermaßen stark durch persönliche Erfahrungen in einzelnen Fächern verwurzelt, aber das Bildungssystem scheint sich in einer Totalität der Gegensätze “streng überprüfbares ‘Wissen’” und “voraussetzungslos abholen” – Zusammenhänge zur “Theorie/Praxis” Gegenüberstellung nicht ausgeschlossen, hierzu vielleicht später eine Lanze – zu bewegen. (Wie eine Methode aussähe, diese These zu unterfüttern oder woher diese Denkfigur – nämlich das Ganze aus einem binären Gegensatz für ein grundsätzliches Problem zu halten – genau stammt, geschweige denn, wie ein Ausweg aus diesem Ganzen aussähe, ist an dieser Stelle schleierhaft). Und irgendwie scheint dieses Ganze Bärlauch-Dekonstrukte von Honks hervorzubringen (“subjektiviereren”?), die die Grenze vom “newb” zum “n00b” weit überschritten haben.

Das Probelm des Begriffs “Antiintellektualismus” sei an diesem Punkt nur angedeutet. So müßten Thesen abgeschmeckt werden, ob/inwiefern mit psychoanalytischen (btw. strukturell heteronormativen) Theorien Strukturellem Antisemitismus(tm) nachweisen könnten. Nehmen wir es deshalb provisorisch als Versuch, Erfahrungen von Abstraktionsfeindlichkeit und Abneigung gegen Kompliziertes.

Letztlich müssen wir uns ernsthaft die Frage gefallen lassen, wer aus der Wissensproduktionsmaschinerie wie und warum ausgeschlossen bleibt. Und das muß nochnichteinmal “kritisch” geschehen, viele später als wichtige Durchbrüche gefeierte Forschungsergebnisse stammten von eher randständigen (gleichwohl nie wirklich unterprivilegierten) Personen. Leicht mit Bourdieu zu erklären: Wenn Karriere im Betrieb nicht durch Vordertür/Erbfolge möglich ist, müssen sich die Anwärter*innen als revolutionär/originell und bessere Alternative zum Mainstream inszenieren.

Bei allem (z.B.) Klassismus enthält ein Ideal von Wissenschaft die Möglichkeit von Einschreibung in diese Wissensproduktionsmaschinerie. Ihrem Ideal nach komme es nicht an auf die Kunst an zu netzwerkeln/intrigieren/polarisieren, ihrem Ideal nach sollte es nicht um Blenderei gehen; sicherlich, der Eindruck von Kompetenz muß erweckt werden können, aber damit gibt es, Dunning-Kruger sei dank, ein “genug” an Kompetenz, ab dem sich nicht mehr lohnt nach mehr zu streben. Offensichtliche Abweichungen von einem solchen Ideal lassen sich als Defizite des Ideals oder als Defizite seiner Umsetzung betrachten. Auch dann wäre die Frage, wie gutes Denken aussieht; nur den richtigen Standpunkt einzunehmen? “Die normative Kraft des Faktischen” impliziert keine freiere, gleichere, geschwisterlichere Alternative.

Dabei fällt wieder auf, daß einige Konstruktivist*innen ihr privilegiertes “Ich” häufig in scheinbar bewußt subjektiven Aussagen vom Rechtfertigungszwang der Methode befreien, die härtesten Antikonstruktivist*innen aber unfreiwillig ständig demonstrieren, wiesehr Macht und Wissen zusammenhängen. Letztlich könnte der Begriff der “Halbbildung” Dreh- und Angelpunkt sein, wenn sich etwas so nahe an liebgewordenen Orientierungsmustern befindet, daß es sich wahrer anfühlt als der komplexe und häufig ins Diffuse ausdifferenzierte Wissen(schaft)sproduktionsprozeß; Wohlfühlgewißheit.

“Das Halbwissen ist siegreicher, als das Ganzwissen: es kennt die Dinge einfacher, als sie sind, und macht daher seine Meinung fasslicher und überzeugender. –Nietzsche

Doch was beispielweise unter dem Stichwort “Postkolonialismus” (habt ihr hier etwa ahistorisch “critical whiteness” erwartet?) an rassistischen Ausschlußmechanismen zu Tage gefördert wurde geht auf keine Kuhhaut kein Papyrus. Dies nur pars prototo, daß ein Loblied auf die Selbstregulierungsmechanismen des Wissenschaftsbetriebs gänzlich verfehlt wäre; möglicherweise ist dieser ohnehin nicht (mehr?!?) der Ort – und solche Orte sollte es geben -, ein Ideal der “Liebe zur Weisheit” zu praktizieren. Nur – wie lautet die Konsequenz? Ein moralisch begründetes Wissen statt des bildungsbürgerlichen Kanons als Zugehörigkeitsmarker? Sicherlich sollten wir nicht über den letzten Fallstrick des God-Tricks stolpern und eine Aufhebung aller Ausschlüsse doch noch über Standpunkttheorien anzustreben.

Vielleicht sollte Ignoranz nicht gefördert werden. Vielleicht können unterschiedliche Fähigkeiten ohne Wertigkeit und v.a. ohne Zwang zur Angleichung bestehen. Vielleicht sollte Verwertungslogik nicht affirmiert werden, auch nicht mit gutemwillen(tm). Vielleicht sollten auch Räume für Abstraktes und Voraussetzungsreiches (der zur toten Metapher verkommene Begriff “Niveau” wird hier anschaulich) geschaffen werden.

Räume und Lanzen für Bildungs-Nerdigkeit! Ein #flausch für Intellektuelle :)

Fortsetzung folgt


Kulturellepraxis live

29. April 2012

“Du redest wie ein Buch” – “Wo bekommst Du solche Bücher her?!?”


My little Fefe

27. April 2012

Da flüchtig geschriebene Fefe-Rants häufig mehr Klicks bringen, als stundenlang ausgewogene wissenschaftstheoretische Essays oder feinsinnig-intellektuelle Satiren – das wird Euch genauso überraschen wie mich -, folgt ein reiner Opportunismusartikel zu einem Omnibusthema:

Haben Fefes Gegner*innen den Rubikon überschritten, ihm mit Ponys zu kommen? Wie hätte er erst bei Furrys reagiert? Und: Wer stellt sich ihnen entgegen? Denn Fefe dürfte eher ein Crassus sein; also ihm bloß keine CCC-Feldzeichen anvertrauen, die Truppen Crassus’ wurden zu Pferde überwältigt. Keine Ahnung, ob z.B. Frank Rieger – seine Freundschaft mit Fefe ist übrigens magisch – Lust auf die Rolle des Pompeius hat oder hier überhaupt ein Triumvirat voll würde (aber wer wäre in diesem Fall dann Caesar?), geschweige denn, warum ihm gerade jetzt ein Paarhufer über die Leber gelaufen ist.

Jetzt nichts Positives über bunte heile Welten, das Leben ist nuneinmal ein Ponyhof und kann es überhaupt Verlierer*innen geben, wenn sich Dude-Bronies und #Fefeministen streiten? So besorgt sich die – ausschließlich auf Drahteseln reitende – kulturellepraxis doch gleich einen großen Eimer Popcorn. Wobei dieser Fall zeigt, daß auch andere Beispiele als Star Trek gibt, Utopien – oder besser: der Dialektik von Utopie und Dystopie – Widerständigkeit abzugewinnen.

MLP, das ist solch ein kurzlebiger und Modetrend, auf dem hängenzubleiben ungefähr so peinlich ist, als würde jemand 20 Jahre nachdem es kool war noch scriptfreies HTML nutzen (ja doch!).

Schämen sollten sich Leute lieber für wirklich ignorante Sachen, etwa ableistische Begriffe wie “rumspacken” zu nutzen oder in dumpf-Szientismus “IQ” mit “Intelligenz” verwechseln.

Regelmäßige Leser*innen kennen wohl diesen Sermon schon auswendig – deshalb sparen wir uns die Literaturliste -, aber Fefe reproduziert unkritisch Teile der Psychologie, welcher der Behaviorismus zwei bis heute unaufgearbeitete Irrtümer eingebrockt hat: Zum einen sich für einen objektiven Zweig der Naturwissenschaften zu halten, zum anderen Naturwissenschaft für das zu halten, was der Neopositivismus darunter verstand. Dabei dient die experimental-statistische Methode der Essenzialisierung von gewissen Beobachtungs-Theorie-Komplexen, das ist das doppelt positive am Positivmus: Zum einen die Realität auf Operationalisierbarkeit in einem (zu) begrenzten Methodenrepetoir reduzieren, zum anderen dabei auch das beobachtete Bestehende – zugunsten des historischen oder möglichen – affirmieren. Ein Seitenhieb gegen die Wirtschaftswissenschaften wäre an dieser Stelle zu billig und ob dies bei unbelebter Natur legitimer sei, mögen andere durchkauen (Der Vollständigkeit halber, daß uns jetzt keine Psycholog*innen anfangen zu mögen, sei am Rande erwähnt, daß die stärkste Gegenströmung, die Humanistische Psychologie auch ihre Tücken hat und Psychoanalyse zum einen nichts mit Psychologie zu tun hat, zum anderen alles interessante an ihr besser bei Nietzsche nachzulesen ist).

Für ein in den 20ern hängengebliebenes Wissenschaftsverständnis mit Hang zur Naturalisierung des Bestehenden – das auch noch gebundled mit Politischem – fehlen ein wenig die Worte; ihn “Gefühlslinks” zu nennen, würde die Occupy-Nasen zusehr beleidigen, “Gefühlsreaktionär” wäre redundant und der Hipness dieser Ausprägung nicht angemessen. Vielleicht ihn einfach als Berliner Kreative Klasse othern? Ach, erweitern wir einfach provisorisch den Begriff #fefeminismus auf sowas.


Kulturellepraxis live

24. März 2012

Lieber Weltuntergangsvisionen als Selbstmordphantasien, das ist weitaus geselliger …


Ockham’s Razor

18. Januar 2012

Wer im Namen von Empirismus/Realismus/…ismus Abstraktionen für überflüssig oder schädlich hält, möge ein komplexes Programm in Assembler schreiben.


Queer Duke

1. Juni 2011

Trotz … Ambivalenz bei der Methode, überall subversive Lesarten zu suchen, trotz der eindeutig sexistischen Ausgestaltung dieser Serie, trotz der Erkenntnis, daß auch (selbstidentifizierte) Tunten misogyn/sexistisch sein können – beim Poster von Duke Nukem Whenever läßt sich schon übersehen, daß die Hand auf der rechten Bildhälfte wohl nicht die der Hauptfigur sein soll. Für einen Moment träumten wir, der Duke lackiere sich gerne die Fingernägel pink. Nach dem Erfolg von Feminist Hulk bleibt jedenfalls der Wunsch nach einem Queer Duke.

Schwierig wird die Frage, wie es umgekehrt aussähe. Weiblich lesbare Protagonistinnen in einem 1st/3rd-Person-Action-Spiel hatten wir bereits. Doch Lara als feministische Figur zu sehen, wäre … problematisch. Hingegen die Frage, wie eine weibliche Figur jetzt konfiguriert sein müßte, um nicht dem heterosexuell-männlich-begehrenden Blick als Objekt zu dienen, wäre wiederum eine Zentrierung auf jenen. “Agency” haben gesteuerte Figuren ohnehin nur begrenzt. Wie sieht es bei schwulen – aber nicht cliché-schwulen – Figuren aus? Wobei – Regel 34 -, daß eine hypermaskuline Figur wie Duke Nukem nicht bereits homoerotisch ausgeschlachtet wurde wäre recht unwahrscheinlich …


Radikale

15. März 2011

Innensenator fordert, autonome Wissenschaft nicht mehr staatlich zu fördern. Studien haben gezeigt, daß sich aus diesen u.a. der White(Coat)Block rekrutiert, sowie s.g. “Intellektuelle”, welche gar politische Mitsprache beanspruchen.

Schlüsselzweige von Industrie und Wirtschaft werden gebeten, Aussteigerprogramme für jene anzubieten, die unverschuldet in dieses Mileu geraten sind.


Lärmschutz

7. März 2011

Traditionell sind in diesem Mäusebunker die Wände recht hellhörig und bei den brillanten Planer*Innen führte eine Renovierung schalltechnisch eher zu Verschlechterungen; kein Wunder, wenn Messungen und/oder gesunder Menschenverstand durch Statistik ersetzt werden.

Da gespräche über Telephon/voip häufiger problematisch empfunden wurden, entschuldigte ich mich präventiv bei meiner Nachbarin für ein nächtliches Fachgespräch kurz vor einem Hausarbeits-Abgabetermin. Diese versicherte aber, zu jener Zeit gut geschlafen zu haben. D.h., die störenden Gespräche mancher müssen … merkwürdig (noch merkwürdiger als dieses) sein.

Und doch bleibt zu befürchten, daß das unbewußt wahrgenommen im Schlaf aktiv bleibt und geisteswissenschaftliche Themen zu Albträumen führen können. Wie könnten solche Träume aussehen? Ähnlich schlechter Spionagefilme werde ich von der Agency verfolgt, ohne zu wissen, ob sie mehr als ein schlechtes Emplotment ist. Und was soll ich bloß mit den außerdiskursiven Praktiken machen? Werfe ich sie einfach in die Diskurskiste, nachdem mein Butler angebaut hat? Doch lieber dis-positiv denken? Aber mit welchem Bindestrich fische ich danach?

“Wissenschaftliches Träumen” kann durchaus vorkommen. Und damit ist nochnichteinmal soetwas wie populärwissenschaftliche “Quantenzüge” – bei denen die Fahrgäste nie wissen, an welcher Station sie als nächstes ankommen – gemeint. So schreckte ich in der heißen Phase meiner ersten Hausarbeit aus dem Wegdämmern auf, bei dem Gedanken, das Geträumte doch gar nicht belegen zu können.

Und bedenken wir, daß dieses Belegen die Hauptarbeit ist (das unterscheidet Wissenschaft von Klempnerei und ähnlichen Naturwissenschaften), bedenken wir, daß dies auch einen wesentlichen Teil (geistes)wissenschaftlicher Subjektivierung und “den” (zumindest nach abgeschafftem Humboldt-Ideal) Unterschied von Schule und Universität ausmacht – nicht “Fakten” zu reproduzieren, nicht einen beliebigen (Anything-Goes) Standpunkt zu wählen und blendersich zu vertreten -, wirkt die Bezeichnung “abschreiben” oder “vergessene Fußnoten” für Guttenbergs Aktion äußerst verharmlosend.

Zum Thema “geistiges Eigentum” ließe sich auch viel schreiben. Reproduzierbare Informationen wie physische Waren zu behandeln führt zu Problemen; ob dies allgemeine Probleme der Warenwirtschaft sind oder wie die möglichen Lösungen aussehen ergäbe ein nettes Essay. Wenigstens läßt sich hier recht schön die Doppelmoral mancher aufzeigen.

Naja, aber was reg’ ich mich auf: In Bologna wurde ohnehin die Scheidungsurkunde von Intellektuellen und Unis unterschrieben – Studierendencafés wandern schon ins Virtuelle aus -, sodaß letztlich nur unterschiedliche Maßstäbe für karrieristischen Erfolg konkurrieren – meh. Spannender wäre es, mal wieder “eine Lanze für” zum Thema Intellektualismus zu schreiben.


Gänsefüßchen

26. Februar 2011

Da uns bislang nicht viel zum Thema Wilhelm zu Guttenberg eingefallen ist, ein Blog mit unserer Belegdichte allerdings zur Kommentierung berufen ist, kopieren wir einfach (ohne Kopierer):

Zumindest hat diese Affaire eine Gegenbewegung erwirkt, jetzt werden Anführungszeichen beim Doktortitel vor Politiker*Innennamen angenommen.

Die ironischen Anführungszeichen können als bevorzugtes Satzzeichen der LTI gesehen werden [Klemperer, Victor: LTI : Notizbuch eines Philologen; Stuttgart 2010 (Erstauflage: Berlin 1947); S. 86-88.], somit läßt sich der Schaden für ‘die Demokratie’ kaum überbetonent (“one point Godwin”!).

Sicherheitshalber werden nach einer Idee kfermions (pers. beachte die dezente Quellenangabe) einige Anführungsstriche zum selbersetzen verteilt:’”"””"‘


Metageschwurbel: Daß hier mit mehrerlei Maß gemessen wird, anderen solch eine Angelegenheit die Karriere ruiniert hätte und daß dieser Titel immer weniger wissenschaftliche Leistungen repräsentiert – oder lediglich als Karrierebooster gilt -, könnte problematisiert werden; doch eigentlich war es  zu erwarten und die Mehrheit derer, die denDoktor/Doctrix-Grad zu Unrecht führen, werden qualifizierte Ghostwriter beschäftigen und somit kaum erwischt. Eine Rede gegen Herkunftseliten sparen wir uns auch, das driftet meist ins dümmliche Leistungsprinzips-Dispositiv ab. Was d* Autor* wirklich beängstigt ist, daß es selbst seitens vieler Journalist*Innen ein größerer Aufreger zu sein scheint, als für die Mehrheit (von Teilen) der Bevölkerung – denn hier manifestiert sich das deutsche Phänomen der Intellektuellenverachtung.

Teils – achtung: ad hoc erklärung eines kulturrassistischen Einzelfalls – scheint diese Verachtung projektiv zu funktionieren, halbgebildetes Dummschwätzen nicht mit wissenschaftlichen Kompetenzstandards belasten zu wollen, die Ergebnisse solcher Standards deshalb auf Dummschwätzerei herabwerten zu müssen. Vielleicht hängt es auch mit einem merkwürdigen Gegensatz von Essenzialismus (“ist so, muß also nicht recherchiert werden”) und Dumpfkonstruktivismus (“Ist eh’ beliebig, d.h. wie in der Schule Standpunkt wählen und nur rhetorisch gut vertreten”) zusammen?

Genauere (wissenschaftliche) Erklärungen/Theorien zu diesem Phänomen wären äußerst willkommen, sachdienliche Hinweise werden über Kommentarfunktion oder eMail gerne angenommen – gerne auch mit Quellenangabe. Denn solche kommen der intuitiven Vorstellung eines Fakts näher als eigentliche Fakten …


Wörterbuch Teil #4

14. Dezember 2010

Achsenpizza: Pizza mit Sauerkraut und Sushi belegt. Unbekömmlich zu Wodka und Cola.

Catmatiker, d*: Das Dogma bleibt ein Leben lang treu, das Catma kommt und geht wenn es ihm gefällt. D.h. Catmatiker* befriedigt dauerhaft keine Zugehörigkeit; vgl. Groucho-Marxist*Innen1

Da lauert der Karl: (Karl-Lauer -> Kalauer) Ein Flachwitz gegen Flachwitze.

Niveauflexibel: Heute sinkt für Sie das Niveau und zwar möhrentief, denn im Niveaukeller befinden sich Falltüren. Niveau ist keine Handcreme, sondern ein kleines haariges Männchem mit einem Klappspaten, welches bisweilen Niveaulimbo tanzt, bisweilen aber auch steigt, ohne daß jemand darauf steht. Es sieht von unten wie Arroganz aus, zumindest wenn es die Teppichkantenhöhe zu erklimmen vermag.

Nichtrauchen: Wir wissen wohin sowas führt …

Honk-Theorie des Paradigmenwechsels: Eine Theorie ist tot, wenn sie von zuvielen Honks vertreten wird

Praktiker*Innen, der_die: Wesen, die nicht darüber nachdenken wollen, was sie eigentlich tun

ZK-Syndrom: Sich innerhalb einer Gruppe auf eine Realität für Entscheidungen einigen können, welche nicht die der betroffenen ist. Vgl. auch Snafu-Prinzip.


1 “PLEASE ACCEPT MY RESIGNATION. I DON’T WANT TO BELONG TO ANY CLUB THAT WILL ACCEPT PEOPLE LIKE ME AS A MEMBER” –via Wikiquote


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