My little Fefe

Da flüchtig geschriebene Fefe-Rants häufig mehr Klicks bringen, als stundenlang ausgewogene wissenschaftstheoretische Essays oder feinsinnig-intellektuelle Satiren – das wird Euch genauso überraschen wie mich -, folgt ein reiner Opportunismusartikel zu einem Omnibusthema:

Haben Fefes Gegner*innen den Rubikon überschritten, ihm mit Ponys zu kommen? Wie hätte er erst bei Furrys reagiert? Und: Wer stellt sich ihnen entgegen? Denn Fefe dürfte eher ein Crassus sein; also ihm bloß keine CCC-Feldzeichen anvertrauen, die Truppen Crassus’ wurden zu Pferde überwältigt. Keine Ahnung, ob z.B. Frank Rieger – seine Freundschaft mit Fefe ist übrigens magisch – Lust auf die Rolle des Pompeius hat oder hier überhaupt ein Triumvirat voll würde (aber wer wäre in diesem Fall dann Caesar?), geschweige denn, warum ihm gerade jetzt ein Paarhufer über die Leber gelaufen ist.

Jetzt nichts Positives über bunte heile Welten, das Leben ist nuneinmal ein Ponyhof und kann es überhaupt Verlierer*innen geben, wenn sich Dude-Bronies und #Fefeministen streiten? So besorgt sich die – ausschließlich auf Drahteseln reitende – kulturellepraxis doch gleich einen großen Eimer Popcorn. Wobei dieser Fall zeigt, daß auch andere Beispiele als Star Trek gibt, Utopien – oder besser: der Dialektik von Utopie und Dystopie – Widerständigkeit abzugewinnen.

MLP, das ist solch ein kurzlebiger und Modetrend, auf dem hängenzubleiben ungefähr so peinlich ist, als würde jemand 20 Jahre nachdem es kool war noch scriptfreies HTML nutzen (ja doch!).

Schämen sollten sich Leute lieber für wirklich ignorante Sachen, etwa ableistische Begriffe wie “rumspacken” zu nutzen oder in dumpf-Szientismus “IQ” mit “Intelligenz” verwechseln.

Regelmäßige Leser*innen kennen wohl diesen Sermon schon auswendig – deshalb sparen wir uns die Literaturliste -, aber Fefe reproduziert unkritisch Teile der Psychologie, welcher der Behaviorismus zwei bis heute unaufgearbeitete Irrtümer eingebrockt hat: Zum einen sich für einen objektiven Zweig der Naturwissenschaften zu halten, zum anderen Naturwissenschaft für das zu halten, was der Neopositivismus darunter verstand. Dabei dient die experimental-statistische Methode der Essenzialisierung von gewissen Beobachtungs-Theorie-Komplexen, das ist das doppelt positive am Positivmus: Zum einen die Realität auf Operationalisierbarkeit in einem (zu) begrenzten Methodenrepetoir reduzieren, zum anderen dabei auch das beobachtete Bestehende – zugunsten des historischen oder möglichen – affirmieren. Ein Seitenhieb gegen die Wirtschaftswissenschaften wäre an dieser Stelle zu billig und ob dies bei unbelebter Natur legitimer sei, mögen andere durchkauen (Der Vollständigkeit halber, daß uns jetzt keine Psycholog*innen anfangen zu mögen, sei am Rande erwähnt, daß die stärkste Gegenströmung, die Humanistische Psychologie auch ihre Tücken hat und Psychoanalyse zum einen nichts mit Psychologie zu tun hat, zum anderen alles interessante an ihr besser bei Nietzsche nachzulesen ist).

Für ein in den 20ern hängengebliebenes Wissenschaftsverständnis mit Hang zur Naturalisierung des Bestehenden – das auch noch gebundled mit Politischem – fehlen ein wenig die Worte; ihn “Gefühlslinks” zu nennen, würde die Occupy-Nasen zusehr beleidigen, “Gefühlsreaktionär” wäre redundant und der Hipness dieser Ausprägung nicht angemessen. Vielleicht ihn einfach als Berliner Kreative Klasse othern? Ach, erweitern wir einfach provisorisch den Begriff #fefeminismus auf sowas.

2 Antworten zu My little Fefe

  1. Odradek sagt:

    Btw. forderte Fefe zeitnahe zu diesem Post höhere Qualitätsstandards wenn getrollt. Fefe. Naja, tu quoque als argumentum ad hominem wäre ein non sequitur.

    Ich würde mir ja jetzt auf die Schulter klopfen, jetzt sogar einen Grund gehabt zu haben, bei diesem Diss soviele bildungsbürgerliche Register gezogen zu haben, doch [achtung: befindlichkeitstweet] doch habe ich gewaltigen Muskelkater.

  2. Odradek sagt:

    Links ergänzt:
    - Quelle des Satzes “Psychology as the behaviorist views it is a purely objective experimental branch of natural science. Its theoretical goal is the prediction and control of behavior.”
    - Zwei Links zum Mem-Begriff “Fefeminismus” (1, 2); dessen Ursprung, irgendwo in den Tiefen der kurzlebigen Realitätsbubbles vonTwitter unbekannt ist, aber ihdl unterstellt wird

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