Unfreiwilliger Towel Day

25. Mai 2013

Kulturellepraxis wünscht einen schönen Towel-Day. Mehr zum Thema hier und hier

25.05.2013: DON’T PANIC, nicht die Daleks, sondern – so ähnlich – der Schlandmob fällt in London ein. Egal auf welche Weise sie dort hinkommen, Deutsche im Ausland können eine Landplage sein (gut, im Inland auch). Statt billigen Kalauern über Seelöwen und/oder Blitze fallen dieses mal besonders solche über mit Handtüchern reservierte Plätze auf.(1), (2) Die Douglas Adams Fangemeinde freut es.


Aus aktuellem Anlaß

29. März 2013
  • Ist “Gott ist tot”(1), (2) eigentlich auch heute eine Blasphemie? Oder nur zu 2/3?
  • Können wir den Tag nicht umwidmen zum antiableistischen Feiertag für all jene mit mangelhaften Tanzfähigkeiten?
  • Die Evergreens: WennsieJesusertränkthättenhingeinbayrischenKlassenzimmernAquarienmitwein, WennJesuswiederkehrtseidIhrsicherdaßerdiesesKreuznochmalsehenwill

Flachzangen im Sonderangebot #2: Plagiatskleinbürger

24. Februar 2013

Ein interessantes Beispiel für die Weisheitsverbreitung des Adorniterordens ist dieser Artikel. Gut, von sich kritisch gebenden Medien wird letztlich erwartet, auch die kritische Kritik kritisch zu kritisieren – zumal wenn nicht aus der eigenen Ecke kommend – und sicherlich, es kann Spuren von Zutreffendem enthalten. So die These von Politiker*innen als Sprechautomaten oder die Tatsache, daß Plagiatsaffairen als isolierte Aufreger viel zu behandeln zu kurz greift. Doch Schavans Politik oder was sich aus dieser Affaire für die Funktion von s.g. “Bildungsabschlüssen” rekonstruieren läßt, bleiben Leerstellen des Artikels.

Faszinierend ist v.a. das Enden auf Gedankensprüngen, die eines Uniflugblatts würdig wären. Denn das Problem sind letztlich letztlich die Postmoderne und irgendwie hängt diese auch noch mit den Copyrightdebatten der Pirat*innen zusammen. Feinheiten, wie Urheberrecht und Copyright oder Intertextualität und Betrug zu differenzieren wäre ja die – hier abfällig benannte – “Fleißarbeit”, d.h., “einer Mischung aus Pingeligkeit und Ignoranz”; das ist nur was für Leute, die die Wahrheit noch nicht bei Adorno nachgelesen haben, Ausprägungen voller Ignoranz scheinen legitim.

Der Autor zieht die Qualifikation der *plag-Betreiber*innen in Frage – hätte es handfeste Hinweise gegeben, wären die Wieselformulierungen unnötig gewesen -, setzt aber selbst fehlende Originalität und fehlende Quellenangaben gleich (für alle Nichtakademiker*innen: letztere sind basales Handwerk, während erstere selten positiv in die Benotung einfließen).

Wohlgemerkt: Tu Quque an sich wäre ein Ad Hominem; aber die pathische Projektion ist ein wichtiges Konzept im psychoanalytischen Begriffsarsenal, gerade in Anitsemitismuskritik der Frankfurter Schule. Soetwas wird offenbar nicht für die Selbstanwendung genutzt.

So übernehmen wir dies und verweisen angesichts seiner Pomo-Kritiken auf Erkenntnis, daß sich die *plagbetreiber*innen offenbar den kritisierten “nicht gewachsen fühlen”.


Fefelogik

10. Februar 2013

“Kurze Durchsage [von Fefe]: “Zu viel Transparenz schadet”. Äh, wie meinen?”(1)

METAGESCHWURBEL


Elbphilharmonie

9. Januar 2013

00:00 – Große Science Fiction Party unter dem Titel “Living in the Future”, es ist eingetreten, was niepserd für möglich hielt: Die Elbphilharmonie, das teuerste Konzerthaus der Welt, ist fertiggestellt und wird an diesem Tag feierlich eröffnet

00:01 – Einladungen für den interdisziplinären Sprachphilosophisch-linguistischen Kongreß “Elbphilharmoie fertiggestellt, ein Schlag für das Futur III Bewegung?” werden verschickt

06:03 – Vor dem Schlafengehen bloggt der Musicalfan

“Es bleibt zu hoffen, die Elbphilharomie verschafft uns dann endlich soviele schöne Stunden, wie es die Flora tat, ich werde ihr auf jeden Fall einen Besuch abstatten.

Auf Nachfrage, ob er jetzt unter die Linksextremist*innen gegangen sei ergänzt er

Natürlich meine ich die Flora mit der roten Fassade, die andere finde ich komplett uninteressant. Sry für das Mißverständnis, bin gerade etwas unorganisiert

08:46 – Der Kaffee in der Strafversetzungsabteilung des Verfassungsschutz ist alle. Der zuständige Sachbearbeiter für Blogdurchsuchungen sieht die Meldung im Tran und berichtet seinem Vorgesetzten:

Chaoten aus dem Flora-Umfeld planen “schöne Stunden” in der Elbphilharmonie

09:23 – Der Vorgesetzte(1) überprüft den o.g. Blogger und findet heraus, der Titel seiner Dissertation lautet: “Aspekte des Autonomiebegriffs in §8 der Kritik der praktischen Vernunft”. Sofort geht eine Alarmmeldung an die Hamburger Polizei,

Autonome aus dem Flora Umfeld planen, der Elbphilharmonie “einen Besuch abzustatten”

11:48 – Großalarm bei der Hamburger Polizei. Der Innensenator sucht sein jägergrünes Sakko heraus. Gerüchte, daß der gesamte Seeheimer Kreis in StahlKevlarhelmen sind reichlich übertrieben.

12:56 – Ein erster Zwischenfall ekaliert, als sich Dekorateur*innen an der Sicherheitsschleuse vorstellen mit “Wir sind die Floristen”. Da per definitionem verhältnismäßige Mittel eingesetzt wurden, kann den betroffenen wegen ihrer gebrochenen Knochen trotz des bedauerlichen Irrtums die Anzeige wegen Widerstands nicht erspart werden

13:32 – Großeinsatz mehrerer Hundertschaften, eine Mobiltoilette wurde mit der Aufschrift “besetzt” versehen. fünf Beamte werden leicht durch die eingesetzten Unmengen an Reizgas verletzt.

13:34 – Die DPolG gibt eine Erkärung heraus.

Fünf verletzte Beamte ist ein trauriger Rekord an menschlicher Grausamkeit, den der schwarze Block heute angerichtet hat. Es zeigt, niemand respektiert unsere Autorität. Deshalb muß ein Verbot von Kennzeichnungsschildern im Grundgesetz verankert werden und die Hamburger Polizei braucht endlich eine Bärenstaffel!

Versehentlich geht die Pressemitteilung an alle Hamburger Radiosender heraus.

14:03 – Im FSK Büro liest ein Büro-AG Mitglied diese Meldung. Da die eigentlich gerade sendende Person verspätet ist, wird die Gelegenheit genutzt, eine bissige Kurzmeldung zu den Ereignisse zu senden. Auf mysteriösen Verbreitungswegen landet die Meldung letztlich auf Facebook

14:51 – Gerade in ihren Eigentumswohnungen in der Schanze erwachende elbvorortsstämmige Studierende nützlicher Fächer lesen diese Facebookmeldung, hoffen auf ein unterhaltsames Krawallerlebnis – für irgendwas müssen die teuren Anwälte ja gut sein – und holen die 79€ teuren Kapuzenpullis aus den begehbaren Wandschränken

16:26 – Um den anstehenden Großeinsatz zügig und koordiniert über die Bühne zu bringen entscheidet sich die Polizeiführung zum Einsatz von Agents Provocateurs

17:13 – Agents Provocateurs, Verfassungsschutz-V-Leute und o.g. Elbvorortkiddies treffen aufeinander. Aus Angst vor Spitzeln gilt jedes Zögern und Mäßigen schnell als Anzeichen von Verrat.

18:56 – Erste Ausschreitungen. Der Innensenator ordnet an “verhaften Sie die üblichen verdächtigen”. Dies erweist sich als überraschend einfach, da sich die meisten dieser gerade bei einer Podiumsdiskussion in der (roten)Flora über den verkürzten Kapitalimusbegriff der Occupybewegung (untertitel: “was hätte Adorno gesagt”) mit anschließendem Breakcore-Konzert befinden.

19:36 – Da die Randalierenden ungwöhnlich gut organisiert sind, das Codewort nur selten vergessen wird und keine brauchbaren Lageberichte zur Verfügung stehen, weil aufgrund zu kurzen Vorlaufs keine FSK-Liveberichterstattung läuft, fordert der Bundesinnenminister – unter frenetischer Zustimmung des Finanzministers – Bundeswehreinsatz. Elternverbände werfen ihnen vor, zusehr durch die GTA-Spielereihe beinflußt zu sein.

20:15 – ARD-Brennpunkt. Die Elbphilharmonie ist nicht mehr, die Hafencity steht in Flammen. Ein Glücksfall für den Hamburger Landeshaushalt, der nun die Mehrkosten für die Elbphilharmonie nicht mehr schultern muß. Beobachter*innen sind sich einig, daß es sich um ästhetische Verbesserung für das Stadtbild handelt.

21:12 – Der Senat beschließt in Telephonkonferrenz, wie mit der bis auf die Grundmauern abgebrannten Elbphilharmonie zu verfahren ist. Konzerte finden auf dem nun freien Platz unter dem Namen Ground Xero statt. Zum Regenschutz sollen Vordächer an die verbleibenden Mauerreste angebracht werden. Nach einer Kosten- und Statikprognose von Hoch-Tief wird beschlossen, über V-Leute sich das Knowhow der Roten Flora dafür zu besorgen.


Waffenrecht

7. Januar 2013

Nicht daß sich nicht an gefährlichen Gegenständen Vorsicht lernen lassen kann; aber da Lernen nichts Bewirkbares ist und Waffen nicht nur für die Nutzer*innen gefährlich sind, vielleicht nicht wirklich das Risiko wert. Zumal von sich überzeugte Heißdüsen ein von Teilen des Arbeits- und Aufmerksamkeitsmarktes gefragte Typen sind und ”doing things’ ohnehin zum autoritären Charakter in kapitalistischen Kontexten gehört. “Achtsamkeit” klingt auch zeitgemäßer als “Vorsicht”.

Daß es ein Problem mit Schusswaffen in Deutschland geben muß, ergibt sich aus der Tatsache, daß derartige Probleme gerne auf Jugendkultur oder USA geandert werden. Doch Waffenrecht ist ein Thema, bei dem simpel-verschwörungstheoretische Sicht von Lobbyismus als reine Korruption nicht ganz ziehen: Die Computerspieleindustrie hat einen Umsatz im Milliardenbereich. Schützenvereine eher nicht, Waffenproduzent*innen ihr Kerngeschäft eher in Kriegs-, als Sportwaffen. Insofern vielleicht neben”Cui Bono” Logik Ideologie - Schützenvereine: Lernen Sie schießen, treffen Sie Freunde – mitdenken. Ohne sich diese wiederum isoliert von Interessen oder als Erklärungsrest, wo die eigenen Rationalitätsvorstellungen versagen vorzustellen.

Apropos Ideologie: Es gerüchtet, eine mir vollkommen unbekannte Paretei überlege das Waffenrecht zu liberalisieren. Der Werbeslogan “God created men, samuel colt made them equal” ist auch eine Form von Demokratieverständnis; liquidating democracy. Wir freuen uns auf den Beitrag gegen Überbevölkerung, wenn Kinder durch das Führen von Waffen vor Amokläufen geschützt werden sollen (thx, ihdl).

Letztlich bleibt die alte Weisheit, niemals die Waffe auf Personen/Dinge zu richten, auf die nicht geschossen werden soll. Oder verallgemeinert: Spätestens seit Kernwaffen (auch: “Atomwaffen”, aber welche Waffe ist das nicht?) wird befürchtet, daß das mögliche das Unvermeidliche ist – siehe auch Murphy’s Law. Eine AG zum Thema Waffenrecht müßte also gewagtere Visionen produzieren, als “nur” der freie(re)n Verkauf von solchen Produkten (wobei in diesem Fall Werbung interessanter werden könnte: “Unser USP: USP für USP”), eine Vision vermehrten Waffeneinsatzes. Um solche Visionen zu realisieren, sowie mehr Höflichkeit – zumindest außerhalb des Netzes – zu erreichen, gründet das Treitschke-Institut für geisteswissenschaftliche Nutzenopftimierung und Brandstiftung die “AG kiri sute gomen”


P.S.: Dieses Videos der Vorführung eines Waffenlobbyisten ließ sich leider nicht mehr im Artikel unterbringen


Kai-Horst

1. Dezember 2012

Fast in einem Anflug von Nostalgie, soll hier ein Studierendencafé-Mem für die Nachwelt dokumentiert werden, das der Gründung der Kulturellenpraxis maßgebend vorausging.

Da jetzt zumindest die Existenz des NSU, sowie beunruhigende Verbindungen zum Verfassungsschutz herausgekommen sind, ist anzunehmen, bleibt zu hoffen, daß es wenigstens interne Disziplinarmaßnahmen gab. Sei es auch nur für das Herauskommen

Was aber ist die übelste Strafversetzung, die einem Inlandsgeheimdienst zur Verfügung steht? Freie Radios zu hören ohne Möglichkeit des umschaltens mag bisweilen unangenehme Momente haben – einige sendende sind Dilettan*n  -, doch beispielsweise FSK erfreut sich selbst bei der Hamburger Polizei hoher Beliebtheit.

Die übelste Strafversetzung aller Überwachungsbehörden ist der Horchposten Studierendencafé. Codename de* abhörenden lautet “Kai-Horst”. Stellen wir uns vor: den ganzen Tag pseudoakademisches Gelaber, gefühls- oder dogmenlinke Tiefflüge, Flugblattschreiben, endlose Sitzungen.


Kullabuch

9. November 2012

Nach dem Erfolg des aktuellen Kulla-Buches entstehen Gerüchte, der Autor schreibe an einem Monumentalwerk zum Thema Datenschutz unter dem Titel: “Leben im Lausch”. Bereits heftige Diskussionen mit anschließendem Verstummen der Modewelle gab es um netzkulturelle Rituale, beschrieben in “Leben im #flausch.


Riots in Hollywood

31. Oktober 2012

+++Eilmeldung+++

Riots in Hollywood wegen “Innocence of Muslims”. Aufgebrachte Cineast*innen, engagierte Independent Regisseur*innen und ehrgeizige Drehbuchautor*innen lassen ihrer Wut freien Lauf, wiesehr dieser Film alle Ideale guten Kinos, gar ihren auf gute Filme ausgerichteten Lebensstil beleidigt.


Steilvorlage

1. Oktober 2012

In einem LFocus Interview meint H.P. Friedrich, “Ein Export-orientiertes Land wie Deutschland könne sich – auch Angesichts des Fachkräftemangels – Ausländerfeindlichkeit überhaupt nicht leisten.” (1, 2, 3). Die Kulturellepraxis1 fragt: Tritt er deshalb jetzt zurück? Treten alle CSU Minister*innen als Exporthemmnis zurück?

Erwartet wurde ja schon seit längerem, daß Friedrich seine Entlassungswelle endlich bei sich fortsetzt.(4) Wir träumen jedenfalls von einer Rücktrittserklärung, die dem zitierten Satz als Refrain nutzt: “Ein Demokratie-orientiertes Land kann sich keine Extremismustheorie leisten”, “Ein Bildungs-orientiertes Land kann sich keine Minister leisten, die Rassismus als ‘Ausländerfeindlichkeit’ bezeichnet und keine geschlechtersensiblen Formulierungen nutzten” und “Ein die Menschenwürde in der Verfassung verankerndes Land wie Deutschland kann sich nicht leisten, diese Verletztendes nur bei wirtschaftlicher Nützlichkeit abzulehnen”


1 Friedrich könnte jetzt zurückfragen, wer ist das eigentlich, “Kulturellepraxis”? Die ‘emanzipatorischen’ Ideale der Postprivacy vertretend, äußerte er die Überzeugung, nach Breivik sollten alle Blogger(*innen) “ihre wahre Identität [...] offenbaren.”(5) Das Problem ist, diese haben wir z.Zt. selbst nicht gefunden. Zweifeln zudem, ob überhaupt etwas außerdiskursiv “Wahres” findbar ist; und “Idenität” wurde bereits vor Jahrzehnten dekonstruiert. (Da Fußnote auf eine US-Amerikanische Philosophin wegen Triggergefahr für Adornit*n ausgespart)