Inkompetente Entscheidungen sind etwas Schlechtes (axiomartige Behauptung zum selber-plausibel-machen). Doch soetwas kann leicht passieren: Sei es durch den den berüchtigten Dunning-Kruger-Effekt oder das (von d* Autor*) sogenannte ZK-Syndrom: Die durch kommunikative Rückkopplung entstehende Realität einer entscheidenen Gruppe braucht keine Ähnlichkeit mit der Realität derer, die von den Entscheidungen betroffen sind zu haben, vgl. auch Snafu-Prinzip. Die Liste ließe sich weiter fortsetzen, für (sozial)psychologisch interessierte sei nur noch das Asch-Experiment angeführt; eine gesunde Skepsis gegenüber der Experimentalmethodik (vgl. dazu etwa Markard, Morus: Einführung in die Kritische Psychologie; Hamburg 2009.) als grundlegendes Wissenschaftlichkeitsverständnis wird unseren Leser*Innen einfach mal unterstellt oder ggf. angeraten.
Halten wir zunächst einmal fest: Demnach wäre es bei den meisten Politiker*Innen also sogar besser, wenn sie sich auf ihre Lobbyist*Innen verlassen, anstatt sich auf die eigene “Weisheit”. Und stellen wir mit Bedauern fest: In manchen Fällen ist eine schlechte Entscheidung besser als gar keine (und in manchen Fällen führt diese Erkenntnis zusammen mit anderen Faktoren zu einem geistlosen Heißdüsentum).
Nun wissen wir (“sein bestimmt das Bewußtsein”, “Wissenschaft und Interesse”, “paradigmengebundene Normalwissenschaft”, “alles was gesagt wird, wird von jemandem gesagt”, “situiertes Wissen”, die Liste ist zu lang, die Erkenntnis trivial), daß objektives-standpunktfreies Wissen leider nicht möglich ist. D.h. jeder Versuch diese Inkompetenz zu Beheben erfolgt mit nicht-neutralem Wissen (legen wir dies als zweite axiomartige Behauptung fest). Dies scheint ein Grunddilemma politischer Entscheidungen: Inkompetenz ist schlecht, Kompetenz aber interessengeleitet. Neben dem Problem, daß Ziele und Moral ohnehin nicht aus “Wissen” folgen (vgl. naturalistischer Fehlschluß), kann damit eine szientistische Politikauffassung als Zeichen von Inkompetenz aufgefasst werden.